Samstag, 22. Juni 2013

Krugman der Schnellmerker

Paul Krugman, der Schnellmerker, hat einen Artikel mit der Ueberschrift "Profits Without Production" veroeffentlicht, in dem er die Begriffe  "rent extraction" und "rent seeking" an aktuellen Beispielen  sehr schoen illustriert. Auch der Hinweis, das Volkswirtschaften unter dem Regime der vorherrschenden Ideologie dazu tendieren, ueber Zeit zu "rent extraction economies" zu werden, ist mehr als angebracht. Was aber unerwaehnt bleibt ist die Tatsache, dass auch in den Gegenpolen, den "value producing economies", etwas sehr aehnliches ablaeuft und es in beiden Faellen das "Rent Extracting 1%" ist, das aus dieser Konstellation irrsinnige Profite zieht. Das diese fuer die absahnenden 1% so hoch profitable Konstellation instabil geworden ist und droht die welt in den abgrund zu reissen, da sie auf der einen Seite ausufernde Arbeitslosigkeit, fragwuerdige Dienstleistungsindustrien und Schulden auftuermt und auf der anderen Seite Hyperproduktivitaet, an Sklaverei erinnernde Arbeitsverhaeltnisse und immer fragwuerdiger werdende Berge von Forderungen gegen eine realwirtschaftlich vollkommen degenerierte Volkswirtschaft, scheint keinem, auch nicht Krugman, aufzufallen oder gar eine kritische Erwaehnung wert zu sein. Der letzte Satz in seinem Artikel lautet:
"But the economy is changing, and in future columns I’ll try to say something about what that means for policy."
Da kann man nur gespannt sein, womit Krugman versuchen wird, aus dem Eck heraus zu wieseln, in das sich er und seine Kollegen sich gepinselt haben.
Sapere Aude!

Georg Trappe

Donnerstag, 20. Juni 2013

Die "Ikari" von Lough Erne

Ich denke, wenn man sich den Ausgang des G8 Gipfels vor Augen fuehrt, dass den USA wohl nichts anderes uebrig bleibt, nachdem sie sich ihren einstigen Exportschlager in Form von triple A rated “Wertpapieren” selber ruiniert haben, ihre Absorption von ueber 2/3 der weltweit generierten Exportueberschuesse durch ihre “Dienstleistung” Schutzmacht zu rechtfertigen. Allerdings ist seit dem Ende des kalten Krieges der Markt fuer diese Dienstleistung dramatischen Veraenderungen unterworfen gewesen. Es koennte daher sein, dass in den USA zwei Fraktionen im Streit miteinander liegen, von denen die eine den ausgefallenen Bedarf durch die aktive Schaffung neuer Bedrohungsszenarien ersetzen moechte. Der anderen Fraktion gefaellt diese riskante Idee ueberhaupt nicht, aber sie ist mit den Folgen eines ueberwaeltigenden und eskalierenden Leistungsbilanzdefizits konfrontiert und weiss bis heute dafuer keine andere, ueberzeugende Loesung zu benennen.
Weder Fracking noch Freihandelszonen mit Europa oder in der pazifischen Region werden die USA in die Lage versetzen ihre ueber Jahrzente aufgetuermten Schulden im Ausland nur ansatzweise abtragen zu koennen. Selbst wenn es ihnen gelingen wuerde, wuerde dies eskalierende Arbeitslosigkeit in den hyperproduktiven Exportnationen bedeuten.
Die Ignoranz gegenueber wirtschaftlichen Konzentrationsprozessen, im wesentlichen ausgeloest durch die staendige Wiederholung des wirtschaftsliberalen “Erfolgsrezepts”, die sich natuerlich auch regional/geographisch durch entsprechende Agglomeration abbilden, hat direkt in dieses Dilemma gefuehrt.


