Samstag, 18. Oktober 2014

Saettigungseffekte?

Angeregt durch die folgenden Zeilen eines Lesers dieses Blogs
"Nach dem Ende des verheerenden zweiten Weltkriegs funktionierte das alleinige Geldschöpfungsmonopol der Banken. Investitionen erfolgten vorwiegend über Kreditvergabe der Banken. Hinzu kam, das Gewinne aus
den Investitionen problemlos in weitere Projekte gesteckt werden konnte. Durch Investitionen steigt seitens der Unternehmer auch die Nachfrage nach Arbeitszeitanbietern. Arbeitslosigkeit sinkt, Massenkaufkraft steigt,
was dann wiederum ein positives Umfeld für weitere Investitionen schafft. Praktisch ein sich selbstverstärkendes Wirtschaftswachstum aus dem Zusammenspiel von Kreditvergabe, Investitionen und Zunahme
der Massenkaufkraft.
Nun erreicht jedes Produkt, unabhängig davon ob es auch exportiert wird, am Markt seinen Sättigungsgrad! Nun brauchen die Unternehmer nur noch soviel Arbeitszeitanbieter, um die Produktion nahe dem Sättigkeitsgrad des Produktes aufrecht zu erhalten. Kommt es dann zu Proktivitätsteigerungen für dieses
Produkt, wird der Unternehmer, Arbeitszeitanbieter entlassen. Dann sinkt langsam aber sicher auch die Massenkaufkraft der Arbeitszeitanbieter, der Sättingungsgrad von Produkten wird schneller erreicht. Das
selbst verstärkende Wirtschaftswachstum wandelt sich immer schneller werdend, ins Gegenteil um. Um das Nachfragepotenzial von Arbeitzeitanbietern und Rentnern aufrecht zu erhalten, bleibt einem Staat nichts anderes übrig, als neben den Banken in die Geldschöpfung mit einzusteigen."

hier einige Gedanken von mir zum Thema "Saettigungseffekte":


Ich denke, die oben beschriebenen Zusammenhaenge sind weitestgehend zutreffend. Allerdings sehe ich den Uebergang von einer Aufbauphase in eine Phase, in der Saettigungseffekte beginnen eine Rolle zu spielen, fuer die BRD eher in den 70er Jahren. Dies ist aus meiner Sicht interessanterweise auch der Zeitpunkt eines markanten politischen Richtungswechsels. Ich kann mich noch gut an damalige Diskussionen ueber quantitaves und qualitatives Wachstum erinnern, sowie an Zeiten in denen das erreichen der Marke von 1 Mio. Arbeitslosen einen Skandal darstellte. Heute feiert man Zahlen knapp unter 3 Mio., die auch nur mit allen erdenklichen Tricks erreicht werden, als Erfolg. Gleichzeitig wird meiner Meinung nach aber seit ueber drei Jahrzehnten etwas uebersehen, das in seiner Wirkung weit ueber die von Ihnen thematisierten Saettigungseffekte hinaus geht. Und das sind die stetig voranschreitenden Konzentrationsprozesse, die die wirtschaftliche Entwicklung begleiten. Diese Konzentrationsprozesse sind meiner Meinung nach im wesentlichen fuer die verheerenden Zustaende, die wir in nahezu allen westlichen Volkswirtschaften erstaunlicherweise fast zeitgleich beobachten, verantwortlich. Das Paradox, was meiner Meinung nach durch Saettigungseffekte alleine ersteinmal nicht zu erklaeren ist, ist ja, das Millionen Arbeitslose erstens nicht satt sind, zweitens nicht nur ein ungenutztes Arbeitskraftpotential darstellen, sondern drittens auch ein ungenutztes Nachfragepotential bilden. Warum also finden sich keine Unternehmer, die bei historisch niedrigsten Zinsen diese ungenutzten Potentiale dahingehend einsetzen, dass sie Unternehmen aufbauen, in denen diese arbeitslosen Menschen das erarbeiten, was sie zu einer auskoemmlichen Teilhabe am Wirtschaftsleben benoetigen? Es sei denn, man unterstellt, dass die enorme, stetig zunehmende Vermoegens- und Machtkonzentration auf Seiten der Unternehmer diese derart saturiert, dass sie es vorziehen diese Potentiale ungenutzt zu lassen. Das waere nicht nur dekadent sondern vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen auch politisch unklug, wenn man nicht an die Moeglichkeit der Restauration feudaler Herrschaftsverhaeltnisse glaubt.

Sapere Aude!

Kommentare:

  1. Hallo Herr Trappe, ich glaube sie verstehen die Fettaugen noch nicht ganz, man muss das Prinuzip auch historisch erfassen.

    Kapitalismus hatte seinen Anfang in der Kolonialzeit und die ersten großen Gewinne der Kapitalisten entstammten aus dem Sklavenhandel und der Sklavenhaltung. Sklavenhalter und Sklavenhändler waren damals schon Privatunternehmer. Es ist sozusagen der natürliche Urzustand des Kapitalisten. Ob der einzelne will oder nicht, das Streben nach Profit drängt ihn unausweichlich in diese Richtung. Verweigert er sich diesem Drang dann siegt die Konkurrenz.

    Die ersten global operierenden Unternehmen waren die, die systematische Ausbeutung der Kolonien betrieben, wie die Niederländische Ostindien-Kompanie. Sie stellten in Grausamkeit und Totalitärer Herrschaft die Feudalherren weit in den Schatten. Ihr eigentlicher modus operandi aber war Bürokratie und Buchhaltung (heute auch Controlling genannt).

    Der Kaptialismus als Wirkung hinter dem Sklavenhandel brachte damals den Rassismus als Legitimation in die Welt. Selbst dem englischen Königshaus war die Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner zu "unfein". So etwas tat ein echter "Herrscher" nicht. Erst durch die Unabhängigkeit und den neuen Geldadel des Bürgertums wurde die Vernichtung indigener Völker in Nordamerika systematisch betrieben.

    In den Zeiten der Amerikanischen und Französischen Revolution ging es dem Bürgertum nicht darum eine gerechtere Welt für alle zu schaffen, Der Genozid an indigenen Völkern und die Unterdrückung der Kolonialstaaten bekam durch die Herrschaft des Bürgertums erst richtig Schwung. Gegen die Ausbeutung der Arbeiterschaft im 19Jh war die Leibeigenschaft das Paradies.

    In den folgenden Jahrhunderten waren die sozialen Errungenschaften und der verbesserte Wohlstand der Menschen in den Industrieländern nicht durch, sondern trotz des Kapitalismus entstanden.

    Nur im Konflikt gegen den Kapitalismus wurden Sklaverei und Kolonialzeit überwunden. Aus dem Rassismus entstand der Sozialdarwinismus und die Erfindung der "Unsichtbaren Hand", die natürliche Ordnung von Arm und Reich und die Idee, dass Wirtschaft automatisch einem Gleichgewicht entgegenstrebt dass "allen" dient. Der Arme ist selber Schuld. Dieses Leistungsprinzip urde ein weit effektiveres Instrument der Unterwerfung als alle Ketten und Peitschen.

