Samstag, 22. Juni 2013

Krugman der Schnellmerker

Paul Krugman, der Schnellmerker, hat einen Artikel mit der Ueberschrift "Profits Without Production" veroeffentlicht, in dem er die Begriffe  "rent extraction" und "rent seeking" an aktuellen Beispielen  sehr schoen illustriert. Auch der Hinweis, das Volkswirtschaften unter dem Regime der vorherrschenden Ideologie dazu tendieren, ueber Zeit zu "rent extraction economies" zu werden, ist mehr als angebracht. Was aber unerwaehnt bleibt ist die Tatsache, dass auch in den Gegenpolen, den "value producing economies", etwas sehr aehnliches ablaeuft und es in beiden Faellen das "Rent Extracting 1%" ist, das aus dieser Konstellation irrsinnige Profite zieht. Das diese fuer die absahnenden 1% so hoch profitable Konstellation instabil geworden ist und droht die welt in den abgrund zu reissen, da sie auf der einen Seite ausufernde Arbeitslosigkeit, fragwuerdige Dienstleistungsindustrien und Schulden auftuermt und auf der anderen Seite Hyperproduktivitaet, an Sklaverei erinnernde Arbeitsverhaeltnisse und immer fragwuerdiger werdende Berge von Forderungen gegen eine realwirtschaftlich vollkommen degenerierte Volkswirtschaft, scheint keinem, auch nicht Krugman, aufzufallen oder gar eine kritische Erwaehnung wert zu sein. Der letzte Satz in seinem Artikel lautet:
"But the economy is changing, and in future columns I’ll try to say something about what that means for policy."
Da kann man nur gespannt sein, womit Krugman versuchen wird, aus dem Eck heraus zu wieseln, in das sich er und seine Kollegen sich gepinselt haben.
Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Gerade fand ich ein interessantes Dokument, erstellt von Prof. Bontrup:
    http://www.axel-troost.de/article/5137.anhoerungen-im-haushalts-und-finanzausschuss-zum-antrag-der-fraktion-der-cdu-a-8222-empfehlungen-des-landesrechnungshofs-zuegig-umsetzen-a-8211-umgehung-der-schuldenregel-des-bundes-verhinderna-8220-drucksache-15-208-sowie-a-8222-erfolgreichen-kurs-fortse.html
    Am Anfang einiger allgemeiner Vorbemerkungen findet sich dort: "Staatsverschuldung ist [...] Ergebnis [...] einer 'falschen Ökonomie'.
    Es gibt also auch Volkswirtschaftler.

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  2. Tja der gute Herr Prof. Bontrup. Ich koennte ihm ja weitgehend zustimmen, wenn er seine Eingangsthese nicht nur auf Staatsverschuldung beziehen wuerde sondern auf Verschuldung allgemein. Vielleicht meint er es ja auch so. Auf der anderen Seite erklaert er sehr ausfuehrlich, warum im bestehenden System Schulden machen alternativlos ist. Und wenn er sich dann im Laufe des Textes auf einen Herrn Domar und dessen Theorien abstuetzt, dann weiss ich endgueltig, dass es auch der gute Herr Prof. Bontrup nicht wirklich blickt. Er eiert rum. Wie Krugman auch. Beide benennen nicht offen Ross und Reiter und tragen so mehr zur Verwirrung bei als zur Klaerung. Geld=Schulden sind Ausdruck ungleichgewichtiger Wirtschaftsbeziehungen. Eskalierende Forderungsbestaende sind Ausdruck eskalierender wirtschaftlicher Ungleichgewichte. Und zwar auf allen Ebenen. Volkswirtschaften, Firmen, Individuen. Das Kreditgeldsystem ist das Element, was diese Eskalation ermoeglicht. Der Forderungsbestand ist das Mass der Eskalation. Beim 3 bis 5fachen der jaehrlichen Wirtschaftsleistung kommt es dann irgendwann auch bei Gleichgewichtstheoretikern im vakuumierten Koepfchen an, dass es so nicht endlos weitergehen kann. Oder doch? Ist ein weiter so wie bisher bereits alternativlos geworden?

    Trotz der, wenn verallgemeinert, zutreffenden Eingangsthese habe ich so meine Zweifel. Denn er schreibt richtigerweise "...Die Staatsverschuldung zeigt an, daß in der Ökonomie Kräfte vorherrschen, die nicht beherrscht werden können und die den Staatskredit als Puffer brauchen." Er sagt aber nicht was fuer Kraefte das sind und warum die nicht beherrscht werden koennen. Und schwupdiwup sind Geld=Schulden=Banken alternativlos.
    Komisch, oder?

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