Donnerstag, 20. Juni 2013

Die "Ikari" von Lough Erne

Ich denke, wenn man sich den Ausgang des G8 Gipfels vor Augen fuehrt, dass den USA wohl nichts anderes uebrig bleibt, nachdem sie sich ihren einstigen Exportschlager in Form von triple A rated “Wertpapieren” selber ruiniert haben, ihre Absorption von ueber 2/3 der weltweit generierten Exportueberschuesse durch ihre “Dienstleistung” Schutzmacht zu rechtfertigen. Allerdings ist seit dem Ende des kalten Krieges der Markt fuer diese Dienstleistung dramatischen Veraenderungen unterworfen gewesen. Es koennte daher sein, dass in den USA zwei Fraktionen im Streit miteinander liegen, von denen die eine den ausgefallenen Bedarf durch die aktive Schaffung neuer Bedrohungsszenarien ersetzen moechte. Der anderen Fraktion gefaellt diese riskante Idee ueberhaupt nicht, aber sie ist mit den Folgen eines ueberwaeltigenden und eskalierenden Leistungsbilanzdefizits konfrontiert und weiss bis heute dafuer keine andere, ueberzeugende Loesung zu benennen.
Weder Fracking noch Freihandelszonen mit Europa oder in der pazifischen Region werden die USA in die Lage versetzen ihre ueber Jahrzente aufgetuermten Schulden im Ausland nur ansatzweise abtragen zu koennen. Selbst wenn es ihnen gelingen wuerde, wuerde dies eskalierende Arbeitslosigkeit in den hyperproduktiven Exportnationen bedeuten.
Die Ignoranz gegenueber wirtschaftlichen Konzentrationsprozessen, im wesentlichen ausgeloest durch die staendige Wiederholung des wirtschaftsliberalen “Erfolgsrezepts”, die sich natuerlich auch regional/geographisch durch entsprechende Agglomeration abbilden, hat direkt in dieses Dilemma gefuehrt.


Die Politiker inkl. Obama, Putin und Xi Jinping sind so mit den Folgen einer Entwicklung konfrontiert, die es in den Theorien der sog. Wirtschaftswissenschaften, die Wirtschaft als ein gleichgewichtsnahes System betrachten, das aus sich heraus Gleichgewichte anstrebt, nicht gibt. Von daher ist es kein Wunder, dass sie zunehmend sprachlos werden und Zuflucht in “bewaehrten Rollenspielen” suchen und sich nach der “Stabilitaet” und der eindeutigen Orientierung zurueck sehnen, die ihnen ein kalter Krieg ueber Jahrzehnte geliefert hat.
Da ihnen, wie auch den Notenbankern, ein Modell, eine Theorie fehlt, die ihnen ermoeglichen wuerde, die dramatischen Entwicklungen und ihre wirklichen Ursachen zu verstehen, erinnern sie zunehmend an den Ikarus von Ulm, (Schneider von Ulm).
75 Jahre spaeter soll Otto Lilienthal gesagt haben:
„Es gibt nichts Verkehrteres, als auf Grund theoretischer Arbeiten sogleich eine Flugmaschine fix und fertig bauen zu wollen. Beim Herumraten und planlosen Probieren komme für die Fliegekunst überhaupt nichts heraus. Der Übergang müsse vielmehr planvoll und schrittweise erfolgen.“
Wenige Zeit spaeter, nach einem intensiven Dialog mit der Natur, gelang Lilienthal das, wovon die Menschheit bis dahin nur getraeumt hatte.


Halten wir uns und unseren Kindern die Daumen, dass in absehbarer Zeit etwas aehnliches in Bezug auf den Menschheitstraum von einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Wirtschaftsweise geschieht.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Ob Daumen halten hilft....Können genug Menschen sich vom gnadenlosen Mainstream-Getöse befreien, um herbeizuführen, was doch der größte Wunsch aller denkenden Wesen sein müsste? Oder wird die Alternative zum Schrecken ohne Ende doch ein Ende mit Schrecken? Aus einer gestern erhaltenen E-mail:
    "Hoffentlich kommt bald ein wirklich schrecklicher Krieg. Die Menschheit
    ist so dekadent und zerblödet, daß nur noch gigantische Elementar-Katastrophen zur wenigstens partiellen Wiederbelebung der hirntoten Zombies führen können. Früher dachte auch ich, daß solche Sprüche der Wahn alter vertüdelter Leute sind - aber vielleicht sind sie gerade das Gegenteil."
    Noch kann ich mich dieser "Hoffnung" nicht anschließen, aber die Beschreibung hirnlose Zombies für die, welche die Menschheit in den Abgrund treiben, erscheint mir ganz angebracht. Und das lässt nichts Gutes ahnen - was ich trotzdem allen wünsche.

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  2. Das mit dem Daumen halten ist wirklich schwach. Da haben Sie vollkommen recht.
    Aber wenn ich sehe und hoere, was knapp drei Monate vor der Bundestagswahl in diesem Land so abgeht, da faellt mir wirklich nicht viel mehr ein. Wenn sich das Land der Dichter und Denker im Herbst 2009, also ziemlich genau 1 Jahr nachdem die Bombe fuer jeden sichtbar explodiert war, ohne mit der Wimper zu zucken eine schwarz gelbe Regierung waehlt, dann weiss man doch womit man es zu tun hat. Und wenn nicht, dann muss man nur vier Jahre abwarten und sich vor Augen fuehren (lassen) was eine sog. Opposition daraus macht bzw. nicht macht. Als i Tuepfelchen, fuer alle, die es dann immer noch nicht kapiert haben, wird dann ein Peer Steinbrueck als "Gegenkandidat" aufgestellt.
    -
    Hirntot?
    Zombies?
    Wiederbelebung?