    Heute beherrschen die Lehren von Haydek und Friedmann die politische Ökonomie. Sie erfanden neue Formen des Kolonialismus. Im faschistischen Chile testeten sie erfolgreich die Grundlagen ihrer Wirtschaftsideologie. Weder Friedmann noch Hayek sind Armut, Unterdrückung, Mord und Folter negativ aufgestossen. Die Begeisterung über die zügige Durchsetzung der Privatinteressen des Kapitals gegen die interessen der Bevölkerung, überwiegte diese Bedauernswerten Nebenwirkungen bei weitem. Schliesslich diente ja die Anhäufung des Kapitals in ihren Augen am Ende allen.

    In Folge dieses Experimentes wurden die Machttechniken verfeinert und die Narrativen die die Herrschaft des Kapitals legitmierten weiter ausgefeilt, während das Modell in der südlichen Hemisphäre verbreitet wurde. Die "Trickle Down" Theorie legitimiert auch die schlimmste Ausbeutung. Den Kinderarbeitern in den Textilfabriken geht es schliesslich besser als wenn die Segnungen des Kapitalismus sie nie erreicht hätten.

    Das Kapital fühlt sich im Recht, es glaubt selbst fest an diese Narrativen die es erfinden liess. Sie sind fanatische Gläubige dieser Religion der Aneignung. Hinter den Entwicklungen steht kein "böser" Wille und seine Akteure sind normale Menschen. Es war schon immer die Logik des Profits die es erlaubte über das Leid anderer Hinwegzusehehen. Die Absolution die die Hohepriester der Religion, wie Ayn Rand, Friedrich Hayek oder Milton Friedmann erteilten, vergaben ihnen jede Schuld.

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  2. Fortsetzung:


    Niemand "glaubt" an einen Neofeudalismus. Tatsächlich war die Herrschaft der Fettaugen schon seit ihrem ersten Auftreten weit grausamer als jeder Feudalismus. Niemals gab es einen Diktator der schrecklich genung war um nicht mit ihm zusammenzuarbeiten wenn der Profit stimmt.

    Trotz dieser grausamen Historie des Kapitalismus glauben die meisten heute in ihm "das beste System" zu erkennen. Weil in den Revolutionen des Bürgertums sich Demokratie entwickelte wird diese Errungenschaft ihm zugeschrieben.

    Weil sich die Menschen gegen ihn sozialen Fortschritt und bescheidene Teilhabe am Wohlstand erkämpften, hat er es geschafft sich dafür verantwortlich zu erklären.

    Weil im 20Jh. die Wissenschaft und Technologie enorme Fortschritte machte war natürlich allein der Kapitalismus dafür verantwortlich.

    Verwerfungen wie Ungleichheit, Umweltzerstörung, Hunger, Kriminalität, etc. sind nicht Folge des Kapitalismus oder der "liberalen Marktwirtschaft", sondern existieren weil die Marktwirtschaft noch nicht liberal genug ist.

    Nur ein "Radikaler" kann die Geschichte des Kapitalismus so sehen wie ich sie hier schildere. Diese Form der Historie des Kapitalismus wird daher nicht erzählt, obwohl diese Schilderung ein ums andere mal akademisch belegt wurde.

    K. Marx, F. Engels, T. Adorno, A. Gramsci, M. Foucault, I. Wallerstein, N. Chomsky, N. Klein, H. Zinn und all die anderen, die Versuchen die Geschichte nicht von Oben sondern von Unten zu erzählen, spielen in unserer Lehre und Öffentlichkeit die Rolle einer abseitigen Randgruppe.

    Man kann daraus schliesslich nur die Lehre ziehen, dass der Kapitalismus und das Prinzip des Profits überwunden werden müssen und nicht durch Reformen gezähmt.

    Gruß
    alien Observer

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    1. Die von Ihnen beschrieben Glorifizierung des Kapitalismus wird von mir nicht bestritten. Ich moechte aber darauf hinweisen, dass es inzwischen Kapitalisten gibt (z.B. der im Artikel verlinkte Nick Hanauer), die immerhin bemerken, dass mit ihrem Kompass = das was Profit bringt ist gut und das was keinen Profit bringt ist schlecht, etwas nicht stimmt.
      Und jetzt zitiere ich mal Alien Observer: "Wer im Wald steht braucht einen Kompass um nicht ewig weiter im Kreis zu laufen."
      Und frage, wie waere es denn zur Abwechslung mal damit, einfach mal anzuerkennen oder zumindest als Arbeitshypothese anzunehmen, dass es einen solchen Kompass fuer Normalsterbliche angesichts der dominierenden Eigenschaften von komplexen Systemen nicht gibt. Damit waere zumindest all den Rattenfaengern, die mit ihren ach so tollen totalitaeren Kompassloesungen hausieren gehen, nur um sich ueber die nach "Orientierung" Suchenden zu stellen, mal das Wasser abgegraben.
      Und wenn man sich dann noch mal in aller Ruhe zurueck lehnen wuerde und ueberdenken wuerde, was "kein Kompass" = Unvorhersehbarkeit denn bedeutet, dann wuerden vielleicht nicht nur Scharlatane und Hasadeure reihenweise als solche enttarnt sondern auch der eine oder andere den Fuss etwas vom Gas nehmen und sich in einer gewissen Demut daran erinnern, dass er ein Mensch ist.
      -
      Und damit Sie nicht glauben, dass ich hier der kapitalistischen Wirtschaftsweise das Wort rede. Ich denke die vorherrschende Wirtschaftsweise wird sich als Dummheit erweisen, denn es ist berechenbar = vorhersehbar, dass diese Wirtschaftsweise letztendlich Verhaeltnisse hervorbringt, durch die Mehrheiten in ihrer Existenz bedroht werden. Das die altbewaehrte Loesung, die dann revoltierenden Mehrheiten in Kriegen gegeneinander aufzuhetzen, um sie so zu dezimieren, wieder zur Anwendung gebracht wird, erscheint mir daher nicht unwahrscheinlich. Nach der letzten Katstrophe dieser Art waren die politischen Koepfe zumindest fuer einen Moment lang klar. Im Ahlener Programm der cDU aus dem Jahr 1947 heisst es:


      „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

      Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

      http://de.wikipedia.org/wiki/Ahlener_Programm

      Aber das ist alles dank dem einen oder anderen mit Kompass hausierendem Apostel bereits wieder vergessen.

      Viele Gruesse
      GT

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    2. Praeziser haette ich schreiben sollen:
      "Und damit Sie nicht glauben, dass ich hier der kapitalistischen Wirtschaftsweise das Wort rede. Ich denke die vorherrschende Wirtschaftsweise wird sich als Dummheit erweisen, denn es ist berechenbar = vorhersehbar, dass diese Wirtschaftsweise letztendlich Verhaeltnisse hervorbringt, durch die Mehrheiten in ihrer Existenz bedroht werden, wenn sich nichts aendert." Es aendert sich aber etwas.
      Thomas Piketey schreibt ein viel beachetetes Buch, Nick Hanauer, einer der Investoren hinter Amazon, bekommt Angst vor den Mistgabeln, Frau Yellen bemerkt immerhin nach sieben Jahren Dauerkrise auch, dass da etwas nicht so ganz stimmig ist und selbst eine Ikone des amerkanischen, man koennte auch sagen kapitalistischen (Alb)Traums, wie Bill Gates fuehlt sich bemuessigt sein Image als Heiliger aufzupolieren:
      http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/jan/06/bill-gates-preaches-fighting-poverty-hypocrite-microsoft-tax
      Der steigende Leidensdruck bewirkt also ganz offensichtlich etwas. Auch in den oberen Etagen unserer Gesellschaften. Das Ganze erinnert mich doch sehr stark an die fuenf Stufen des Kuebler Ross Models:
      http://en.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCbler-Ross_model
      Die Frage ist nur, was diese Aenderungen letztendlich bewirken werden. Sollte die Reise in Richtung von "immer mehr vom Gleichen nur rigider" gehen, was ich angesichts der "Fortschritte" in den vergangenen Jahren und der systemimanenten Inertia fuer nicht unwahrscheinlich halte, dann wird die "Loesung" die aus den Geschichtsbuechern bekannte, uebliche Katastrophe seine.

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    3. Hallo Herr Trappe,

      ich bin da im Grunde ganz bei ihnen, aner um bei dem Bild mit dem Kompass zu bleiben: die Rattenfänger geben ein Ziel vor und wollen das alle ihnen hinterherlaufen, der Kompas hilft nur sich zu orientieren.

      Ich bin tatsächlich sehr dagegen eine fertige Lösung (einen irgendwie gearteten ...-ismus) einer Gesellschaft zu präsentieren.

      Als Kritiker sehen wir uns aber immer wieder der Frage ausgesetzt was denn unser besserer Vorschlag wäre. Also muss man Vorschläge unterbreiten die als Diskussionsgrundlage dienen können.

      Manche wollen diese wieder als fertige Lösungen vestehen denen sie hinterherlaufen können, statt als Denkanstöße um selbst den Weg finden zu können. Irgendwie schaffen es die wenigsten selbst zu denken.

      Wie auch immer, meiner Meinung nach ist es der Kapitalismus selbst, der überwunden werden muss. Weshalb ich mich auch bei Pickety oder Hanauer nicht wiederfinde, die wie so viele, den Kapitalismus nur repareren wollen.

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    4. Ich denke das zentrale Motiv, das allgemeine Streben nach "Mehr", welches die Sache antreibt und in Verbindung mit den streuenden Faehigkeiten der Akteure zur Entstehung der Strukturen und ihrer Probleme fuehrt, ist tief verwurzelt.
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      Und das Totschlagargument, das Kritik nur dann erlaubt, wenn man einen besseren Vorschlag hat, weise ich zurueck.
      Eine Loesung erscheint mir auch nur dann moeglich, wenn die tiferen Ursachen verstanden sind. Pickety ist da meinem Eindruck nach weiter als Hanauer.
      Das folgende Beispiel mit dem Stadium ist wirklich genial und illustriert die dahinter stehende Unfaehigkeit sehr schoen.
      http://www.peakprosperity.com/crashcourse/deutsch/kapitel-4-kraft-der-exponentialitat
      Wenn man sich nun solche Vorgaenge in einer wettbewerblichen Situation vorstellt, in der durch stochastisch multiplikative Prozesse die Akteure um die ersten Plaetze auf der Forbesliste wetteifern, dann wird es vollkommen unuebersichtlich. Was natuerlich eine perfekte Grundlage fuer die Maerchenonkel der sog. Wirtschaftswissenschaften ist.
      Das geht dann anscheinend soweit, dass die Ikonen selber nicht mehr
      begreifen, wie die Sache funktioniert und was sie bewirkt.
      Denn Nick Hanauer ist bemerkenswerterweise einer der grossen Investoren hinter Amazon. Und Amazon ist nun das absolute Paradebeispiel dafuer, dass durch konsequente Reinvestition der Ueberschuesse (="Erfolgsrezept") maximales Wachstum angestrebt wird, um so die etablierte Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen.
      http://www.heise.de/tr/artikel/Die-Amazon-Strategie-2041687.html
      Und das ist der Weg, den man gehen muss, wenn man Bill Gates und seine 35 Jahre lang 38% pa Wachstum schlagen will.
      Anders geht es nicht.
      Das einem Bill Gates mit seinen linearisiert 35 Jahre lang 250000 US$/h
      pro Std. 24x7 an privatem Zahlungsbilanzueberschuss aufgrund der
      Systematik auch eine grosse Zahl von Menschen gegenueberstehen muss, die das entsprechende Zahlungsbilanzdefizit hinnehmen muessen, geht bei der ganzen (Wettbewerbs-)Euphorie ueber die Stars vollkommen unter. Aber Angst vor Mistgabeln hat man schon. Na toll. Soviel zur oeffentlichen Duennbrettbohrerei zu grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhaengen unserer gesellschaftlichen Spitzen.

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  3. Nachtrag:
    Es existieren im Kpitalismus zwei Möglichkeiten gegenüber der Konkurrenz Wettbewerbsfähiger zu werden. Lohndumping oder Investition / Innovation. Lohndumping wird so lange präferiert so lange die Arbeiterschaft nicht aufbegehrt. Das Risiko ist rein sozial, die Auswirkungen eines Arbeitskampfes betreffen immer auch die Konkurrenz mit. Das Risiko eines Unternehmers gegen die Konkurrenz zu verlieren ist also klein.

    Innovation und Investition sind dagegen stark Risikobehaftet, da ihr Erfolg nicht gesichert ist. In gesättigten Märkten gilt zudem das Gesetz der "diminishing returns". Immer größere Investitionen sind nötig immer kleinere Innovationsvorteile zu erzielen.

    Daher muss in einem gesättigten Markt in der kapitalistischen Logik der Druck allein auf den Arbeitnehmer zunehmen bis das System wieder explodiert. Da man aber Nationen im Kampf um Wettbewerbsvorteile gegeneinander ausspielen kann und auf andere Arbeitsmärkte abwandern kann, sind Konzerne in der Lage die Strategie des Lohndumpings fast unbegrenzt fortzusetzen.

    Erst eine sehr unwahrscheinliche globale Solidarisierung der Arbeiterschaft und das Ende des Wettkampfs der Nationen um Wettbewerbsfähigkeit würde diesem Spiel Grenzen setzen. Daher ist die Strategie des Lohndumpings aus dieser Perspektive betrachtet "Alternativlos".

    Man bemerke, dass Innovation als ein Effekt des Arbeitskampfes betrachtet werden kann. Erst im Konflikt mit dem Kapitalismus um soziale Gerechtigkeit, also "Trotz" Kapitalismus, sorgt der Unternehmer für Innovation. Innovation ist also mitnichten eine Eigenschaft des Kapitalismus, sondern muss ihm abgetrotzt werden.

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  4. Hallo alien observer,

    es freut mich mal wieder von Ihnen zu hoeren.

