Freitag, 3. Januar 2014

Dekadenz verdeutlicht an einem Fluss- / Bestandsmodell

In einer Diskussion an andere Stelle tauchte fuer mich die Frage auf, ob man Dekadenz mit einem Fluss- / Bestandsmodell nachweisen bzw. verdeutlichen kann. Man kann! Sogar auf Basis einer neoklassisch gepraegten VGR und an aktuellen Daten. Dazu muss man sich nur den Verlauf des kumulierten Leistungsbilanzdefizits (Bestand) des UK und den Verlauf der NIIP des UK anschauen. Querschuesse hat das in einem aktuellen Artikel getan.



Dem Fazit des Artikels ist nichts hinzu zu fuegen:
"Letztlich muss UK also aus den Finanz- und Kapitalmärkten  knapp 600 Mrd. GBP an Gewinnen gezogen haben und kann dadurch munter, trotz chronischer Handels- und Leistungsbilanzdefizite, Nettoauslandsvermögen ausweisen. Nicht rein zufällig dokumentiert sich aus Deutschlands Nettokapitalexporten in die gesamte Welt und dem daraus erworbenen Nettoauslandsvermögen ein Gap von -707 Mrd. Euro Stand Q3 2013. Wer wen also erfolgreich abzockt ist klar. Wofür der Michel zur Ader gelassen wird damit auch! U.a. gerade die angelsächsischen Volkswirtschaften, mit ihrem starken Finanzsektor und der Investmentindustrie in UK und den USA, verleiben sich mit Hilfe des dümmlichen deutschen Kapitals (und eine durch Inkompetenz gekennzeichneten deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik) Teile der hart erwirtschafteten deutschen Überschüsse ein! Ein Überschuss der nur durch die Nichtteilhabe der Arbeitnehmer in Deutschland, an den Produktivitätsfortschritten und Produktionserfolgen, in diesem Ausmaß überhaupt möglich wurde. Die Sinnhaftigkeit dieses Modells, wenn am Ende die unter Verzicht erarbeiteten Erträge wieder über die Finanz- und Kapitalmärkte verloren werden, darf mehr als nur bezweifelt werden. Für so einen gesamtvolkswirtschaftlichen Unsinn (vermeintliche Wettbewerbsfähigkeit) sind Lohnverzicht, miese Löhne, am Ende gar Altersarmut, fehlende Investitionen in Deutschlands Straßen, Brücken, Schienen und Schulen usw. völlig deplatziert."

Ausser vieleicht dieser etwas aeltere Hinweis.
Querschuesse hat dankenswerterweise in einem weiteren Artikel auch die andere, die deutsche Seite der Medaille dokumentiert. Und die sieht so aus:

Wuerde man dies fuer andere hyperproduktive Laender wie z.B. Japan und Sued Korea auch machen, ist zu vermuten, dass ganz aehnliche Bilder entstuenden. Denn es gibt neben der City of London noch andere Finanzplaetze, die diese dekadente Magie betreiben, um so die reale Degeneration = Leistungsschwaeche der eigenen Wirtschaft zu kompensieren. Z.B. die Wall Street in New York. Siehe auch hier.



Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. vielen Dank für den Beitrag. Es stellen sich mir jedoch zwei Fragen. Zuerst die dumme (oder die m.E. dümmere):
    Die Leistungsbilanz, wie in Wikipedia definiert, umfasst ja alle internationalen Transfers. Welche Faktoren (Summanden) fehlen um aus einer negativen Leistungsbilanz eine positive NIIP zu schaffen?
    Nun die hoffentlich weniger dumme Frage:
    Wie trägt zum Anstieg des NIIP die Möglichkeit des UK bei der Bank of England selber Geld zu schöpfen bei?
    Könnte es einfach sein, dass mit dem, hart ausgedrückt, Monopoly-Geld einfach NIIP gekauft wird?

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    1. Unter der Annahme, dass keine Summanden fehlen, bleibt meiner Meinung nach nur die Bewertung der Bestaende bzw. die Bewertungsaenderungen bei den Bestaenden.
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      Ich halte es daher tatsaechlich fuer moeglich, dass diejenigen, die die Kapazitaet zur Geldschoepfung haben, Geldstroeme so lenken koennen, dass sich auf den "Maerkten" Bewertungen bzw. Bewertungsaenderungen ergeben, die diese "Magie" ermoeglichen.
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      Denken Sie mal ueber folgendes absurde Szenario nach. Der eine will seine bisher aufgelaufenen Verbindlichkeiten entwerten und wirft dazu seine Notenpresse an. Der andere will das verhindern und wirft dazu seinerseits die Notenpresse an, und kauft damit die neu emittierten Verbindlichkeiten des ersteren auf.

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