Sonntag, 20. Januar 2013

Der Teufelskreis oder das totale Versagen der angeblich besten Koepfe in Wirtschaft und Politik.

Angesichts der Tatsache, dass wir uns inzwischen im sechsten Jahr der groessten Krise seit der grossen Depression im vergangenen Jahrhundert befinden und sowohl Regierungen und Notenbanken als auch die Eliten in Wirtschaft und Politik bisher keine ueberzeugenden Loesungskonzepte auf die Beine stellen konnten, was meiner Meinung nach einer fehlenden, tiefergehenden Ursachenanalyse zu verdanken ist, hier nochmal mein Ansatz zur Erklaerung der tieferen Ursachen der Krise, als Hinweis darauf, woran es denn nun wirklich liegen koennte, dass nach fast sechs Jahren und weltweit unzaehlbar gewordenen Milliarden keine wirklichen Fortschritte zu verzeichnen sind.
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Austeritaet fuehrt direkt in den deflationaeren Zusammenbruch. Kreditexpansion kauft Zeit, aber vergroessert nur die Fallhoehe, wenn nicht endlich die tieferen Ursachen erkannt und angegangen werden. Und diese Ursachen liegen in ganz elementaren oekonomischen Verhaltensweisen und Sachverhalten begruendet, die zum einen starken deflationaeren Druck aufbauen und zum anderen Konzentratonsprozesse ausloesen, die nicht nur das Finanzsystem destablisieren, sondern der kapitalistischen Wirtschaftweise in modernen, demokratischen Staaten letztendlich die Funktionsbedingungen entziehen/zerstoeren.
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Der Deflationsdruck entsteht durch einen allgemeinen Effizienzwettlauf und die damit verbundene Produktivitaetserhoehung:
http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/georgs-kleine-volkswirtschaft-erweitert.html#more
Der dadurch ab einem gewissen Punkt entstehende Preisverfall kann dann nur noch durch massive Kreditexpansion aufgehalten werden. Dabei verschiebt sich die Kreditvergabe zwangslaeufig und zunehmend von der Finanzierung von Investitionen der Aufbauphase hin zur Finanzierung von Konsum(z.B. Leasing) und kosumsteigernden Massnahmen(Werbung, Marketing, Vertrieb).
Parallel dazu wirkt das Fargione Integral, beguenstigt durch neoliberale Ideologien, die ihre Rechtfertigung aus den unbestreitbaren Erfolgen der Aufbauphase beziehen und basierend auf ganz elementaren oekonomischen Verhaltensweisen.
http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/12/das-fargione-integral-warum.html
Das Ganze fuehrt zu einer Entwicklung, die ich an anderer Stelle, wo es um die katastrophale Lage in Griechenland (aber auch in Spanien) ging so beschrieben habe:
Die Strategie, die hier durch die Troika zur Anwendung gebracht wird, ist recht simple.
Da werden die Massen wirtschaftlich solange sturmreif geschossen, bis sie wieder fuer die "einfachen" und "bewaehrten" Loesungen empfaenglich sind. Und diese werden dann von den selben skrupellosen Armleuchtern angeboten und implementiert, die dieses Desastser zu verantworten haben. Und das Ganze wird dann als ein weiterer Sieg des Wirtschaftsliberalismus gefeiert werden. Denn das ist wirklich unbestreitbar: Wenn alles in Truemmern liegt, ist eine liberale Witschaftspolitik unschlagbar wenn es um Wiederaufbau geht. Was ihr aber nie gelingt und ihr auch nicht gelingen kann, ist eine wiederaufgebaute Wirtschaft in eine sich selbsttragende, stablisierende Entwicklung zu lenken. Das liegt daran, dass die wirtschaftsliberale Rezeptur auf Dauer angewendet ihre anfaenglichen Erfolge spaeter dadurch untergraebt, dass sie sich in ihren Auswirkungen ueber Zeit zunehmend gegen die Interessen von Mehrheiten richtet. Das Fargione Integral laesst gruessen. Die Loesung, das durch kreditfinanzierten Konsum zu uebertuenchen, traegt nur solange, bis sich alle Sektoren einer Wirtschaft mit 100% und mehr des BIP verschuldet haben. Und dann schliesst sich der Kreis (s.o.).