Die Politiker inkl. Obama, Putin und Xi Jinping sind so mit den Folgen einer Entwicklung konfrontiert, die es in den Theorien der sog. Wirtschaftswissenschaften, die Wirtschaft als ein gleichgewichtsnahes System betrachten, das aus sich heraus Gleichgewichte anstrebt, nicht gibt. Von daher ist es kein Wunder, dass sie zunehmend sprachlos werden und Zuflucht in “bewaehrten Rollenspielen” suchen und sich nach der “Stabilitaet” und der eindeutigen Orientierung zurueck sehnen, die ihnen ein kalter Krieg ueber Jahrzehnte geliefert hat.
Da ihnen, wie auch den Notenbankern, ein Modell, eine Theorie fehlt, die ihnen ermoeglichen wuerde, die dramatischen Entwicklungen und ihre wirklichen Ursachen zu verstehen, erinnern sie zunehmend an den Ikarus von Ulm, (Schneider von Ulm).
75 Jahre spaeter soll Otto Lilienthal gesagt haben:
„Es gibt nichts Verkehrteres, als auf Grund theoretischer Arbeiten sogleich eine Flugmaschine fix und fertig bauen zu wollen. Beim Herumraten und planlosen Probieren komme für die Fliegekunst überhaupt nichts heraus. Der Übergang müsse vielmehr planvoll und schrittweise erfolgen.“
Wenige Zeit spaeter, nach einem intensiven Dialog mit der Natur, gelang Lilienthal das, wovon die Menschheit bis dahin nur getraeumt hatte.


Halten wir uns und unseren Kindern die Daumen, dass in absehbarer Zeit etwas aehnliches in Bezug auf den Menschheitstraum von einer gerechten, friedlichen und nachhaltigen Wirtschaftsweise geschieht.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 18. Juni 2013

Scharfes Geschuetz gegen die Krise. Welche Krise?

Nun droht der Super Mario Draghi den Banken schon mit Strafzinsen auf Guthaben bei der EZB in seinem heroischen Kampf gegen die Krise. Doch welche Krise bekaempft er?
Die der leistungstraegen Reichen und Super Reichen?  Oder die der dekadenten Arbeiter, Abgehaengten und Unvermoegenden? Oder die Krise eines verlorenen Gleichgewichts, einer abhanden gekommenen Balance, die zwar immer wieder theoretisch behauptet und politisch immer wieder beschworen wurde, aber bei Licht betrachtet, nicht nur nie existiert hat, sondern durch ein von Banken und Geld entfesseltes Streben nach Mehr endgueltig zu einer Utopie wurde ?



Sapere Aude!

Georg Trappe

Die Maerkte zittern!

Die Maerkte zittern! Die Volatilitaetsindizes steigen weltweit.

VIX (S&P 500 Vola)

VDAX (DAX Vola)

GVZ (CBOE Gold Vola)

Und sie zittern zu recht. Denn es verdichten sich die Geruechte, Ben Bernanke wolle das QE der FED, also den Ankauf von US Staatsanleihen und Hypothekenpapieren durch die FED, beenden. Warum, das wissen nur die Goetter und hoffentlich er selber. Denn es ist keineswegs sicher gestellt, dass der fuer das US Geschaeftsmodell absolut notwendige Geldkreislauf wieder so funktionieren wird, wie es die massgeblichen Theoretiker behaupten. Immerhin ist inzwischen klar, das Milton Friedman unrecht hatte, wenn er sagte:
"Geld kehrt immer an den Ort seiner Entstehung zurueck. Und wenn nicht, dann ist es auch egal."
Denn was war 2007/2008 passiert? Genau! Das Geld der Amerikaner kehrte nicht an den Ort seiner Entstehung zurueck und das war alles andere als egal. Vielmehr fuehrte es  nicht nur zum Zusammenbruch von amerikanischen Grossbanken sondern auch zum Beinahe - Zusammenbruch des Welthandels, der immerhin mehr als 2/3 der weltweiten Exportueberschuesse in die USA fliessen laesst und damit zu der groessten weltweiten Wirtschaftskrise seit der grossen Depression im vergangenen Jahrhundert.
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Wie konnte es dazu kommen? Nun der selbe Ben Bernanke, der z.Zt. angeblich mit dem verwegenen Gedanken spielt, QE zu beenden, hatte die US Leitzinsen von ihren Tiefststaenden  bei 1% im Juni 2004 in kuerzester Zeit auf 5,25% im Juni 2006 angehoben. Und das hatte eine fuer ihn anscheinend unvorhersehbare Kettenreaktion ausgeloest, die dazu fuehrte, dass die Exportnationen mit denen die USA seit Jahrzehnten ein stetig wachsendes Leistungsbilanzdefizit pflegen, immerhin weit ueber 80 weltweit, die US$, die sie als Zahlung fuer diese Lieferungen erhalten hatten, nicht wieder in die USA zurueck fliessen liessen.
Denn sie kauften keine der triple A rated Assets made in USA mehr, die durch die massiv erhoehten Zinsen in 2007 begannen reihenweise auszufallen.
So kam es fuer die USA zu einem ploetzlichen und rapiden Anstieg des Nettoabfluss der Zentralbankgelder, mit der zwangslaeufigen Folge eines Trockenlaufens besonders exponierter Banken des US Bankensystems. Eine Art selbst inszenierter Bankrun, der seine Ursache in den enormen, stetig fortlaufenden Leistungsbilanzdefiziten und einem schlagartigen, weltweiten Wert- und Vertrauensverlust in die triple A rated Wertpapiere made in USA, dem einzigen und nun einstigen US Exportschlager, hatte. Ob das, in seinem kumulierten Umfang schon damals mehr als schwer verstaendliche "Vertrauen", nun wieder hergestellt ist und worauf es begruendet sein soll, ist meiner Meinung nach vollkommen unklar.
Das scheinen die zunehmend zitternden Maerkte offenbar sehr aehnlich zu sehen, auch wenn sie vielleicht nicht ganz verstanden haben, warum sie zittern.

Sapere Aude!

Georg Trappe


Montag, 17. Juni 2013

Intelligence as a Career?



Intelligence Community Named 2010 Best Places to Work in the Federal Government

For the second consecutive year, the Intelligence Community (IC) was honored as one of the top-ten Best Places to Work in the Federal Government, according to an independent analysis of federal workers’ job satisfaction and commitment.
The rankings were compiled by the Partnership for Public Service (PPS) and American University’s Institute for the Study of Public Policy Implementation (ISPPI) and announced today at a ceremony in Washington, D.C. PPS is a nonprofit, nonpartisan organization that aims to attract people to federal careers and improve how the government runs. The institute conducts research and helps federal leaders solve difficult public-policy issues.
Army Lt. Gen. John F. Kimmons, the director of the intelligence staff for the Office of the Director of National Intelligence, accepted the award on behalf of the entire IC. “The fact that the IC placed in the top ten for two consecutive years reflects a work force understanding of the critical role they fill and the importance of our national security mission,” he said.
The IC ranked tenth overall among large agencies, which includes 32 organizations, each of which employs more than two thousand people. Rankings are based on data from the 2010 Federal Employee Viewpoint Survey, which the U.S. Office of Personnel Management administers. The first survey was in 2003, but the IC has only participated since 2009. Max Stier, president and CEO of the Partnership for Public Service, noted that the IC does not have to participate but does so voluntarily, “which is a credit to them.”
To maintain the security of information about its work force, the IC relies on its own instrument to assess each year how its workers feel about issues such as job satisfaction, professional development, and the effectiveness of senior leaders. The IC includes several questions from the federal survey provided by the PPS, in the IC’s annual Employee Climate Survey. That way, the Community’s information would be comparable with that from other organizations under consideration for Best Places.
Other returning top-ten Best Places to Work are: The Nuclear Regulatory Commission, Government Accountability Office, National Aeronautics and Space Administration, the U.S. Departments of State and Justice, and the Social Security Administration.
According to the Best Places to Work analysis, employee satisfaction is at an all-time high of 65 out of 100, a 7.4 percent jump from 2003 when the rankings were first released, with 68 percent of agencies improving their index score since the last rankings in 2009.
Visit bestplacestowork.org to see which agencies top the rankings and to access trend analysis, demographic data and all 10 workplace categories, as well as generate custom reports and conduct side-by-side comparisons for up to three agencies.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Stell Dir vor es ist Bundestagswahl und keiner will Kanzler werden.

Stell Dir vor, es ist Bundestagswahl und keiner, der bei Verstand ist, will Kanzler werden, weil das, was absehbar  von der naechsten Regierung erwartet wird, derart ist, das nur die abgebruehtesten Menschenverachter fuer diesen Job in Frage kommen. Dies scheint bei einigen Kanditaten zumindest im Unterbewusstsein angekommen zu sein. Das passt natuerlich nicht immer mit langjaehrig angelegten Karriereplaenen und den entsprechend gehegten "Verantwortungsgefuehlen" zusammen. Daher kommt es moeglicherweise zu "Fehleistungen", die den Eindruck vermitteln, dass sich da jemand bezueglich seiner offiziellen, bewussten Ziele selber ein Bein stellt. Ich vermute mal, dass in ein paar Jahren Herr Steinbrueck und evtl. auch Herr Bruederle moeglicherweise ganz froh sein werden, dass ihnen das so "passiert" ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 16. Juni 2013

Were the people of Europe guided into a kill zone of an neoliberal ambush?

