Freitag, 4. Januar 2013

Das Motiv

Wenn man die Probleme und die ursaechlichen, tiefen inneren Widersprueche des Kapitalismus verstehen moechte, dann kommt man nicht umhin sich ueber sein zentrales, alles antreibende Motiv Gedanken zu machen. Es entspringt der Vorstellung, das "Mehr" gleich "Besser" ist und bezieht sich dabei auf materielles Eigentum.
Nun ist es so, dass unter Einsatz / Investition  der absoluten und universalen Waehrung "Lebenszeit" in Form von Arbeit bestenfalls eine lineare Anhaeufung von materiellen Guetern zu erreichen ist. Es sei denn, man erfindet eine produktivitaetserhoehende Technologie, die es erlaubt, die Ertraege der Arbeit zu steigern. Dabei sind grundsaetzlich zwei Arten der "Technologie" zu unterscheiden. Die erste, die darauf abzielt die Produktivitaet der eigenen Arbeit zu erhoehen und eine zweite die darauf abzielt sich die Ertraege der Arbeit anderer oder Teile davon anzueignen. Die erste fuehrt zu Schueben und die zweite auf den ersehnten exponetiellen Pfad. Das wird klar, wenn man sich das am Beispiel eines Bauern verdeutlicht. Die Aneignung / Urbarmachung von Boden erhoeht nur solange die Produktivitaet wie das Zeit / Arbeitspotential des Bauern nicht ausgeschoepft ist. Sobald dies der Fall ist, ist der Bauer nicht in der Lage aus mehr Boden mehr Ertrag zu erzielen. Diese Situation laesst sich nun durch zwei Strategien loesen. Die erste fuehrt zur Erfindung des Pfluges, die zweite zur Erfindung der Sklaverei oder legalisierte Abarten davon, wie z.B.die Vermietung / Verpachtung von Eigentum an Produktionsmitteln gegen einen Anteil der Ertraege. Beide erschliessen dem Bauern einen Pfad dem Ziel "Mehr" naeher zu kommen. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ueber Zeit die erste Strategie zu einer gleichmaessigen Anhebung des Allgemeinwohls fuehrt, wenn sie nicht durch Ansprueche aus "intellectual property" in die zweite Strategie umgewandelt wird,  wohin gegen die zweite Strategie  zwar zunaechst auch brachliegendes Potential ausschoepft aber dann zwangslaeufig dank Fargione Integral und daraus resultierendem Konzentrationsprozessen in Verdraengungswettbewerb, Kosten- und Lohnsenkungswettlauf mit all seinen Folgen  muendet. Das eine kapitalistisch wirtschaftende Gesellschaft durch die Moeglichkeit Strategie 2 anzuwenden tendenziell die Faehigkeit zur Strategie 1 ueber Zeit verliert, hatte ich schon an anderer Stelle erwaehnt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen