Dienstag, 11. März 2014

Bloeder geht es nicht! Doch beim Focus immer.

Wenn ein namenhaftes deutsches Magazin, das mal mit Fakten, Fakten, Fakten beworben wurde, in seiner Online Ausgabe eine Woche nach Fasching den Kalauer

"Aussenhandel: Deutschland im Konsumrausch" 

zum Titel eines Artikels macht, der die neuesten Zahlen zum deutschen Aussenhandel berichtet, dann sollte man meinen, bloeder und weiter an den Fakten vorbei geht es nicht.
Wenn man allerdings den Artikel zu Ende liest, dann wird man eines besseren belehrt. Denn im letzten Satz heisst es dort tatsaechlich:
"Das Konsumklima in Deutschland ist derzeit extrem gut, und schon 2013 hatten die Verbraucher in Deutschland so viel Geld wie noch nie in den Konsum gesteckt. Das lag einerseits an den extrem mickrigen Zinsen, die sicherer Geldanlagen unattraktiv machen, andererseits an der Rekordbeschäftigung.
Beides zusammen führt dazu, dass die Deutschen seit Jahren immer größere Teile ihres verfügbaren Einkommens direkt für größere Anschaffungen, Reisen, Wohnen oder den Restaurantbesuch ausgeben, statt das Geld auf die hohe Kante zu legen. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts stiegen die Konsumausgaben im vergangenen Jahr nominal um 2,5 Prozent auf 1,57 Billionen Euro - den höchsten jemals gemessenen Wert."

Das ist nicht mehr zum lachen!
Warum?
Die Fakten finden Sie

hier 



hier





hier







und hier.


Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Es scheint so zu sein, dass die hochbezahlten Sesselfurzer der Mainstreammedien ohne Recherche vorgegebene Texte der Agenturen, hier dpa, abschreiben.
Der Stern liefert den gleichgeschalteten Kalauer.

Kommentare:

  1. Hallo, die ZEIT hat das auch brav gedruckt (http://www.zeit.de/news/2014-03/11/aussenhandel-deutsche-im-konsumrausch-11163412). Mit dem tollen Wachstum von 0,9%!!!
    Während im Gegenzug die russische Wirtschaft das schwächste Wachstum seit 2008/9 hinlegte, mit mageren 1,4% (http://www.zeit.de/news/2014-01/29/russland-russlands-wirtschaftswachstum-schwaecht-sich-ab-29133206).

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  2. Danke fuer die Hinweise auf die wirtschaftsjournalistischen Glanzleistungen der verlaengerten Achse des Guten ;-).
    Soetwas wird dann nur noch durch die BILDungseinrichtungen von Friede Springer und ihrem Spitzenteam uebertroffen.

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  3. Dein Thema:

    http://www.businessweek.com/articles/2014-04-03/top-tenth-of-1-percenters-reaps-all-the-riches?google_editors_picks=true

    Gruß

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    1. Danke fuer die Ergaenzung. In die gleiche Richtung, noch etwas staerker untermauert, geht dieser Artikel / Hinweis auf einen guten Aufsatz:
      http://rwer.wordpress.com/2014/04/04/top-0-1-wealth-share-in-the-u-s-1913-2012/
      Ich moechte aber darauf hinweisen, dass voranschreitende Ungleichverteilung nur ein Teil "meines Themas" ist. Mir geht es um die Klaerung der Frage, woraus denn nun verheerende wirtschaftliche Krisen und wirtschaftliche Instabilitaet entstehen.
      Und da gibt es fuer mich inzwischen zwei Erklaerungsansaetze, die aus meiner Sicht Hand in Hand gehen.
      1.) Steve Keen's dynamischer Ansatz in Verbindung mit einem richtigen Verstaendnis darueber wie Geld und Banken funktionieren.
      2.) Instabilitaet durch stetig voranschreitende Konzentrationsprozesse auf allen Ebenen (Individuen, Firmen, Regionen, Volkswirtschaften).
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/11/wie-sich-das-system-selbst-zerstoert.html

      Der entscheidende Nachsatz:

      " (**) Ein Beispiel des Nichtverstehens (1). Nicht der riesige Schuldenberg alleine ist das Problem, sondern die Kombination aus exponentiell wachsenden Schulden / Vermoegen und einer mit ihr einhergehenden und fortschreitenden Konzentration dieser Vermoegen. Fuer Zeiten nahe dem gleichverteilten Ursprung diese Beispiels, spielt es keine Rolle wenn einer der 1000 mit -100% das Jahr abschliesst. Das waere 1 Promille. Aber am Ende der Zeitreihe dieses Beipiels, spielt es durchaus eine erhebliche Rolle, ob einer der "Global Player", der die Rangliste anfuehrt, die 5% bringt oder nur 4%. Es wird sogar zunehmend unwahrscheinlicher, dass das konzentrierte Vermoegen den Durchschnitt schafft oder uebertrifft. Denn die Wahrscheinlichkeit mit der bestimmte Renditen erzielt werden, ist nicht vermoegensabhaengig sondern normal verteilt ueber die 1000 Player. Die Versuche der "Global Player" dies per Macht zu "korrigieren" gelingen ja offensichtlich immer wieder (siehe "too big to fail"). Das fuehrt aber letztendlich nur zu einer Verschaerfung des Problems, denn die Konzentration schreitet weiter fort und die Zukunft der erzielbaren Renditen bleibt weiter ungewiss und normal verteilt, was in der vorherrschenden Logik eine zunehmende und rigidere Machtausuebung zur "Korrektur" durch die "Global Player" erfordert. Das laeuft dann auf Planwirtschaft hinaus, in der der Zufall durch einen machtvoll implementierten Plan ersetzt werden soll. Dabei weiss doch jeder, dass Planung nur den Zufall durch Irrtum ersetzt;-).
      Oder Frau Merkel?"

      Eine funktionierende arbeitsteilige Wirtschaft wird wohl immer durch Strukturen, Hierachien und damit Ungleichheiten gekennzeichnet sein. Wenn diese Strukturen ueber Zeit aber derart kopflastig werden, dass der Unterbau sie nicht mehr traegt, dann laeuft da etwas ganz gewaltig schief.
      -
      Und wenn es da eine sog. Wissenschaft gibt, die das nicht nur uebersieht, sondern mit ihrer Obsession fuer Gleichgewichtstheorien das genaue gegenteil behauptet, dann muss man sich fragen, was ist da los? Warum wird jungen, ehrgeizigen und lernwilligen Menschen an den Eliteschulen dieser Welt (Harvard, Princeton, Yale, London, Fontainebleau usw. usf. etwas eingetrichtert, was im krassen Gegensatz zu dem steht, was die langjaehrigen Beobachtungen und datenreihen belegen?
      Sich zuspitzende rechtsschiefe Verteilungen sind kennzeichnend fuer Systeme, die sich von einem Gleichgewicht entfernen und eben nicht ein ominoeses (Pareto) Gleichgewicht anstreben. In Systemen, die aus sich heraus ein Gleichgewicht anstreben, laufen Diffusionsprozesse ab, die evtl. bestehende Gradienten einebenen. In der real beobachtbaren Wirtschaft findet das genau Gegenteil statt. Stofftransport entgegen einem bestehenden Gradienten, womit dieser sich mmer steiler aufrichtet bishin zu einem katastrophalen Zusammenbruch.

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    2. Servus, klar, war nur ein Teil Deines Themas, der für mich interessantere, da ich das Thema Geld, Banken - das aber ursächlich ist - schon im Sinne Keens gelöst habe. Die Zufallsverteilung wird durch eine wenig "corriger la fortune" mittels Banken noch verschärft. Aber sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die fehlenden Masseneinkommen lassen die Unternehmenspyramiden, die ja ihre Produkte verkaufen wollen, kollabieren. Wenn das meiste Geld schließlich nach oben geflossen ist, kippt die Pyramide auf den Kopf! Darauf warten wir jetzt schon seit 2008.

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  4. "corriger la fortune" ist gut! Sogar sehr gut ;-).
    Die Zuffaelligkeit bei der Zuweisung der Renditen im Modell wurde gewaehlt, um das Modell nicht in den Verdacht eines ideologischen Bias zu bringen. Das allgemeine Streben nach "Mehr" = Wachstum und ein differenzierender Wettbewerb mit streuenden Erfolgen = Renditen reicht aus, um den Irrsinn der vorherrschenden wirtschaftlichen Praxis und den Schwachsinn der sog. Wirtschaftswissenschaften als solche zu enttarnen.
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    Ich freu mich immer, wenn sich jemand meldet, der das versteht.
    Es sind leider nur sehr wenige.

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