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ein sehr guter Artikel. Aber: wie können wir verhindern, daß Märkte degenerieren. Denn, wenn ich sie richtig verstehen, liegt da das Problem: Märkte tendieren ihrer Ansicht nach mit der Zeit dazu, Wettbewerb auszuschalten und Oligopole zu bilden, die es ermöglichen Preisabsprachen zu treffen. Wie kann man dem entgegen wirken. Wer hat das Wissen, die Kompetenz und die Macht, dies zu unterbinden?

    MfG

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  2. Sehr geehrter Herr Huthmann,

    meiner Meinung nach ist es vor allen Dingen eine Kopfgeschichte. Das erste was geschehen muss, ist die Herstellung der Einsicht in die tieferen Ursachen des Problems. Solange eine solche Einsicht nicht besteht und die offizielle Lehrmeinung und damit das was an den Eliteschulen vermittelt wird, im genauen Gegenteil besteht, hat die Vernunft keine Chance. Solange das geozentrische Weltbild bestand, konnten bestimmte "Ungereimtheiten" nicht behoben werden. Erst als sich die Erkenntnis durchsetzte, dass die Erde ein Planet ist, der um die Sonne kreist, war der Weg frei fuer die Aufloesung dieser "Ungereimtheiten". D.h. Ideen und Vorstellungen sind sehr machtvoll. Und Fortschritt bedeutet die Ueberwindung falscher Ideen und Vorstellungen. Meine Hoffnung ist also, dass Vernunft begabte Menschen faehig sind im Konsens eine Loesung zu finden, wenn sie ersteinmal die tieferen Ursachen der Probleme erkannt und begriffen haben. Wenn man gleichzeitig davon ueberzeugt ist, dass moderne Demokratie und die Idee einer Volonte generale nicht nur einmalige Fortschrittseregnisse darstellen sondern kontinuierlichen Fortschritt ermoeglichen, dann kommt man zu Antworten auf Ihre Frage, wie ein Kollege und Freund sie mal hier, wie ich finde ganz ausgezeichnet, zusammen gefasst hat:
    http://community.zeit.de/user/vagant/beitrag/2010/11/09/dein-wille-geschehe

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  3. Sehr geehrter Herr Trappe,

    bin nicht der Meinung, daß Austerität generell nichts bringt. Wenn wir davon ausgehen, daß Wettbewerb erforderlich ist, um zu verhindern, daß Märkte degenenerieren, daß muß nach einer Phase der Verhinderung von Wettbewerb auch wieder eine Phase mit mehr Wettbewerb möglich sein.

    Nehmen wir die südeuropäischen Länder. Meiner festen Überzeugung nach existiert dort keine hinreichende Wettbewerbskultur sondern eine Kultur der Verhinderung von Wettbewerb.

    Wenn sie keinen hinreichenden Wettbewerb haben, dann steigen die Preise, das wissen wir und eine gesellschaftliche Gruppe profitiert auf Kosten der Allgemeinheit. In einer Folgephase muß es also wieder möglich sein, daß Preise sinken können. Dagegen anzugehen halte ich nicht für intelligent. Ich glaube auch nicht daran, daß das in eine Depressionsspirale führt. Das behaupten nur die Befürworter von Interventionen von was auch immer (Staat, Notenbanken).

    In diesem Punkt halte ich nicht viel von der in querschüsse so heftig vertretenen Auffassung. Ich halte sie ehrlich für etwas weltfremd, da noch nicht verstanden, wie höhere Preise entstehen.

