Sonntag, 23. Februar 2014

0x2A, die Welt, das Finanzcasino und die Emergenz seines Untergangs

Was ist einer der sichersten Wege wirtschaftliche Ungleichheit zu produzieren?
Richtig, das Gluecksspiel.
Was ist die Faszination, die vom Gluecksspiel ausgeht?
Richtig, die Moeglichkeit sehr schnell, sehr grosse Ungleichheit zu erreichen.
Was ist das zentrale Motiv kapitalistischer Wirtschaftssysteme?
Wachstum=Mehr! Also Ungleichheit sowohl in der zeitlichen Dimension = heute mehr als gestern als auch Ungleichheit in der sozialen/gesellschaftlichen Dimension = mehr als meine Nachbarn staendig zu steigern.
Was ist der Weg, um das zentrale Motiv zu befriedigen?
Wettbewerb!
Und wohin fuehrt dieser Weg in kapitalistischen Systemen in letzter Konsequenz?
Ins Finanzcasino!!!
Und da gibt es so gut wie kein Entkommen. Denn schon das Fuehren eines Kontos bei der Bank ist durch die Indirektion Bankbilanz eine Teilnahme am durch die Banken organisierten Gluecksspielspektakel mit dem treffenden Namen Finanzcasino.

 Quelle
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Doch langsam. Wie laesst sich durch Gluecksspiel, also Wetten auf unvorhersehbare zukuenftige Ereignisse, absolut sicher, maximal schnell maximale Ungleichheit produzieren? Nun ganz einfach. Nehmen wir an, eine Population von 1000 P verfuegt ueber ein gleichverteiltes Vermoegen von 1000 V und entschliesst sich ein Glueckspiel zu organisieren, in dem jeder sein 1V einsetzt und der Gewinner des Spiels (Los Lotterie mit 999 Nieten und einem Gewinnlos) den kompletten Einsatz gewinnt. Dann ist nachdem Spiel das zuvor gleichverteilte Vermoegen nach nur einem Spiel maximal ungleich verteilt.
Das waere natuerlich langweilig, weil die Emergenz des Untergangs des Casinos und der Gesellschaft in nur einem einzigen Spiel von statten ging. Um also die Spannung und den Anschein von sozialer Verantwortung ueber einen laengeren Zeitraum aufrecht zu erhalten, muss man nun nach Wegen suchen, obwohl das zentrale Motiv in letzter Konsequenz auf die Erreichung maximaler Ungleichheit in kuerzestmoeglicher Zeit abzielt, das ab einem gewissen Punkt dekadente und destruktive Spektakel zeitlich zu dehnen. Dazu gibt es mehrere Wege, die auch kombiniert beschritten werden koennen.

1.) Eine Einschraenkung der Spreizung der erzielbaren Renditen. Im obigen Beispiel gab es nur zwei moegliche Renditen auf den Einsatz von 1V; naemlich -100% und +99900%. Das kann man auch anders gestalten. In jedem Fall wirken Fargione et al..
2.) Die Moeglichkeit nur Teile des Vermoegens pro Spiel einzusetzen, was einer Abwandlung von 1.) gleich kommt.
3.) Gewinnung von immer neuem einsatzfaehigen Vermoegen durch Extraktion aus "Externalitaeten", also von Nichtspielern wie Umwelt, arbeitenden Bevoelkerungsteilen etc..
4.) Kreation von einsatzfaehigem Geldvermoegen im Zuge der Kreditvergabe, welches direkt oder indirekt durch 3.) dem Spielbetrieb zugefuehrt wird.
5.) Besteuerung von Gewinnen und Gewinnern durch den Staat und Rueckfuehrung der Erloese zu den Verlierern durch "Sozialpolitik". Natuerlich nicht ohne dabei Politiker und Beamte zu vergessen ;-).

Das tragische ist, dass ein liberales Wirtschaftssystem in Verbindung mit dem zentralen Motiv, dem allgemeinen Streben nach "Mehr", unweigerlich eine kontinuierlich ansteigende Ungleichheit produziert und dies offenbar bis zu seinem Untergang betreibt, wenn kein ausreichendes Bewusstsein darueber besteht, dass Strukturen und Hierachien nicht nur effizienzsteigernd wirken koennen sondern ab einem gewissen Punkt zu einer destruktiven "Kopflastigkeit" fuehren. Bestuende dieses Bewusstsein, so koennte nicht nur die Rate, mit der die Ungleichheit ansteigt, gebremst werden, sondern sogar eine Fixierung auf einem bestimmten Level erreicht werden. Doch wer sollte in einer "liberalen" Gesellschaft bestehender Auspraegung entscheiden, was der "optimale" Stand von Ungleichheit ist? Und wuerde eine Fixierung nicht fuer jeden den amerikanischen Traum und die Chance zu einem  "Emporkoemmling" zu werden, wie Bill Gates (38% CAGR ueber 35 Jahre), Mark Zuckerberg (von Null auf 24,5 Mrd. US$ in 9 Jahren), Jan Koum (xx Mrd. US$ in 4 Jahren), die ja als Ikonen des bestehenden Systems gelten, verunmoeglichen?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Schön, dass es mal wieder was zu lesen gibt hier, komme jeden Tag einmal vorbei.
    Wieviele Besucher gibt's denn hier?

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  2. Vielen Dank fuer Ihr Interesse und die regelmaessigen Besuch. Ich hoffe der inzwischen erreichte Vorrat an Artikeln hat es nicht langweilig oder gar vergeblich werden lassen. Die Zahl der Seitenaufrufe ist stark von meinem Engagement abhaengig. Anfang des vergangenen Jahres war ich in der Lage fast jeden Tag einen Artikel einzustellen. Damit kletterten die Seitenaufrufe in der Spitze auf etwa 9000 pro Monat. Wenn ich laengere Zeit keine oder nur selten Artikel einstelle, wie in den vergangenen Monaten, dann sinkt die Zahl der Aufrufe kontinuierlich ab und pendelt sich auf z.Zt. knapp an die 100 pro Tag, oder 3000 pro Monat ein.
    Vollkommen unuebersichtlich fuer mich ist, wieviele der Aufrufe durch Robots und wieviele durch tatsaechlich lesende Menschen erfolgen. Einige Indizien legen nahe, dass die Zahl der Leser nur ein Drittel der Seitenaufrufe ausmacht.

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