Freitag, 26. April 2013

Sehr geehrter Herr Finanzminister

Sie sollen u.a. gesagt haben:
 "Die Schulden waren ja die Ursache der Krise, in der wir stecken."
Sollten Sie das wirklich glauben, dann wundert mich nichts mehr. Denn dann waere klar, wie oberflaechlich die Analyse derer ist, die vorgeben die Krise loesen zu wollen und warum sie es ganz offensichtlich seit  mehr als vier Jahren nicht schaffen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Bankbilanzen, Geldmengen und damit Schuldenstaende nur eine Richtung kennen? Und das weltweit, egal wo man hin sieht. Und haben Sie sich schonmal gefragt, warum eine Stagnation oder gar Kontraktion der Kreditvergabe immer wirtschaftliche Rezession bis hin zur Depression nach sich zieht? Wenn Sie diesen Fragen nachgegangen waeren, dann haette ihnen auffallen muessen, dass irgendetwas mit den Grundlagen der sog. Wirtschaftswissenschaften nicht stimmt. Ihnen haette auffallen muessen, dass wachsende Bankbilanzen, Geldmengen und Schuldenstaende das wirtschaftliche Wachstum antreiben, in dem zusaetzliche effektive Nachfrage generiert wird. Und das mit abnehmenden Wirkungsgrad. D.h. es muessen immer mehr Schulden gemacht werden, um ueberhaupt noch ein, zwei Prozent Wachstum zu erzeugen. Haben Sie sich schonmal gefragt, warum das so ist?
Haetten Sie sich diese Frage gestellt, dann waeren Sie vielleicht darauf gekommen, dass die wachsenden Schulden, Geldmengen und Bankbilanzen nur ein tiefer liegendes Problem ueberdecken. Ein Problem, das, wenn es nicht an der Wurzel kuriert wird, Finanzsysteme instabil, Volkswirtschaften zusammenbrechen und Staaten unregierbar werden laesst. Insofern hat Lloyd Blankfein recht, wenn er behauptet, die Banken verrichteten Gottes Werk, wenn sie ihre Bilanzen und damit die Geldmenge und Schuldenstaende endlos steigen lassen. Denn sie verhindern damit zunaechst Schlimmeres. Dummerweise loesen sie damit das wirklich ursaechliche Problem nicht. Das loesen Sie aber auch nicht, wenn Sie auf Schuldenabbau bestehen. Im Gegenteil, Sie verschaerfen es. Man kann natuerlich der Meinung sein, dass erst eine radikale Zuspitzung des Problems den Boden fuer seine wirkliche Loesung bereitet. Ist es das, was Sie meinten? Wenn nicht, dann empfehle ich Ihnen mal hierueber in aller Ruhe nachzudenken. Das koennte Ihnen helfen den wirklichen Ursachen der Krise und damit auch wirklichen Loesungen ein gutes Stueck naeher zu kommen.

Sapere Aude Herr Finanzminister!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Sagt der Schäuble: "Es gilt: Nachhaltiges Wachstum schaffen Sie nicht, indem Sie einfach nur Geld drucken oder noch mehr Schulden machen, sondern Sie müssen das, was nicht in Ordnung ist, schrittweise in Ordnung machen."
    Vom schlechten Deutsch mal abgesehen, könnte man ja versuchen, etwas Positives aus seinen Worten herauszulesen. Wenn er doch nur mal ganz kurz daran denken wollte, dass den Schulden auf der anderen Seite Vermögen gegenüber stehen, dann fiele es ihm wie Schuppen von den Augen: Es fehlt nur eine Armee von Schaufelbaggern, mit denen die Riesenhaufen von Vermögen in die Schuldenlöcher befördert werden.
    Aber natürlich weiß er das. Als Marionette derer, die auf den großen Haufen sitzen, muss er jedoch genau so natürlich versuchen, der großen Mehrheit irgendwo in den Tälern zwischen den Haufen vorzugaukeln, man könne mit "Solidität" auch irgendwie anders die Löcher füllen. Und warum sollte z. B. nicht ein wenig Wachstum entstehen durch den Bau von Panzern, die dann helfen, die Haufen zu verteidigen?

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  2. Hallo Ex Vermieter,
    so sehe ich das auch. Und dem Herrn Finanzminister scheint noch etwas zu entgehen. Und das ist die verblueffende Aehnlichkeit der Entwicklungen zu denen Ende der 20er, Anfang der 30er im vergangenen Jahrhundert. Es ist kein Wunder, dass in Italien eine Regierung vom Praesideten eingesetz wird.
    http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2013/04/willkommen-in-weimar-italiens-einzig.html
    Es ist auch kein Wunder, dass sich in Deutshland einige schon gedanklich auf acht Parteien im Bundestag vorbereiten.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/26/spd-geheimpapier-die-afd-ist-sehr-ernst-zu-nehmen/
    Wenn das ursaechliche Problem nicht geloest wird, dann folgt der wirtschaftlichen Instabilitaet die politische Instabilitaet. Dann werden der Reihe nach Laender in Europa unregierbar. Und wenn dann eine Harzburgerfront 2.0 auf die alten Idee verfaellt,
    dann haben wir genau das, was sie mit Ihrer Frage andeuten.

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