    Sie haben recht in Bezug auf mein Verstaendnis der Fettaugen. Es gibt zwar Tage, da glaube ich, dass es stetig zunimmt aber von einem befriedigenden Verstaendnis, aus dem man guten Gewissens Loesungsvorschlaege ableiten koennte, sehe ich mich weit entfernt. Und mit der historischen Perspektive ist es so wie bei vielen anderen Dingen auch. Das Bemuehen um ein Verstaendnis der Gesamtzusammenhaenge macht einen zwangslaeufig zum Dilletanten in den Einzeldisziplinen. Man steht vor der Wahl ein Fragment in der Tiefe zu durchdringen oder moeglichst viele Facetten relativ oberflaechlich zu erfassen.
    Und in Bezug auf Wirtschaftsgeschichte habe ich sicherlich nur sehr oberflaechliche Kenntnis von vereinzelten Aspekten. Von daher wage ich nicht zu beurteilen, welche Sklaven haltende demokratisch organisierte Gesellschaft, ob nun die der attischen Demokratien vor 2500 Jahren oder die "modernen" nach 1783 bzw. 1789 oder die feudal organisierten die grausameren waren. Vielmehr denke ich, dass unabhaengig von der Organisationsform/Art der Legitimationsbeschaffung folgender Satz gilt:
    „Im Leben stehen einem anständigen Charakter so und so viele Wege offen, um vorwärts zu kommen. Einem Schurken stehen bei gleicher Intelligenz und Tatkraft auf dem gleichen Platz diese Wege auch alle offen, daneben aber auch noch andere, die ein anständiger Kerl nicht geht. Er hat daher mehr Chancen, vorwärts zu kommen. Infolge dieser negativen charakterlichen Auslese findet eine Anreicherung der höheren Gesellschaftsschichten mit Schurken statt. Das ethische Durchschnittsniveau einer Gesellschaftsschicht wird um so schlechter, je besser und einflussreicher sie gestellt ist. Nur dieser Umstand vermag die Tatsache zu erklären, warum die Welt nicht schon seit mindestens fünftausend Jahren ein Paradies ist. Das muss man wissen, wenn man die Weltgeschichte verstehen will.“
    -
    Wenn man nun Geld = Kapital als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument, man koennte auch Herrschaftsinstrument sagen, begreift, dann begreift man zum einen welche Macht von denen ausgeht, die nicht nur die Lizenz zur Geldschoepfung haben, sondern auch vollkommen unabhaengig entscheiden koennen, wer, wann, wieviel zu welchen Konditionen und fuer welche Zwecke erhaelt. Ob ein Heer und ein Krieg finanziert wird oder der Aufbau einer Konsumgesellschaft ist vollkommen der Willkuer derer ueberlassen, die ueber dieses Instrument verfuegen. Das ganze politische Brimborium dient dabei nur der Verschleierung dieser Tatsache und der Legitimationsbeschaffung. Abhaengig von der Entscheidung Krieg oder "Frieden" werden die Massen in den einen oder anderen Wettbewerb gefuehrt. Um Territorium oder Marktanteile und immer mit dem Versprechen, dass sich nach dem "Endsieg" das Paradies eroeffnet. Fuer die meisten leider immer auf dem Heldenfriedhof oder in (relativer) Armut. Und zwar unabhaengig davon unter welcher ideologischer Flagge die Show aufgezogen wurde.
    -
    Welche (techn.) Innovation sollte daran etwas aendern? Ich kenne keine.
    http://youtu.be/ZTC_RxWN_xo



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  5. Hallo und danke für die Antwort,

    ihre Schurkentheorie hat was für sich. Meiner Ansicht nach ist aber der Kapitalismus dazu in der Lage aus ganz normalen Menschen Schurken zu machen. Ich hab darüber vor einiger Zeit auf meinem Blog geschrieben.

    Noch haben wir keine Lösung aber gerade ib deb vielen Diskussionen unserer Blogosphäre habe ich das Gefühl, dass wir einer Lösung näher kommen.

    Diese Lösung hat Beispielsweise etwas mit dem Geld und dem Geldsystem zu tun und wer darüber entscheidet. Akademisch und in der Bloggerwelt gibt es immer mehr Kritik am Geld an sich. (neuestes Beispiel aus der akademischen Welt: Noam Yuran: "What Money Wants" http://www.sup.org/book.cgi?id=21847 )

    Einer Lösung kommen wir auch näher, wenn die Legitimation des Fettaugensyndroms nicht mehr greift. Immer mehr der Menschen die ich treffe glauben die Legitimationen nicht mehr.

    Sogar die VWL kann ihren eigenen Lügen nicht mehr trauen. Der Widerstand gegen die Irrlehre der Neoklassik steigt, Ökonomen wie Thomas Pickety greifen das Kapital an. Man darf den Einfluss dieser Entwicklung nicht unterschätzen. Ökonomen könnten Teil der Lösung werden und nicht weiter das Problem.

    Kurz gesagt: Kapitalismus ist in der Krise und wird sich nicht mehr erholen. Er ist noch nicht tot, aber offensichtlich stinkt er schon zum Himmel und die Menschen können das riechen.

    Siehe dazu auch Immanuel Wallerstein: "Crisis of Capitalism" http://mrzine.monthlyreview.org/2009/wallerstein121109.html

    Gruß

    Alien Observer

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    1. Hier ergaenzend noch eine, wie ich finde einigermassen ehrliche Betrachtung zur "Schurkenkarriere":
      http://baselinescenario.com/2010/05/04/why-do-harvard-kids-head-to-wall-street/

      Aus Wallersteins Text, vielen dank fuer den Link, moechte ich noch das Prigogine Zitat herausstellen:
      Prigogine calls this way of understanding complex systems the "narrow path between two conceptions that both lead to alienation: a world ruled by deterministic laws, which leaves no place for novelty, and a world ruled by a dice-playing God, where everything is absurd, acausal, and incomprehensible."
      Ilya Prigogine, The End of Certainty, New York: The Free Press, 1996, 187-188.

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    2. Hallo Herr Trappe,

      ja, das ist ein extrem wichtiges Zitat, mit diesem Thema beschäftige ich mich gerade eingehend, und ich habe Herrn Prigognine ein Studium in Physik voraus.

      Prigognine erkennt die Zusammenhänge zwischen Quantenmechanik und freiem Willen nicht. Die Philosophie der Quantenmechanik bedeutet nicht, dass unser Schicksal Resultat eines reinen Zufalls ist. Der Beobachter (Wir) beeinflusst den Zufall. Dieses Prinzip erlaubt uns Quantencomputer, Laser oder Halbleiter zu bauen.

      Gegenwart wird in der Quantenwelt zu Zukunft weil aus den unendliche Möglichkeiten infinitesimaler Unwahrscheinlichkeiten des Universums ein neues „Jetzt“ manifest wird. Nicht der Zufall allein bestimmt dieses neue manifeste "Jetzt" aus den unendlich vielfältigen Möglichkeiten, sondern das "Bewusstsein" des Beobachters. "Bewusstsein" aber ist laut Roger Penrose universal. Eine Eigenschaft des Universums wie Raum und Zeit die wir alle Teilen.

      Nicht nur ist also der Widerstreit heute, der zwischen der mechanistischen und reduktionistischen Weltsicht der Moderne und der Wiederentdeckung des Unbestimmten und des Freien Willens der Postmoderne.

      Der Widerstreit ist auch einer des Selbstverständnisses des Individuums. In der mechanistischen, materialistischen, reduktionistischen Weltsicht, der auch die VWL angehört, ist der einzelne ein kleines Rädchen im Getriebe, abgesondert von allen anderen. Freier Wille ist nur Illusion, denn seine Handlungen sind Folge einer mechanischen Abfolge von vorherbestimmten Ereignissen. (Hier tritt ein ontologischer Widerspruch zur „rational Choice“ Theorie auf. Wenn freier Will nicht existiert wie kann dann der Wirtschaftsteilnehmer frei entscheiden? )

      Die Quantenmechanische Sicht der Dinge beschreibt eine das Ich transzendierende Verbundenheit aller Wesen mit dem Universum. Der Einzelne ist eingebunden in dieses Gewebe von Bewusstsein, dass wir alle Teilen. Schade ich meiner Umwelt und anderen Menschen so schade ich auch mir selbst.

      In dieser Weltsicht, (Ich bin weil wir sind) macht der Kapitalismus keinen Sinn.