The economic situation that has been created for the majority of people in Europe, reminds me in a stark way to a classical military tactic.


Sapere Aude!

Georg Trappe

PRISM ein ueberraschender / verstoerender Skandal?

"Es ist eine kuriose Geschichte am Rande des verstörenden Prism-Skandals, die in den vergangenen Tagen bekanntwurde: Als Grundlage des Logos für sein Überwachungsprogramm hat die NSA ein Foto des Wissenschaftlers, Autors und Fotografen Adam Hart-Davis verwendet. Gefragt hat ihn der US-Geheimdienst aber nicht."



"
Defense Advanced Research Projects Agency
3701 North Fairfax Drive
Arlington, VA 22203-1714
Remarks as prepared for delivery by Dr. John Poindexter, Director, Information Awareness Office of DARPA, at DARPATech 2002 Conference, Anaheim, Calif., August 2, 2002

OVERVIEW OF THE INFORMATION AWARENESS OFFICE

Good afternoon. Today I would like to tell you about the new Information Awareness Office and the programs we are developing. To introduce this I have a short video for you. The world has changed dramatically since the Cold War when there existed two super powers. During the years I was in the White House it was relatively simple to identify our intelligence collection targets. It was sometimes hard to collect the intelligence, but the targets were clear. Today, we are in a world of asymmetries. The most serious asymmetric threat facing the United States is terrorism, a threat characterized by collections of people loosely organized in shadowy networks that are difficult to identify and define and whose goals are the destruction of our way of life. The intelligence collection targets are thousands of people whose identities and whereabouts we do not always know. It is somewhat analogous to the anti-submarine warfare problem of finding submarines in an ocean of noise - we must find the terrorists in a world of noise, understand what they are planning, and develop options for preventing their attacks. If we are to preserve our national security, we must figure out a way of combating this threat.
I think the solution is largely associated with information technology. We must become much more efficient and more clever in the ways we find new sources of data, mine information from the new and old, generate information, make it available for analysis, convert it to knowledge, and create actionable options. We must also break down the stovepipes - at least punch holes in them. By this, I mean we must share and collaborate between agencies, and create and support high-performance teams operating on the edges of existing organizations. Tools are needed to facilitate these collaborations, and to support these teams that work to ensure our security."



Sapere Aude!

 Georg Trappe
 



Are we living in a world without alternatives?

Quelle

Japans bank bail out failed. So, what is left in a world without alternatives?
You are right! Bank bail in! Here it comes:
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 "I welcome the substantial assistance in Japan's legislation to repair its troubled banking system," declared President Clinton this weekend. But what exactly have the Japanese done? Some press reports suggest that the most important part of the package - the injection of capital into the biggest banks - will face trouble, because the banks themselves do not want the money. I have been trying to understand all this, and offer the following illustrative example.Imagine a bank with 105 billion yen in deposits, whose assets consist of loans with a face value of 115 billion yen. (Yes, Japanese banks have stocks and land as well, but this will not change the principle). Unfortunately, many of these loans are of doubtful quality. Let's suppose that there is a 50 percent chance that Japan's economy will improve, and all the loans will be repaid; but there is also a 50 percent chance that the bank will get only 85 billion yen.In terms of expected value, this bank is insolvent - it has a net worth of minus 5 billion. But its stock will have a positive value, which is essentially due to the deposit insurance "put". Ignoring risk premia, the value of the stock will be 0.5(115-105) = 5 billion yen."
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"Japan's Financial Services Agency will enact new rules that will forced failed bank losses on investors, if needed, via a mechanism known as a "bail-in," according to The Nikkei. Mitsubishi UFJ (MTU), Mizuho Financial (MFG) and Sumitomo Mitsui (SMFG) are among those proposing amendments to allow them to issue the types of preferred shares or subordinated bonds that would be used in such cases, the report noted."

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 15. Juni 2013

Wird die Welt von betriebsblinden Idioten regiert?

Ich denke man muss die Frage nach nun fast 6 Jahren Dauerkrise eindeutig mit Ja! beantworten. Denn auch in dieser Woche gab es mindestens zwei herausragende Schlagzeilen, die meiner Meinung nach diese sehr harte aber offensichtlich zutreffende Diagnose stuetzen.


