Montag, 4. November 2013

Voelliger Unsinn

Leser meines Blogs wissen, dass ich Gleichgewichtstheorien, die behaupten, Marktwirtschaften wuerde in einem Prozess der Selbstregulation aus sich heraus auf ein Gleichgewicht zustreben, sehr skeptisch gegenueber stehe, da sie meiner Meinung nach empirisch widerlegt sind. Nun meldet sich das Finanzministerium der Volkswirtschaft zu Wort, welche ueber Jahrzehnte gigantische Leistungsbilanzdefizite mit den meisten seiner Handelspartnern aufgetuermt hat und kritisiert die Wirtschaftspolitik des Landes, das ebenfalls seit Jahrzehnten die Liste der Laender anfuehrt, die Leistungsbilanzueberschuesse generieren, die notwendigerweise den Leistungsbilandefiziten gegenueberstehen. Endlich!, moechte man da ausrufen. Endlich beginnen die beiden Extrema, die die Theorien eines aus Selbstregulation entstehendem Gleichgewicht, Jahr fuer Jahr ad absurdum fuehren, einen fuer die Weltwirtschaft dringend notwendigen Dialog ueber die Tatsache, dass die ja durchaus wuenschenswerten Gleichgewichte sich nicht theoriegemaess von selber einstellen wollen. Doch was ist die scheinbar einhellige und geradezu unglaubliche Antwort der Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik im Land der Dichter und Denker?
Alles voelliger Unsinn! 
Ich fasse es nicht. Dabei sind zumindest die Verantwortlichen in der Politik sogar gesetzlich durch GG Art. 109, Abs. 2 und das Stabilitaetsgesetz vom 8. Juni 1967 verpflichtet, eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, was auch ein aussenwirtschaftliches Gleichgewicht umfasst, zum Ziel hat.
Das die Sinnhaftigkeit dieses Ziels, auch nach einer Krise, die die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gefuehrt hat, die wirtschaftliche Entwicklung in Europa um Jahre zurueckgeworfen hat und durch die schlagartige Entwertung von Krediten, die ans Ausland gegeben wurden, ausgeloest wurde, derart vehemment durch fuehrende Persoenlichkeiten der deutschen Wirtschaft bestritten wird, ist ein erschreckendes Zeugnis  des desolaten Zustandes, der in den Koepfen dieser Herrschaften herrschen muss.
Diese Herrschaften haben ganz offensichtlich weder ueber ganz grundsaetzliche wirtschaftliche Zusammenhaenge noch ueber die tieferen Ursachen der Krise der vergangenen fuenf Jahre nachgedacht. Es mag ja sein, dass die Seite, die das Problem nun in Form von Kritik an deutscher Wirtschaftspolitik anspricht, sich in der Vergangenheit taub gestellt hat, aber das entbindet doch nicht von der Pflicht, eine solche Gelegenheit in konstruktiver Weise aufzugreifen, um dieses zentrale und gewichtige Problem einer Loesung naeher zu bringen. Denn die "magischen Haende" des freien Marktes loesen es garantiert nicht. By the way, sie tun dies weder auf der Ebene der Volkswirtschaften noch auf den Ebenen der Unternehmen und Individuen. Aber das ist ein anderes Thema.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Eine faktenbasierte Betrachtung des "Voelligen Unsinns" finden Sie hier.

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