      (Siehe dazu das Orch OR Modell von Penrose / Hameroff; http://www.quantumconsciousness.org/ dass dieses Jahr durch die Entdeckung von überlagerten Quantenzuständen in unserem Gehirn eine bedeutende Bestätigung erfahren hat.)

      Gruß
      Alien Observer

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    3. Ich habe oben dem Herrn Prigognine unrecht getan, sorry. Ich hab jetzt den Herrn gegoogelt :).und muss meine Anmassung eingestehen, der Man hat einen Physik Nobelpreis.

      Die Theorien von Hameroff und Penrose sind zwar 20 Jahre alt, aber wurden lange zeit in der wissenschaftlichen Gemeinde Ignoriert. Möglicherweise spielen diese Ansätze bei ihm deshalb keine Rolle.

      Die neuesten Ergebnisse der Experimentalphysik konnten allerdings die Theorie nicht widerlegen und ihre Vorhersagen wurden bestätigt. Meiner Ansicht nach könnte daher Penrose Theorie der "Objective Reduction" sich als eine der wichtigsten Erkenntnisse der Naturwissenschaft herausstellen.

      Die geniale Idee die Geheimnisse der Quantenmechanik, Relativtätstheorie, des Bewusstseins und sogar Zeit in eine Einzige Theorie zu packen ist für mich unglaublich bestechend.

      Die Auswirkungen sind nicht abschätzbar. enige der größten Rätsel erscheinen dadurch Lösbar.

      Mit Penrose Theorie wird die Philosophie die Spaltung in Epistemologie und Ontologie begraben können.
      Physik erhält eine "spirituelle" Komponente.

      Wer das braucht, kann daraus sogar die großen Fragen der Religionen innerhalb einer logisch Konsistenten Argumentation untersuchen.(Was passiert mit dem Bewusstsein wenn wir sterben, gibt es eine dem Universum innewohnende übersinnliche Entität, haben wir etwas wie eine Seele etc.)

      Sicherlich aber müssen da noch einige Widerstände aus den Reihen der "alten" Weltsicht überwunden werden. Die Neurowissenschaft oder die Forschung nach der künstlichen Inteligenz werden damit von ihrem hohen Sockel gestossen.

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    4. In einer anderen Diskussion, da ging es um Klimaveraenderungen, habe ich mal folgendes geschrieben:
      "„Das Klima ist ein nicht-lineares, chaotisches System, das sich nicht vorhersehen lässt. Die prognostizierte Klimakatastrophe ist folglich nicht Wissenschaft, sondern Politik.“

      Ich halte den ersten Satz dieser Aussage fuer wahr. Der zweite Satz waere auch wahr, wenn ihm ein dritter Satz folgen wuerde, der klar stellt, dass aufgrund des ersten Satzes die Annahme, dass keine Klimakatastrophe eintritt, ebenfalls unwissenschaftlich ist und somit auch Politik darstellt.

      Es gibt Menschen, die sich die Frage gestellt haben, wie das kleinste dynamische System aussieht, welches bei kleinsten Parameteraenderungen unvorhersehbar, chaotisch reagiert. Die Antwort die gefunden wurde ist, es genuegen drei gekoppelte Differentialgleichungen mit einer Nichtlinearitaet.

      D.h. aus meiner Sicht: In einer Welt, die vor Abhaengigkeiten und Nichtlinearitaeten nur so strotzt, ist das Unvorhersehbare der Nomalfall. Auch dann, wenn die Naturwissenschaften ein paar erstaunlich berechenbare Ecken gefunden haben.

      Nun gibt es fuer Menschen offenbar verschiedene Arten mit Unvorhersehbarkeit umzugehen.
      Die sog. Optimisten lassen sich drauf ein und werden taetig auch wenn die Konsequenzen in der Summe unvorhersehbar sind.
      Bei den sog. Pessimisten gilt hingegen das Vorsichtsprinzip. D.h. sie lassen die Finger von allem, was aus ihrer Sicht unvorhersehbare Konsequenzen nach sich ziehen kann.
      Und dann gibt es wie immer, die besonders Schlauen, die aus schattigen Hinterzimmern, in denen das konservative Vorsichtsprinzip gilt, andere Menschen dazu animieren sich "optimistisch" zu verhalten und sich dabei die Option offen halten, bei einem eintretenden Erfolg, diesen in Teilen oder gaenzlich fuer sich zu reklamieren. Misserfolge = unerwuenschte Konsequenzen bleiben natuerlich aus diesen Hinterzimmern ausgesperrt.

      Ich wuerde daher der Wahrheit und dem Irrtum noch das, was ich fuer den “Normalfall” halte, an die Seite stellen wollen. Die Ungewissheit.

      Das Prigogine Zitat habe ich heraus gestellt, weil es auch aus meiner Sicht ans Absurde grenzt, wenn man sich auf den Weg macht, die Welt nach seinen (moeglicherweise gut intendierten) Vorstellungen zu formen/ zu veraendern, wenn gleichzeitig klar ist, dass die Faehigkeit zutreffende Vorstellungen von der Welt zu entwickeln bestenfalls auf einen sehr kleinen Teil begrenzt ist. Es ist natuerlich eine ungeheuere Versuchung, nach all den Fortschritten und Moeglichkeiten, die die Naturwissenschaften erschlossen haben, zu glauben man benoetige nur genuegend Zeit und Rechenkraft, um auf diesem Weg aus den Problemen heraus zu kommen. Ich fuerchte aber, das wird und kann nicht gelingen, weil unsere Existenz immer eingebettet sein wird in eine Umwelt, in der die Empfindlichkeit auf kleinste Aenderungen, die ja auch zufaellig ausgeloest werden koennen, Rueckkopplungen und Nichtlinearitaeten und damit Unvorhersehbarkeit einen festen und meiner Meinung nach dominierenden Anteil haben.

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    5. Hallo Herr Trappe,

      die Absurdität von der Sie sprechen tritt nicht dann auf wenn man glaubt etwas verändern zu können. Wir sind handelnde Individuen und jede Handlung verändert etwas. Wir müssen Entscheidungen treffen wie wir Handeln, dem kommen wir nicht aus, da wir freien Willen besitzen. Wie gesagt ist die Entscheidung des einzelnen immer von Bedeutung für das Gesamtsystem, auch wenn wir die Größe der Bedeutung langfristig nicht abschätzen können.

      Was aber Absurd ist, ist die Vortstellung der Kontrolle nicht kontrollierbarer Systeme. Diese Idee der absoluten Kontrolle über die Natur ist das Prinzip der Moderne und entstammt der mechanistischen Weltsicht.

      Dieses Prinzip führte zu den Katastrophen denen wir heute ins Auge sehen. Wenn die Herbizide und Pestizide, mit denen wir Unkraut und Schädlinge in unserer industriellen Landwirtschaft kontrollieren wollen, wegen Rückkopplungseffekten (Resistenzen) nicht mehr funktionieren, setzen wir noch mehr und noch giftigere Chemie ein um die Kontrolle aufrechtzuerhalten.

      Fracking ist ebenso ein Ausdruck dieses Prinzips wie der absurde Glaube an eine wundersame Rettung vor dem Energiecrash durch erneuerbare Energien.

      Trotz der angeblichen unsichtbaren Hand bestimmt der Kontrollwahn auch die Ökonomie. Wenn die Welt in Schulden versinkt versucht man in dem Wahn der Kontrolle noch mehr Kredit zu schaffen um diesem Problem zu begegnen. Man kann diesen Kontrollwahn überall in den Industriegesellschaften antreffen.