1.) Klaus Regling:
"Der IWF macht den Stabilitätspakt lächerlich und erklärt sich selbst für die Schaffung von Wachstum für zuständig. Damit baut er nicht nur einen falschen Gegensatz auf. Vor allem lässt er erkennen, dass er die Regeln unserer Währungsunion nicht versteht. Der Euroraum mit einer einheitlichen Geldpolitik und 17 nationalen Wirtschafts- und Fiskalpolitiken kann nur funktionieren, wenn die Regeln eingehalten werden. Wenn der IWF das nicht versteht, ist das ein großes Problem."
Der Mann ist also felsenfest davon ueberzeugt, dass nur "die Regeln" eingehalten werden muessten, damit die Sache funktioniert. Das er dabei uebersieht, dass alle die sich nach Kraeften bemuehen, die Regeln einzuhalten immer tiefer in einer schweren Rezession versinken, die die ursaechlichen Probleme nur weiter verschaerft, faellt ihm offenbar nicht auf.
Der kritisierte IWF ist da ein kleines Stueck weiter. Aber auch dort sind die tieferen Problemursachen bisher aus ideologischer Betriebsblindheit nicht wirklich erkannt worden. Immerhin scheint man bereit zu sein zwischen der sich verschaerfenden Rezession in den  betroffenen Laendern und dem Spardiktat einen Zusammenhang zu sehen. Doch von einer wirklichen Loesung, die die ursaechlichen Probleme adressiert, ist auch der IWF meilenweit entfernt.

2.) Ziel: Transatlantisches Freihandelsabkommen:
"Die EU und die USA wollen zusammen die größte Freihandelszone der Welt schaffen. Die Hoffnungen sind ebenso groß wie die Ängste. Die 27 EU-Länder haben erst einmal grünes Licht für die Verhandlungen gegeben."
"Die EU-Kommission preist ein Freihandelsabkommen mit den USA in den höchsten Tönen und mit verlockenden Zahlen an. Kommissionspräsident José Manuel Barroso glaubt, das europäische Bruttoinlandsprodukt werde dadurch ein halbes Prozent zulegen. "Das bedeutet zig Milliarden Euro im Jahr und Zehntausende neue Arbeitsplätze" - Musik in den Ohren der rezessionsgeplagten europäischen Öffentlichkeit. Und Unternehmer und Politiker werden eine weitere Botschaft von Handelskommissar Karel De Gucht gern hören: "Längerfristig können wir zusätzliche Gewinne durch den Produktivitätszuwachs erwarten, den eine Marktöffnung begleitet, und kurzfristig mehr Vertrauen der Wirtschaft, weil wir die Gefahr des Protektionismus verringern." Die Brüsseler Dependance des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hofft mit einem Abkommen auf ein "kostenloses Konjunkturprogramm": "Angesichts leerer Kassen in Europa und den USA gibt es kaum Möglichkeiten, durch Staatsausgaben die Konjunktur anzukurbeln. Für beide Seiten ist es deshalb wichtig, Fortschritte beim Freihandel zu erzielen". Gerade die exportorientierte deutsche Wirtschaft werde davon profitieren."
Da kann man sich dann wirklich nur noch an den Kopf fassen. Denn seit 2007/2008 ist doch hoffentlich allen klar geworden, dass die groesste Volkswirtschaft der Welt ihre horrenden und ueber Dekaden aufgetuermten Schulden nicht wird zahlen koennen. Selbst wenn sie es wollte und es in einem ernsthaften Versuch nur annaehernd schaffen wuerde, wuerde es bedeuten, dass die Volkswirtschaften, die bisher die entsprechenden Ueberschuesse produziert und geliefert haben in unglaublicher Arbeitslosigkeit versinken wuerden. Wie soll dies durch ein Freihandelsabkommen verhindert / geloest werden? Soetwas ist Schwachsinn hoch zehn, weil nur mehr vom staendig gleichen wirtschaftsliberalen Rezept, welches schnurstracks in diese inzwischen alles dominierenden Probleme und zu den bereits zu gigantischen Ausmassen herangewachsenen Ungleichgewichten gefuehrt hat.
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Eine gesunde, gleichgewichtige Wirtschaftsbeziehung zeichnet sich dadurch aus, dass keine laengerfristigen Leistungsbilanzdefizite entstehen. Dies gilt sowohl auf der Ebene von Volkswirtschaften, wie auch auf der Ebene von Firmen und Individuen. Kurzfristige Leistungsbilanzdefizite sind kein Problem und es ist auch kein Problem diese durch entsprechende Kredite zu ueberbruecken. Wenn aber Leistungsbilanzdefizite ueber Dekaden immer in eine Richtung laufen, dann ist das Ausdruck dysfunktionaler Wirtschaftsbeziehungen, die zwangslaeufig entsprechende Schuldenberge nach sich ziehen muessen. Man kann so gesehen sagen, dass die anschwellende Bilanzsumme des globalen Bankensystems  der kumulierte Ausdruck dieser Dysfunktionalitaet unserer Wirtschaftsweise ist. Oder anders betrachtet, koennten diese Ungleichgewichte garnicht in diesem Ausmass entstehen, wenn es kein Bankensystem gaebe, das die Finanzierung dieser staendig wachsenden Ungleichgewichte betreiben wuerde. Denn die ungleichgewichtigen Wirtschaftsbeziehungen wuerden sofort abbrechen, sobald Leistungs- bzw. Zahlungsunfaehigkeit festgestellt wuerde. Das Problem ist, dass Ungleichgewichte, einmal eingetreten, eine sich selbstverstaerkende Tendenz entfalten. Wenn dadurch die erzielbaren Renditen und damit die wirtschaftlichen Wachstumschancen, zwischen den Teilnehmern  immer weiter streuen, kommt es zwangslaeufig zu eskalierenden Konzentrationsprozessen, die letztendlich die Fundamente und damit die Stabilitaet des Systems an mindestens drei Stellen massivst untergraben.

