Sonntag, 10. November 2013

Ungleichgewichte und Konzentrationsprozesse so weit das Auge reicht

Die sog. Wirtschaftswissenschaftler behaupten ja gerne schon einmal, dass es sich bei unserer Wirtschaft um ein gleichgewichtsnahes System handelt, das aus sich heraus Gleichgewichte anstrebt. Das geht auf einen Moechtegern-Kollegen mit dem Namen Walras
zurueck. Der hatte Mitte des 19. Jahrhunderts gluecklicherweise sein Ingenieurstudium nach wenigen Semestern abgebrochen und so der Welt vermutlich einige explodierende Dampfmaschinen erspart. Dummerweise wurde er im spaeteren Verlauf seiner Karriere Professor fuer Oekonomie und legte als solcher den Grundstein einer Theorie, die bis heute das Denken der sog. Wirtschaftswissenschaftler beherrscht. Die prominenteste Form der heute verwendeten Gleichgewichtsmodelle duerfte wohl das DSGE Modell in einer seiner vielen Abwandlungen sein. Dieser weit verbreiteten Sichtweise, die erstaunlicherweise als "State Of The Art" gilt, ist es geschuldet, dass die Verantwortlichen seit 6 Jahren der Krise im wesentlichen mit Ratlosigkeit und absurden Rezepten begegnen. Sie sehen den Wald vor lauter Baeumen nicht.
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Um diese steile These zu begruenden, moechte ich etwas weiter ausholen und einige Grundlagen aus der Sphaere, aus der Walras vermutlich die Inspiration zu seiner Theorie bezogen hat, klaeren.
Bei der Betrachtung thermodynamischer Systeme unterscheidet man verschiedene Formen nach den Eigenschaften der Systemgrenzen in Bezug auf Materie und Energie.


Quelle

Denn die Systemgrenzen koennen, massedicht oder energiedicht sein. Wobei man bei der Energiedichtigkeit noch zwischen adiabat und arbeitsdicht unterscheidet. Systemgrenzen koennen Kombinationen dieser Eigenschaften aufweisen. Ein System gilt z.B. als geschlossen und isoliert, wenn seine Grenzen sowohl masse- als auch energiedicht sind (Thermosflasche).
Ist so eine Thermosflasche mit einem Gas oder einer Fluessigkeit befuellt, stellt sich typischerweise in einem solchen geschlossenen und isolierten System bestehend aus einer Unzahl von Atomen oder Molekuelen ein thermodynamisches Gleichgewicht ein. D.h. auch, es kann durch makroskopische Zustandsgroessen, wie Druck und Temperatur zutreffend beschrieben werden. Denn Gleichgewicht bedeutet auch, dass in jedem noch so kleinen Volumenelement innerhab des Systems die gleiche Temperatur und der gleiche Druck gemessen werden. Jede Abweichung davon wuerde durch einen automatisch ablaufenden Ausgleichsprozess aufgehoben. Das Wasserglas, das Wasser bei Raumtemperatur (oder erhoehter Temperatur) enthaelt und in das mit einer Pipette ein Tropfen Farbe eingetragen wird, visualisiert dies sehr schoen.

https://www.youtube.com/watch?v=kk_-CXHVygM

Der Ausgleichsprozess = die Diffusion sorgt dafuer, dass die Tintenpartikel ueber Zeit gleichmaessig im Wasser verteilt werden, obwohl keine weitere Energie z.B. durch Ruehren oder Aufkochen eingetragen wird.
In der Vorstellung der sog. Wirtschaftswissenschaftler passiert etwas sehr aehnliches, wenn ich einen Koffer mit einer Million Euro oder einen Sack Kartoffeln auf der Koenigstrasse in Stuttgart abstelle. Das dem nicht so ist, weiss jedes Kind. Selbst wenn ich die Million gleichmaessig an alle Stuttgarter verteilen wuerde, wird nach einer gewissen Zeit festzustellen sein, dass es dem einen oder anderen gelingt aus den 1,63 Euro mehr zu machen, waehrend andere diese milde Gabe sehr schnell wieder verlieren. Es geschieht also etwas, was dem Verhalten geschlossener, isolierter und gleichgewichtsnaher Systeme direkt widerspricht.

https://www.youtube.com/watch?v=p1rK34Hbj_g

Das ist auch erklaerlich. Aber nur dann, wenn man das gleichgewichtstheoretische Gedankengebaeude verlaesst.
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Warum das nicht geschieht, angesichts eskalierender Ungleichgewichte auf allen Ebenen (Einkommensteuerstatistik, Vermoegensverteilung, Unternehmensgroessenstatistik ) und an allen Orten bleibt das Geheimnis einer inzwischen mehr als merkwuerdig anmutenden Zunft.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Zur globalen Entwicklung der UHNW Population

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