      Wir versuchen also Technikfolgen stets in einem Teufelskreis von Folgetechnik und weiteren Technikfolgen in den Griff zu bekommen weil wir nicht in der Lage sind Rückkopllungen zu verstehen.

      Meiner Ansicht nach ist übrigens eine kurzfristige Prognose auch in dynamischen Systemen möglich. Klimamodelle sind möglicherweise Fehlerhaft, aber sie versuchen die Rückkopplungen einzubeziehen.

      So lange die Prognosen der Klimaforschung der Empirie entsprechen und mit ihr verbessert werden spricht nichts gegen einen Erkenntnisgewinn durch dynamische Modelle. Man darf diese nur nicht mit der Realität verwechseln.

      Ziel der Klimaforschung ist nicht einen Ansatzpunkt zu finden an dem mittels einer Kontrolltechnologie das Klima reguliert wird. Die Schlußgolgerung aus der Klimaforschung muss sein, dass sich jeder Einzelne in seinem Verhalten ändern muss, damit das Gesamtsystem nicht aus dem Ruder läuft.

      Nicht egoistisches Handeln, sondern Handeln im Sinne des Gesamtsystems ist eben nötig um Nachhaltigkeit, also Stabilität bei unveränderten materiellen Bedingungen, erreichen zu können.

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    6. Nachtrag:
      Meine Beschreibungen waren oben Unsauber.
      Zwischen der mechanistisch determinierten Sichtweise und der des renen Zufalls quantenmechanischer Phänomene postuliert Penrose die Existenz eines "nicht berechenbaren" Kollaps der Wellenfunktionen:

      Roger Penrose (1989; 1994; 1996) has proposed that isolated quantum systems which avoid environmental decoherence will eventually reduce nonetheless due to an objective threshold ("objective reduction" - OR) related to an intrinsic feature of fundamental spacetime geometry (see below). Unlike the situation following environmental decoherence, outcome states which reduce due to Penrose's objective reduction are selected by a non-computable influence on the deterministic, pre-reduction quantum computation. Non­computability implies a non-algorithmic process which is neither deterministic nor random, a property which Penrose (e.g. 1997) also attributes to conscious thought and understanding. This clue suggests that quantum computation with objective reduction may be somehow involved in consciousness.
      ( http://www.quantumconsciousness.org/penrose-hameroff/quantumcomputation.html )
      z.B.: Penrose, R. (1996) On gravity's role in quantum state reduction. General relativity and gravitation.

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    7. Ich kann leider mangels Wissen nicht in die quantenphysikalische Diskussion einsteigen, nehme Ihre Argumente und Hinweise aber gerne als Anregung auf. Da habe ich dann wohl noch was zu lesen ;-).

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  6. Anonym will ich nicht sein, ich bin der reinahrd Peda von dem auch der obige Teil über den Sättigungsgrad kommt. Dank an Herrn Trappe dafür.

    Lösungen habe ich hier beschrieben, Fraktion , schauen unter Gastbeiträge Reinhard Peda aus Hagen:

    http://www.werler-protestwähler.de/?page_id=2

    Hätte mal die Meinung, auch von alien observer dazu.

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    1. Hallo Herr Peda,

      Die fundamentale Kritik an der VWL ist, dass sie Rückkopplungen in komplexen, dynamischen Systemen in ihren mathematischen Modellen einfach ignoriert, damit sie ihre Behauptung, dass die unsichtbare Hand zu einem Gleichgewicht führt, aufrechterhalten kann.

      Jeder Naturwissenschaftler oder Ingenieur der sich mit Differentialgleichungssystemen auseinandersetzen musste, erkennt, dass die VWL daher auf Micky Maus Modellen beruht.

      Dennis Meadows et. al. Waren 1972 die ersten die Wirtschaft dynamisch simulierten. Das Ergebnis dieser Modellberechnung war auch der Titel ihrer Arbeit: "Limits to growth".

      Nicht nur ist also Wirtschaft im Kapitalismus nicht im Gleichgewicht (verhält sich chaotisch), sie ist auch nicht zu steuern (durch monetäre Eingriffe in die Wirtschaftspolitik) und führt zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Die gesamten Modelle der politischen Ökonomie sind also unbrauchbar. Das zuzugeben hiesse für die VWL sich selbst abschaffen.

      Deshalb habe ich das Probem der Sättigungseffekte auf den einzelnen Unternehmer zurückgeführt. Die Logik des Einzelnen (Lohndumping) hat zahlreiche Rückkopplungen zu Folge, auch die die sie Beschreiben.

      Wenn man sich aber auf die Ebene der VWL Begibt um durch "Steuerung" dieses chaotische System auf einen "neuen Gleichgewichtszustand" zu bringen, muss man scheitern.

      Leider sind dynamische system uns intuitiv unzugänglich. Es gibt aber sogenannte "Leverage Points" (Siehe dazu Donella Meadows, Lebensgefähtin v. Denis Meadows: http://www.donellameadows.org/archives/leverage-points-places-to-intervene-in-a-system/ ).

      Sie beschreibt wie versucht werden kann dynamische System durch Ausnutzung von positiven Rückkopplungsprozessen zu Beeinflussen.

      Gruß

      Alien Observer

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    2. Hallo Herr Peda,

      schoen, dass Sie sich hier als Verfasser der von mir im Artikel zitierten Zeilen vorgestellt haben. Um der Diskussion neben den doch sehr abstrakten Ausfuehrungen etwas mehr konkretes Fleisch zu geben, hier noch ein paar Hinweise, die fuer Sie vielleicht von Interesse sind.

      1.) Die VWL weiss nicht wie Banken funktionieren. Sie geht in Ihren Modellen davon aus, dass Geschaeftsbanken die Ersparnisse der Einen als Kredite an die Anderen ausreichen und die Geldmenge dabei eine von Aussen (durch die Zentralbank) gesteuerte Groesse ist. Diesen Irrglauben vertreten sogar als progressiv geltende Wirtschaftswissenschaftler wie Paul Krugman, wie diese Diskussion zwischen Krugman und Keen (der mit diesem Irrglauben aufraeumt) zeigt.
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/03/krugman-vs-keen.html
      Inzwischen gibt auch die Bank of England Keen mit seiner Sichtweise explizit recht:
      http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx

      2.) Die aktuelle politikberatende VWL in Deutschland ignoriert offensichtlich ganz grundlegende wirtschaftliche Zusammenhaenge wie z.B. Stuetzels volkswirtschaftliche Saldenmechanik:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Saldenmechanik
      Die Einsichten Stuetzels sind sogar in deutschen Gesetzen verankert, die Regierungen zu einer Politik verpflichten, die eine im zeitlichen Mittel ausgeglichene Leistungsbilanz (aussenwirtschaftliches Gleichgewicht) anstrebt.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_zur_F%C3%B6rderung_der_Stabilit%C3%A4t_und_des_Wachstums_der_Wirtschaft
      Trotzdem wird eine Politik betrieben und von fuehrenden VWLern empfohlen, die Exportweltmeisterschaft anstrebt. Absurder geht es eigentlich nicht. Mit verheerenden Konsequenzen. Siehe u.a. die Analyse der Target2 Thematik:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/was-die-entwicklung-der-target2-salden.html
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/08/bundesbank-daten-enthuellen-verursacher.html

      Usw. usf. Ich koennte die Liste der inneren Widersprueche und der machtkonformen "Glanzleistungen" der VWL beliebig lang fortsetzen.
      In meinem Blog finden Sie dazu einiges.

