Sonntag, 10. Februar 2013

Eine infame Verdrehung der Tatsachen

Die Welt brachte gestern einen Artikel mit der Ueberschrift:
 "Der neue deutsche Exportrekord".
Die Fakten, die grafisch gut aufbereiteten langen Zeitreihen und die fundierte Analyse dazu, die deutlich ueber die Datenfragmente, die die Propagandisten der Mainstream Medien verwerten, hinaus gehen, finden Sie wie immer auf Querschuesse. Auffaellig am Welt Artikel ist aber eine aeusserst infame Verdrehung, die man ganz geschickt, nicht selber vortraegt, sondern einen Banker/Oekonomen stellvertretend vortragen laesst. Im Fazit des Artikels heisst es dann:
"Mit Blick auf die weitere Entwicklung in Deutschland zeigten sich Ökonomen zuversichtlich, dass insbesondere die Importe wieder zulegen werden: "Für die kommenden Monate erwarten wir nun eine bessere heimische Nachfrage und damit ein Anziehen der Importe, auch begünstigt durch den starken Euro. Auch die Exporte dürften sich positiv entwickeln, weil die Weltwirtschaft anzieht", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank.
Zufrieden äußerte sich der Ökonom auch darüber, dass im vergangenen Jahr der Abbau von Ungleichgewichten vorangekommen sei. "Deutschland hilft den Partnern in der Euro-Zone, weil es weniger dorthin exportiert und dafür mehr einführt. Das stabilisiert die Wirtschaft in den Euro-Krisenstaaten", so Schulz. Zum Glück für Deutschland sei der Abbau von Ungleichgewichten allerdings auf die Euro-Zone beschränkt. Schulz erklärt: "Für Deutschland ist es das Beste aus beiden Welten: Die Bundesrepublik hilft den Partnern aus der Euro-Zone und profitiert vom Rest der Welt." "
Diese Darstellung ist nun wirklich an Infamie kaum noch zu uebertreffen. Denn Tatsache ist, dass Deutschland sich als Ganzes, also als Volkswirtschaft sowohl in der Vergangenheit als auch zur Zeit schadet bzw. geschadet hat, wenn die auslaendische Konkurrenz in Grund und Boden konkurriert wird und gleichzeitig, im Austausch fuer die im Ueberschuss gelieferten Waren und Leistungen, Forderungen, also Gelder, gehortet werden, die zunehmend uneinbringlich werden und dann auf diejenigen, die die Ueberschuesse erarbeitet haben, abgewaelzt werden. So ist es nachweislich nach der Euroeinfuehrung mit den Ueberschuessen geschehen, die aus den Lieferungen an die europaeischen Handelspartner entstanden und so wird es mit den Ueberschuessen geschehen, die jetzt an aussereuropaeische Handelspartner geliefert werden, die zu allem Ueberfluss noch in US$ zahlen, also in der Waehrung eines Landes, in dem nicht nur keiner mehr Steuern bezahlen will, sondern das seit Jahrzehnten gigantische Handelsbilanzdefizite auftuermt, die niemals mehr abgebaut werden koennen.  Soetwas der Oeffentlichkeit als Erfolg zu verkaufen, macht nur dann Sinn, wenn die Betreiber dieser Sauerei, die Eliten in Wirtschaft und Politik, eine Strategie verfolgen, die darauf abzielt, die immer unausweichlicher werdende Entwertung dieser Forderungen wiedereinmal auf die Mehrheiten in Deutschland abzuwaelzen.
Das ist das widerlichste Schurkenstueck und der groesste Betrug aller Zeiten, der da in einem an Zynismus nicht zu uebertreffendem Mass von den Mainstream Medien und willfaehrigen Bankern / Oekonemen als "Erfolg fuer Deutschland" gefeiert wird. Es ist aber bei Licht betrachtet nur ein Erfolg fuer ganz wenige Superreiche und zwar auf Kosten der deutschen Belegschaft. Denn so wie die Forderungen ans europaeische Ausland massenhaft ausgefallen sind, so werden die in US$ nominierten Forderungen an nicht europaeische Handelspartner unweigerlich ausfallen / entwertet werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Insbesondere China und viele suedostasiatische Laender haben begriffen, was die Stunde geschlagen hat und trennen sich von den US$, die sie bisher gehortet haben und freuen sich ueber ein dummes Deutschland, welches fuer diesen Schrott, die US FED druckt jeden Monat 85 Mrd. mehr davon,  qualitativ hochwertige Waren liefert.