1.) Wird das Finanzsystem instabil, da die grundsaetzlichen Risiken Kreditausfall und Bank Run ueberproportional steigen.
2.) Die Anpassungsfaehigkeit an sich aendernde Umgebungsbedingungen = Innovationsfaehigkeit geht zunehmend verloren.
3.) Die gesellschaftliche Kohaesion, die unbedingt notwendig ist, um eine stark arbeitsteilige Wirtschaftsweise betreiben zu koennen, geht zunehmend verloren, da die Wohlstandszuwaechse nur noch einer immer kleiner werdenden Gruppe zufliessen.

Wer diese an sich simplen Zusammenhaenge ums Verrecken nach nun fast 6 Jahren immer noch nicht sehen oder begreifen will, ist, so leid es mir tut, nur noch als ausgemachter, betriebsblinder Idiot zu bezeichnen. Das diese Spezies ausgerechnet in den oberen Etagen unserer Gesellschaft durch geistige Inzucht an sog. Eliteschulen bzw.durch einen vollkommen irrationalen Glauben an die Alternativlosigkeit des neoliberalen Dogmas eine verheerende Verbreitung gefunden hat, ist dann nur noch ein weiterer, verschaerfender Grund fuer das eskalierende Ausmass der Tragoedie. Denn wenn in einer solchen Situation ausgerechnet die fuehrenden Koepfe einer Gesellschaft kein Einsehen haben, dann bleibt mit grosser Wahrscheinlichkeit und Dank der ebenfalls hochkonzentrierten und machtkonformen Strukturen der vierten Gewalt auch der Mehrheit der Blick auf die tieferen Ursachen versperrt und es kommt  unweigerlich zu einer Katastrophe.

Sapere Aude!

Georg Trappe



Montag, 10. Juni 2013

Geld, ein erfolgreiches Konzept?