    Vergiss es! Ohne Hirn kein Hirntot. Und da wo alles Hirn und Leben bereits einem Vakuum gewichen ist, gibt es auch nichts mehr, was man wiederbeleben koennte. Da bleibt nur ....

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  3. Es ging mir nicht darum, dass Daumen halten schwach ist, steht doch die Formulierung für ein hoffen/wünschen in einer Sache, deren Ausgang außerhalb des eigenen Einflusses liegt. Immerhin gibt es ein (UM-)Denken jenseits des standardmäßig von der sogenannten vierten Gewalt verbreiteten alternativlos-Geschwafels. http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1846730/M%C3%BCssen-wir-weniger-arbeiten
    Zwei Drittel der teilnehmenden Zuschauer stimmten dem Konzept Bontrup zu (30 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich). Wenn sich meine Hoffnung von irgendetwas nährt, dann von so etwas. Es gibt also noch Hirn auch außerhalb alternativer Blogs.

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    1. Es gibt immer zwei Arten sein Auskommen zu bestreiten.
      1. Arbeiten
      2. Arbeiten lassen
      Der zweite Fall ist der interessante, denn er ist der, wo die Ungleichgewichte eskalieren. Um jemanden fuer mich arbeiten zu lassen, so das derjenige nicht nur sein Auskommen erwirtschaftet sondern auch meins, muss ich in irgend einer Form Macht ausueben, weil der Arbeitende das sonst nicht dauerhaft fuer mich macht. Eine bewaehrte Methode ist die Aneignung von Produktionsmitteln. Die hat zwar auch die Arbeiterschaft erarbeitet, aber wenn man die trickreich mit allgemein anerkannten Argumenten in sein Eigentum ueberfuehrt, dann entsteht daraus ein sehr schoenes Machtpotential. Die Lizenz Forderungsbestaende zu verwalten und nach Belieben zu erhoehen, ist eine weitere interssante Moeglichkeit Macht auszuueben und Koalitionen mit bereits Maechtigen zu bilden, um dem Ziel arbeiten zu lassen, naeher zu kommen. Es gibt also einige Moeglichkeiten sich dem Joch der Arbeit zu entziehen.
      Was dabei aber immer klar bleiben muss ist, nur das was von Arbeitern erarbeitet wurde, kann verzehrt werden.
      Wenn nun ein Land wie Deutschland aufgrund der technologischen Entwicklung eine Produktivitaet erreicht hat, die es ermoeglicht, dauerhaft an die 10% der Belegschaft von der Arbeit (und einer entsprechenden Entlohnung) auszuschliessen und einen aehnlich hohen Prozentsatz der Produktion ans Ausland gegen uneinbringliche Forderungen zu liefern, waehrend die oberen 10% ueber 30% der Einkommen fuer sich beanspruchen, dann muss man die Machtfrage stellen. Nichts anderes! Insbesondere dann, wenn es sich nominell um eine Demokratie handelt. Da muss man fragen, ob es in den letzten drei Jahrzehnten nicht eine stillen Coup gegeben hat, der aus der Demokratie eine Plutokratie gemacht hat. Denn wie kann es sein, das in einer nominellen Demokratie eine Wirtschaftspolitik verfolgt wird, die die oben beschriebenen Zustaende nicht nur herbeigefuehrt hat, sondern diese noch zunehmend verschaerft. Inkl. aller "Nebenwirkungen" bei unseren Nachbarn. Selbstverstaendlich stimmen 2/3 dem Vorschlag von 30 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich zu. Macht ja auch Sinn, wenn es um das Allgemeinwohl ginge. Aber darum geht es nicht mehr, weil die Demokratie keine mehr ist.
      Es geht ausschliesslich um den Erhalt maechtiger Strukturen, die einigen wenigen die zweite Methode ermoeglicht. Und zwar in einem nie dagewesenen Ausmass. Dabei spielen "Reibungsverluste" wie permanent hohe Arbeitslosenstaende oder ein permanenter Leistungsabfluss gegen uneinbringlich werdende Forderungen anscheinend keine Rolle mehr. Das steckt man weg. Und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Und gleichzeitig schlaegt man sich in den entsprechenden Kreisen laut lachend auf die Schenkel, wenn die Deppen, die das mit sich machen lassen, sich den Kopf zerbrechen, ob sie wieder Schwarz Gelb oder Steinbrueck waehlen sollen.

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  4. "Halten wir uns und unseren Kindern die Daumen, dass in absehbarer Zeit etwas aehnliches in Bezug auf den Menschheitstraum von einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Wirtschaftsweise geschieht."

    Die gab es schon und gibt es noch vereinzelt (soweit sie nicht missioniert und "aufgefressen" wurden) in "primitiven", "wilden", "unzivilisierten" Kulturen auf der Welt.
    Diese Kulturen könnten uns auch wieder daran erinnern, daß es auch ein Leben außerhalb von Arbeitswahn, Produktionswahn, Erschaffungswahn, Gestaltungswahn, Zerstörungswahn gegeben hat und gibt.
    Daß es auch ein Auskommen ohne unsere Vorstellung von Arbeit gibt.

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  5. Wenn es soetwas noch gibt, dann ist es gut versteckt. Und das ist gut so.

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