      Der Tenor, die vorherrschenden Theorien von magischen Haenden, selbstregulierende Maerkten und Gleichgewichten sind Stuss und dienen der Verschleierung vollkommen gegenteiliger Sachverhalte und damit der Durchsetzung von machtvollen Interessen.
      D.h. die sog. Wirtschaftswissenschaften sind ein Instrument der Maechtigen.

      Viele Gruesse

      Georg Trappe

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  7. Aus den Argumenten der obigen Posts möchte ich noch eine philosophische Konsequenz ziehen. Ich kann hier auch noch Argumente aus der evolutionären Spieltheorie heranziehen (Axelrod, Robert (1984), The Evolution of Cooperation) oder die Gaia Theorie von James Lovelock.

    Der Zustand komplexer Gesellschaftssysteme ergibt sich aus den infinitesimalen Rückkopplungen der Handlungen aller Menschen (vielmehr Subjekte, also auch nichtmenschlcher Akteure) untereinander und mit der Umwelt. Menschliche Gesellschaft ist wie die Natur ein Gewebe von Wirkungen und Rückkopplungen, bzw von Natur nicht zu Unterscheiden oder zu trennen.

    Die Möglichkeit des Handelns (Agency) ist dabei nicht auf bewusste Individuen Beschränkt, in der Rückopplung wird auch die Umwelt zum Handelnden Subjekt.

    Aus der Konsequenz unseres Handelns, "handelt" die uns Umgebende Umwelt. Der Klimawandel kann verstanden werden als die Gegenreaktion, (das Handeln) der Atmosphäre/"Gaias" auf die Handlungen der Menschen. (Siehe dazu Bruno Latour http://www.bruno-latour.fr/article )

    Wirtschaft ist daher kein abgeschotteter Raum der Unabhängig von sozialen und und physikalischen Gegebenheiten existiert, da jede (auch nicht Tauschbezogene) Handlung jedes Akteures wiederum die Wirtschaft beeinflusst.

    Da sich dynamische Komplexe Systeme chaotisch verhalten, hat jedes infinitesimale Handeln des einzelnen Akteurs potentiell unendlich große Auswirkungen auf das Gesamtsystem, sei es wirtschaftlich, sozial oder ökologisch.

    Für den einzelnen Bedeutet dies eine Verantwortung für das Gesamtsystem in jeder seiner Handlungen. Damit ergibt sich aus der komplexen dynamischen Struktur des Universums und der Existent des Bewusstseins und des freien Wilens eine dem ganzen verpflichtete inherente Moral des Handelns.

    Es ergibt sich aber daraus auch die Gewissheit, das auch die kleinste Handlung im Einklang mit dem Bewusstsein der Verbundenheit das Gesamtsystem immer auch infinitesimal "zum besseren" verändert.

    Was uns die Wissenschaft dieser Phänomene also bestätigt ist was wir eigentlich immer schon wissen: Jede "gute Tat" verändert die Welt zum besseren, egal wie unbedeutend sie im Kontext des Großen und Ganzen erscheint.

    Ausschliesslich den eigenen Vorteil auf Kosten anderer zu verfolgen macht die Welt dafür schlechter. Die Unsichtbare Hand, die aus dem egoistischen Handeln des Einzelnen automatisch das optimum für ale schafft existiert nicht, wenn man die Rückkopplungen im Gesamtsystem betrachtet.

    Die evolutionäre Spieltheorie zeigt, dass auf Dauer nur das Handeln im Einklang (Kooperation) mit allen anderen evolutionär stabil ist. Eine Geselschaft die den Egoismus des Einzelnen als prämisse des Handelns vertritt "stirbt aus", da sie als System jeder auf Kooperation ausgerichteten Geselschaft unterlegen ist.

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  8. @Reinhard Peda

    Wie wir Geld definieren hat Einfluss auf unser Handeln. Viele der Vorschläge die heute im Umlauf sind (Vollgeld, Schwundgeld etc.) sollten auf diesen Aspekt untersucht werden. (so wie der Ihre)

    Ich bin trotz trotz längerer Studien noch zu keinem vollständigen Bild gekommen was Geld eigentlich ist. Geld beinhaltet so viele Übereinkommen und Wirkungen in unserer Gesellschaft wie kein anderes Konstrukt.

    Obwohl die Handlungen der überwiegenden Mehrheit in kapitalistischen Gesellschaften offenbar darauf abzielen Geld zu besitzen, ist der Wunsch nach Geldvermögen als Geldvermögen kein Aspekt den die VWL anerkennt. Geld zu besitzen um Geld zu besitzen ist nicht "Rational".

    Geld benutzt uns ebenso wie wir Geld benutzen. Diese Agency von Geld wird wie so viele Aspekte von der VWL augeblendet. Auch die Tatsache, dass in der Form wie wir Geld definieren der Wunsch nach Besitz von Geld offenbar implementiert ist, wird vollständig Missachtet.

    Geld wird allein in seiner Eigenschaft als Tauschmittel untersucht. Man hat in den Augen der Volkswirtschaft nur deshalb Geld, weil man es gegen Güter eintauschen will.

    Ich habe das Buch "What Money Wants" von Noam Yuran oben angesprochen. Dieses ist eines der ersten Bücher in der Jahrtausendealten Geschichte des Geldes, dass sich mit der Agency des Geldes an sich auseinandersetzt. Dieses Konzept ist also quasi vollständig unerforscht.

    Wichtige Fragen zum Geld:
    Wie könnte ein Geld aussehen, das tatsächlich nur Tauschmittel ist und dessen Besitz keinen Wert hat?

    Wie könnte also Geld definiert werden, so dass Geben und nicht nehmen befördert wird?

    Wie könnte Geld aussehen, dass soziale Beziehungen schafft und nicht zerstört, also das Konzept der Reziprozität beinhaltet?

    Wie könnte ein Geld/Geldsystem aussehen, dass den schonenden Umgang mit unserer Umwelt implementiert, also Wechselwirkungen und Rückkopplungen mit unserem Ökosystem mit einbezieht?

    Ich habe in meinem Blog darüber geschrieben aber sicher noch keine endgültigen Antworten darauf gefunden: http://derblickausderferne.blogspot.de/2014/07/geld-oder-liebe.html

    PS: Man könnte fragen: Alien Observer" was soll der ganze Philosophische Kram, die Menschen haben heute Probleme und wir müssen jetzt was tun.

    Da ist sicher was dran, aber ich gehe davon aus, dass das System nicht durch Reformen zu retten ist. Wir brauchen Alternativen an denen wir unser Handeln Orientieren können.

    Wer im Wald steht braucht einen Kompass um nicht ewig weiter im Kreis zu laufen.

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  9. Vielen Dank für die Diskussion, es hat sich also doch bewährt, diesen Blog trotz Sendepausen täglich anzusteuern. Glückauf!

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    1. Vielen Dank fuer die freundlichen Worte. Es freut mich sehr, wenn der eine oder andere Artikel in meinem Blog trotz der Sendepausen Ihr Interesse gefunden hat.