Wenn man die schiere Menge des Geldes oder seine Verbreitung zum Masstab waehlt, dann wird man die im Titel gestellte Frage sicher und eindeutig mit Ja beanworten muessen. Wenn man sich aber klar macht, dass weder der Wiederaufbau Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg, wie auch die Aufruestung und Kriegsvorbereitungen Deutschlands zum Weltkrieg ohne Geld nicht moeglich gewesen waeren, dann wird die Antwort weniger eindeutig ausfallen und diese Frage hoffentlich ein gruendliches Nachdenken ausloesen. Dies erscheint mir insbesondere nach fast sechs Jahren Wirtschaftskrise mit spektakulaeren und so noch nie dagewesenen geldpolitischen Operationen ohne absehbares Ende angebracht zu sein.
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Mit dem folgenden Artikel moechte ich dieses bitter noetige Nachdenken ueber das etablierte Geldkonzept aus einer fuer den wirtschaftswissenschaftlichen Mainstraem wahrscheinlich ungewoehnlichen Perspektive anregen. Ausgangangspunkt ist dabei das Konzept der Zahlungsbilanz , welches ich fuer eines der wenigen Konzepte halte, die in der vorherrschenden VWL als einigermassen brauchbar zur Klaerung von Sachverhalten zu bezeichnen sind. Auch dann, wenn es an einigen Stellen, wie in der Mainstream VWL ueblich, die notwendige begriffliche Schaerfe vermissen laesst, wenn es z.B. Erwerbs- und Vermoegenseinkommen aus oder an die uebrige Welt als einen Teil der Leistungsbilanz nennt. Denn dadurch wird, wenn auch in geringem Umfang, die wichtige Unterscheidung zwischen Fluessen realer Leistungen (Waren und Dienstleistungen), die ihren Ursprung immer in menschlicher Arbeit haben, und Fluessen von finanziellen Forderungen verwaessert bzw. unnoetig erschwert. Aus diesem Grund werde ich in der folgenden Diskussion die Positionen 3,4 und 5 der Zahlungsbilanz bewusst ausklammern.
Die Zahlungsbilanz ist abweichend von der ueblichen Bestandsbilanz einer Firma eine Bilanz von Stromgroessen. Sie unterteilt sich in eine Leistungsbilanz, in der (vorwiegend, s.o.) Leistungsstroeme (Waren und Dienstleistungen) betrachtet werden, und eine Kapitalbilanz, in der Kapitalstroeme (Gelder und andere Finanztitel) betrachtet werden.  Kernpunkt dabei ist, dass Netto-Leistungsabfluessen immer Netto-Kapitalzufluesse in gleicher Hoehe gegenueber stehen muessen. Umgekehrt gilt, Netto-Leistungszufluessen muessen immer gleich hohe Netto-Kapitalabfluesse gegenueber stehen. Waere das nicht so, dann waere das Ausdruck der Zahlungs- bzw. Leistungsunfaehigkeit einer der involvierten Parteien.
Die Zahlungsbilanz beschreibt so implizit eine Schnittstelle, mit der jede wirtschaftliche Einheit (Individuum, Firma, Volkswirtschaft) zwecks Kommunikation an den Rest der wirtschaftenden Welt angekoppelt ist. Diese Schnittstelle kann man sich bestehend aus zwei Rohrbuendeln mit jeweils zwei Rohren und den dazugehoerigen Flanschen  vorstellen, wobei durch das Rohrpaar 1 (blau) reale Leistungen zu- und abfliessen und durch das Rohrpaar 2 (rot) Kapital zu- und abfliesst. Innerhalb der wirtschaftlichen Einheit, die ueber diese Schnittstelle mit dem Rest der Welt kommuniziert, sind zwei Behaelter, in denen sich die jeweiligen Bestaende durch Integration der Differenz aus dem jeweilgen Zu- und Abfluss ueber Zeit abbilden. Ergaenzend und in Modifikation zur ueblichen Denkweise gibt es zwei Quellen, die reale Leistungen bzw. Kapital=Forderungen erzeugen koennen. Ebenso gibt es zwei Senken, die reale Leistungen verbrauchen bzw. Forderungen abschreiben koennen.