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Trappe,

    was die Exporte in die USA anbetrifft gibt es ein interessantens Buch von Eichengreen "das Ende des Dollarprivilegs". Das kann ich nur empfehlen. Demgemäß hält sich die Dollarweltwährung noch eine Weile. Inwieweit die Chinesen in der Lage sind, hier Paroli zu bieten, hängt auch davon ab, ob sie Kapitalmärkte in der Breite und Tiefe aufbauen, um den Exporterlösen in chinesischer Währung auch eine Anlageform zu bieten.

    Bis dahin sehe ich die Forderungen in Dollar nicht in Gefahr. Erst wenn absehbar ist, daß der Dollar nicht mehr Leitwährung sein kann und es eine oder die andere Weltleitwährung incl. Kapitalmärkte dort gibt, kann der Wert ins Trudeln kommen. Also sicher nicht mittelfristig.

    Etwas anderes sind die Target-Salden. Hier sehe ich es wie Sie: sie werden nie beglichen werden können und müssen irgendwann einmal ausgebucht werden. Und leider werden diese Abschreibungen wohl nicht nur zum Anteil der EZB-Anteile von den deutschen Staatsbürgern getragen werden müssen. Das wird dann einer der deutschen Beiträge zur Erhaltung des Euros sein.

    Unabhängig davon ist leider nicht davon auszugehen, daß die Leistungsbilanzen der Südeuropaländer langfristig positiv sein oder bleiben werden. Da sind die Produktivitätsunterschiede einfach zu groß zwischen Nordeuropa und Südeuropa.

    Das wird dann wohl so werden wie in Deutschland. Da gibt es den Länderfinanzausgleich und soweit ich weiß hat es nur ein Land bisher geschafft, von einem Nehmerland zu einem Geberland zu werden, nämlich Bayern.

    MfG

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    1. Ich kann dazu nur noch auf folgendes verweisen:
      http://www.weitwinkelsubjektiv.com/2013/02/15/krisenklippe/
      -
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/was-die-entwicklung-der-target2-salden.html
      -
      Und dann kann sich ja jeder selber seinen Teil denken. Insbesondere ueber Gleichgewichtstheorien, magische Haende und Professoren, die diesen Stuss als "Wissenschaft" betreiben.

      Viele Gruesse
      GT

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    2. Auch nicht schlecht geschrieben:
      http://www.nachrichtenspiegel.de/2013/02/15/wie-die-grose-transatlantische-freihandelszone-den-europaischen-mittelstand-vernichtet/

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  2. Passt auch ganz gut:
    http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/0,2828,883277,00.html

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  3. Und wenn man sich fragt, wie das "grosse Vorbild" die Ungleichgewichte und die damit verbundenen Zahlungsstroeme zwischen Idaho (Kartoffelanbau) und z.B. New York (Wall Street) regelt ohne, das Banken zusammenbrechen, dann empfiehlt sich ein Blick ins FED accounting manual.
    http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/BSTfinaccountingmanual.pdf

    Denn die USA haben wohl für Ihre Zahlungsflüsse zwischen den Bundesstaaten ein System installiert (ISA(Interdistrict Settlement Account)/SOMA(System Open Market Account), wobei Prof. Sinn behauptet hat, die Salden würden begrenzt - und brachte dieses Argument in die Diskussion über Europa ein.

    Wenn man da mal versucht nachzuhaken, ob das mit der Begrenzung stimmt (das Wort Begrenzung ist in den USA ja in diesem Zusammenhang nicht so gebräuchlich-:), die werden sich ja wohl nicht ihr Zahlungssystem ruinieren), findet man leider nichts, was die These stützt - ganz im Gegenteil : lädt man sich das Accounting Manual der Fed mal runter und schaut darin mal nach (Punkt 5.0 ISA und 40.40 SOMA Participation), spricht einiges eher für "Aufweichung" :

    in Punkt 40.40 ist davon die Rede das auf Wunsch die Gold-Bindung (Gold Certificate (Punkt 2.10)) durch zu bestellende "Securities" ersetzt werden kann. Ohne das jetzt weiter verfolgt zu haben, würde ich darauf tippen, das es "weicher" ist als Gold (griechische Anleihen vielleicht -:)).

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  4. Dazu dann nch diese Erklaerungen:
    http://jpkoning.blogspot.com/2012/02/idiots-guide-to-federal-reserve.html

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  5. Und Markus Gaertner sieht auch einige interessante Indizien dafuer, dass sich die USA bzw. ihre fuehrenden Koepfe mental auf einen "Umstellungsprozess" vorbereiten.
    http://blog.markusgaertner.com/2013/02/16/sind-die-usa-darauf-vorbereitet-die-zweite-geige-zu-spielen/

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  6. Und bei Flassbeck gibt es auch noch einen guten Kommentar dazu:
    http://www.flassbeck.de/wordpress/deutsche-okonomen-warnen-vor-franzosischem-merkantilismus-oder-warum-der-witz-der-woche-gar-nicht-zum-lachen-ist/

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