    Mfg

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  4. Es gibt Untersuchungen, die aufzeigen das alle sog.PIIGS vor der Konvergenzphase, die der Euroeinfuehrung vorher ging, einen hoeheren Gini Koeffizienten hatten als Deutschland und die sog. Nordlaender. D.h. das Fettaugensyndrom war in diesen Laendern tatsaechlich weiter fortgeschritten. Waehrend der Konvergenzphase, also etwa zwischen 95 und der Euroeinfuehrung sanken diese Ginikoeffizienten in den sog. PIIGS waehrend sie in Deutschland stiegen!!! Leider ist diese Untersuchung nicht weitergefuehrt worden. Wir wissen nur, dass in Deutschland ein weiterer Anstieg erfolgt ist. Beschleunigt seit 2003/04 .
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    D.h. Wettbewerb muss dahin getragen werden, wo er nicht vorhanden ist. Die Arbeiter in Griechenland und Spanien stehen genauso im Wettbewerb wie die deutschen Arbeitnehmer. Vom Wettbewerb ausgeschlossen sind sowohl in Griechenland, Spanien und Deutschland, Reeder, Grossgrundbesitzer, Industrielle, Banker usw. usf. Die reden zwar immer von mehr Wettbewerb und Wettbewerbskultur, meinen aber nie sich selber, sondern immer nur diejenigen, die sie gnadenlos in den Wettbewerb stellen und dabei ueber den Tisch ziehen.
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    Zu den verhassten Interventionen noch soviel. Wirtschaften heisst intervenieren. Jeden Tag jede Stunde werden Entscheidungen gefaellt und umgesetzt um den Laden am laufen zu halten. So gesehen wird also laufend interveniert. Die Frage ist also mehr durch wen und auf welches Ziel gerichtet interveniert wird. Das den Fettaugen es am liebsten waere, wenn nur sie das Sagen haben und alles nur nach ihrer Pfeife tanzt, ist schon klar. Was dabei heraus kommt, wissen wir spaetestens seit 2007 auch wieder einmal.

    Viele Gruesse
    GT

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  5. "traegt nur solange, bis sich alle Sektoren einer Wirtschaft mit 100% und mehr des BIP verschuldet haben."

    Das ist nicht möglich. Die Summe aller Schulden und Guthaben ist Null. Irgendjemand muss Gläubiger sein.

    "Vom Wettbewerb ausgeschlossen sind sowohl in Griechenland, Spanien und Deutschland, Reeder, Grossgrundbesitzer, Industrielle, Banker usw. usf. Die reden zwar immer von mehr Wettbewerb und Wettbewerbskultur, meinen aber nie sich selber, sondern immer nur diejenigen, die sie gnadenlos in den Wettbewerb stellen und dabei ueber den Tisch ziehen."
    Sehr schön. Das bringt es auf den Punkt. Diese Menschen werden im wesentlichen durch den "freien" Markt geschützt.

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    1. Es stimmt das alle Guthaben und Schulden sich in der Summe immer aufheben, es also global kein Netto Geldvermoegen geben kann. Allerdings sind die Guthaben anders verteilt als die Schulden. Geldvermoegen konzentrieren sich zunehmend in den Haenden weniger und das hat Konsequenzen bishin zur Instabilitaet des Finanzsystems, die ich hier im Blog schon mehrfach zur Sprache gebracht habe. Ausloeser fuer den Konzentrationsprozess ist das Fargione Integral. Gaebe es ideale Maerkte und damit vollkommenen Wettbewerb, dann waere es niemandem moeglich ueber laengere Zeitraeume nur positive Renditen zu erzielen, also Real- und Geldvermoegen zu akkumulieren. Gewinne und Verluste wuerden sich im zeitlichen Mittel ausgleichen. Das ist aber ganz offensichtlich nicht der Fall und damit ist die Neoklassik als Maerchenstunde bzw. die sie vertretenden sog. Wirtschaftswissenschaftler als Propagandaabteilung entlarvt.
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/warum-maerkte-nicht-funktionieren-fazit.html

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  6. Reeder, Grossgrundbesitzer, Industrielle, Banker usw. usf. Die reden zwar immer von mehr Wettbewerb und Wettbewerbskultur, meinen aber nie sich selber, sondern immer nur diejenigen, die sie gnadenlos in den Wettbewerb stellen und dabei ueber den Tisch ziehen.

    Diese Wahrheit ist zwar leicht zu erkennen, wird aber zu gern ausgeblendet.

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  7. "traegt nur solange, bis sich alle Sektoren einer Wirtschaft mit 100% und mehr des BIP verschuldet haben."

    Das ist nicht möglich. Die Summe aller Schulden und Guthaben ist Null. Irgendjemand muss Gläubiger sein.

    Global stimmt es, es ist ein Nullsummen-Spiel. Bei Betrachtung einzelner National-Ökonomien allerdings könnte ja die Verschuldung im Ausland bestehen.
    Man könnte auch den Blickwinkel wählen, dass die Finanz- nichts mehr mit der Real-Wirtschaft zu tun hat und die Realwirtschaft dort verschuldet ist.

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