Um dieses Modell zu erklaeren moechte ich einige fundamentale Transaktionen anhand einer beispielhaften Volkswirtschaft bestehend aus Eva, Adam und evtl. einer Bank hier ausformulieren.
Wenn Eva einen Apfel pflueckt (L-Quelle > L-Bestand), zum Preis von 1$ anbietet und Adam Interesse zeigt, in dem er das Angebot annimmt, dann wird Eva den Apfel uebergeben (L-Abfluss) und eine Rechnung = eine spezifische, gerichtete Forderung an Adam schreiben (K-Quelle > K-Bestand). Ihre Bestandsbilanz verlaengert sich um den einen Dollar, denn sie wird auf Seiten der Aktiva die Position offene Rechnungen um 1$ erhoehen und als lebenserfahrene, konservative Frau auf Seiten der Passiva eine Rueckstellung von 1$ bilden, die mit dem Vermerk "Risikovorsorge fuer potentiell uneinbringliche Forderungen" gekennzeichnet ist. Bei Adam kommt es gleichzeitig zu einem Leistungszufluss in Form eines Apfels, der seinen Leistungsbestand entsprechend erhoeht. Wenn Adam liquide ist, also einen Kapitalbestand groesser Null ausweist, wird er zahlen und einen Kapitalabfluss von 1$ verbuchen, der seinen Kapitalbestand um 1$ senkt. Eva wuerde einen entsprechenden Kapitalzufluss von 1$ verbuchen und die Sache ist abgeschlossen. Wenn Adam allerdings keinen Dollar hat, wird es interessant, denn dann geht er zur Bank und bittet um Kredit. Wenn die Bank den Kredit gewaehrt und Adam 1$ auf seinem Girokonto gut schreibt und eine entgegengerichtete Forderung in Hoehe von 1$ auf seinem Schuldkonto vermerkt, dann kommt es bei Adam zunaechst zu einem Kapitalzufluss von 1$. Wenn Adam nun den 1$ an Eva ueberweisst, dann fliesst dieses Kapital bei Adam ab und bei Eva zu. Eva wird in ihrer Bestandsbilanz auf Seiten der Aktiva die Position offene Rechnungen um 1$ senken und die Position Kassenbestand um 1$ erhoehen. Auf Seiten der Passiva wird sie die Rueckstellung aufloesen und den Dollar (ueber die GuV) ihrem Eigenkapital zuschreiben.
Die Situation an dieser Stelle ist nun Folgende: Adam hat seinen Leistungsbestand um einen Apfel erhoeht. Die Bank haelt eine spezifische, gerichtete Forderung gegen Adam in Hoehe von 1$ und Eva haelt eine zur Umlauffaehigkeit veredelte Forderung gegen den Rest der Welt von 1$. Interessant ist, dass Eva bei Zahlung durch Adam einen Aktivtausch vornimmt. Die spezifische auf Adam gerichtete offene Rechnung gegen eine Forderung gegen den Rest der Welt. Gleichzeitig landet die spezifische Forderung gegen Adam bei der Bank. Weiterhin ist interessant, dass sich im Moment der Kreditgewaehrung der Bestand aller Forderungen verdoppelt hat, denn zu der urspruenglichen gerichteten Forderung gegen Adam, die nun von der Bank gehalten wird, ist nun noch das Geld = Evas zur Umlauffaehigkeit veredelte Forderung gegen den Rest der Welt hinzugekommen.
Wenn sich dieser Vorgang staendig wiederholt und sonst nichts passiert, dann erhoehen sich die jeweiligen Bestaende / Konten in den jeweiligen Bilanzen entsprechend.
Man sieht sehr schoen, bei Zahlung durch Adam findet bei Eva nur ein Aktivtausch statt. Offene Rechnung gegen Geld=umlauffaehige Forderung gegen den Rest der Welt. Nun kann Adam zu Eva gehen und sie bitten, ihr den 1$ zu leihen, damit er seine Schuld bei der Bank tilgen kann. Wenn Eva darauf eingeht, dann erhaehlt Adam den Dollar und Eva einen (triple A rated?) Schuldschein mit nominal Wert 1$, den sie in ihrer Bilanz auf Seiten der Aktiva unter der Position langfristige Forderungen eintraegt. Also wieder ein Aktivtausch. Wenn Adam tatsaechlich zur Bank geht und seine Schuld tilgt, dann verkuerzt sich die Bankbilanz um 1$. Wenn Adam aber einen weiteren Dollar Schulden aufnimmt, um dann mit 2$ bei naechster Gelegnheit bei Eva 2 weitere Aepfel zu kaufen, waechst seine Schuld bei der Bank auf 2$ und nach dem Kauf Evas Forderungen gegen den Rest der Welt auf 2$ + 1$ spezifisch, gerichtet auf Adam in Form eines Schuldscheins. Solange Adam nicht den Ruecken krumm macht und ein paar Kartoffeln aus seinem Acker ausgraebt, die er an Eva verkaufen kann, nuetzen die ganzen weiteren Finanztransaktionen inkl. Saeumniszuschlaege, Zinsbelastungen bzw. Zinsgutschriften = Erhoehungen des Forderungsbestands nichts.
Weiterhin tauchen interessante Fragen auf, wenn man sich ueberlegt, was mit den Forderungsbestaenden passiert, wenn der Apfel gegessen = verbraucht wird oder bei Eva im Regal verfault. Auch Kapitalstroeme ausgeloest durch zeitweilige Ueberlassung eines Gegenstands (Mieten, Pachten etc.) sind in diesem Modell ausgesprochen interessant.
Aber das sind Diskussionen, die ich erst zu einem spaeteren Zeitpunkt aufgreifen moechte.


Sapere Aude!

Georg Trappe