      Viele Gruesse nach Hagen

      GT

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    2. Hier noch einer, der ganz gut passt und mir gerade in die Haende gefallen ist;
      http://norberthaering.de/index.php/de/newsblog2/27-german/news/136-sinn-zu-berlusconi#1-weiterlesen

      Und hier das Original zur fuenften Gewalt von Breuer aus dem Jahr 2000.
      http://www.zeit.de/2000/18/200018.5._gewalt_.xml
      Den einen oder anderen Satz muss man sich aus heutiger Perspektive immer mal wieder auf der Zunge zergehen lassen;-).

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    3. Hallo Herr Trappe,

      das Dilemma wird deutlich in folgendem Zitat aus dem Zeit Artikel:
      "Eine arbeitsteilige Weltwirtschaft und Wachstum sind ohne moderne Finanzmärkte und die in ihnen agierenden Banken nicht vorstellbar. "

      Das klingt sehr nach diesem Zitat von Frederic Jameson " it is easier to imagine the end of the world than to imagine the end of capitalism".

      Für Jameson war dies eine scherzhafte Bemerkung, aber wenn wir die Diskussion im öffentlichen Raum betrachten, wie den Artikel der Zeit, dann wohnt in dieser Bemerkung eine gruselige Wahrheit.

      Als Kollektiv lebt die Menschheit heute in Angst vor der Zukunft. Nicht mehr die Utopie bestimmt die Populäre Kultur sondern die Dystopie. Unterbewusst nehmen wir die Bedrohung des Kapitalismus wahr.

      Ein anderer Witz. Treffen zwei Fische einen dritten. Der sagt "Hallo Jungs, wie ist das Wasser?" und schwimmt weiter. Darauf der eine Fisch zum anderen "Von was zum Teufel redet der Spinner?".

      Wir handeln wie die Fische in einem austrocknenden Tümpel. Das Wasser schwindet und wir bemerken, dass wir immer enger zusamenrücken müssen und bemerken immer mehr Schmutz der im Wasser schwimmt. Verzweifelt und Erfolglos konzentrieren wir uns alein auf den Schmutz und versuchen ihm Herr zu werden.

      Aber die Evolution hat vorgesorgt. Einzelne steigen für kurze Zeit aus dem Tümpel und entdecken Amphibien eine neue Welt. Sie versuchen den anderen Fischen diese Welt ohne Wasser zu erklären, aber oft scheitert es daran, dass die Fische das Wasser als so selbstverständlich betrachten, dass sie es gar nicht mehr wahrnehmen.

      Die ersten Amphibien werden verlacht, die nächsten Bekämpft. Es gibt aber einen Zeitpunkt an dem die Amphibien plötzlich mit ihren Erkenntnisse alle Fische erreichen und die Kultur hat sich verändert.

      Siehe "the hundreth monkey effekt" :http://en.wikipedia.org/wiki/Hundredth_monkey_effect

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    4. Das der Herr Breuer und seine Kollegen die "Alternativlosigkeit" und Unverzichtbarkeit ihrer Zunft predigen ist ja nichts Neues. Der Aufsatz erscheint mir aber von daher interessant zu sein, da er eine wie ich finde bedeutsame Strukturanalyse aus berufenem Mund bestaetigt.
      http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-a/05-krys-powerstructure.htm
      Oder wie es der Herr von Brauchitsch in einem Interview zur Flickaffaere sinngemaess sagte: "Die Politiker haben uns klar gemacht, dass sie Geld brauchen um zu funktionieren. Wir haben es Ihnen gegeben."
      Ein ehemaliger Analyst der citibank, Ajay Kapur, hat das in Bezug auf Wirtschaft in einer sehr provokanten aber ehrlichen Analyse seinerzeit auch getan:
      http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Kopf-der-Woche-Aktienexperte-Ajay-Kapur-Die-Reichen-werden-fuer-Wachstum-sorgen-34-702368

      Die Citibank will zwar nichts mehr davon wissen, aber die Kollegen von der Credit Suisse belegen Jahr fuer Jahr aufs Neue mit ihrem Global Wealth Report die Fakten, auf denen diese Analyse aufbaut:
      https://publications.credit-suisse.com/tasks/render/file/?fileID=60931FDE-A2D2-F568-B041B58C5EA591A4

      Die Politik ist den Banken und der Wirtschaft untergeordnet und diese dienen wiederum der Machterhaltung des inneren Kerns. Umgeben ist dieser Konstrukt von sog. Wissenshaftlern und Wissensvermittlern, die dem Publikum eine Sicht der Dinge praesentieren, die zum einen ein Funktionieren im gewuenschten Sinne ermoeglichen soll und zum anderen die Zusammenhaenge und Strukturen sowie den Kern der Sache verschleiert. Wie gut das funktioniert bestaetigen Sie mit Ihrer Aussage: "Ich bin trotz trotz längerer Studien noch zu keinem vollständigen Bild gekommen was Geld eigentlich ist. Geld beinhaltet so viele Übereinkommen und Wirkungen in unserer Gesellschaft wie kein anderes Konstrukt." Und ich sage Ihnen, das soll so sein. Denn aus Sicht des Kerns (der Ringburg) geht es, wie Sie auch schon gesagt haben, um Kontrolle. Um die Kontrolle ueber Massengesellschaften, die eine starke Tendenz zum Chaos haben.

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    5. Die Strukturen und Hierachien, die da errichten wurden und werden, haben ihrerseits die Tendenz immer rigider zu werden. Die verfestigen sich und werden kopflastig. Dabei verlieren sie zunehmend die Faehigkeit sich an sich aendernde Umgebungsbedingungen anzupassen und brechen daher letztendlich zusammen. Daraus entsteht soetwas wie ein Lebenszyklus.

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  10. Hallo, hier ist Reinhard Peda aus Hagen

    Über Geld schreib ich noch was. Hier erstmal ein Link, Kommentar genius1, vom 1. April 2014:

    http://blog.postwachstum.de/die-vollgeldreform-ein-wichtiger-schritt-in-die-postwachstumsokonomie-20130317

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    1. Hier noch die versprochenen Zeilen zum Thema Geld:

      Jeder der sich Intensiver mit dem Geldsystem Beschäftigt hat, Weiß um die Schwierigkeit dieses zu erklären!

      Bevor wir loslegen, ein Link zur Geldschöpfung:

      http://www.zeit.de/2010/26/Waehrung-Geld-Herstellung-Wert/komplettansicht

      Ich werde mich kurz Fassen und nur wesentliches Beschreiben, im Zusammenhang mit dem Geldsystem.

      Alles Geld dieser Welt Existiert als Bilanzverlängerung von Banken, und wird in Form eines Kredites, dem Markt zur Verfügung gestellt.

      Gegner des jetzigen Geldsystems bemängeln dabei: Die Banken Schöpfen das Geld aus dem Nichts und vergeben dieses als Schuld (Kredit) wobei der Zins nicht Mit-Erschaffen wird. Der Zins hat eine Exponentielle Wirkung, und zwinkt die Marktteilnehmer zu immer höherer Kreditaufnahme.

      Die BWL-ler sagen, alles nicht so Schlimm, da die Banken den Zins (Gewinn) wieder in den Geldkreislauf einbringen.

      Geld ist absolut notwendig, um eine einfachen Handel zwischen allen Marktteilnehmern zu Ermöglichen.

      Jede Investition eines Unternehmers ist auch ein Kredit, der vom Käufer über den Preis, an den Unternehmer bezahlt wird, sofern das Geschäftsmodell funktioniert! Erfolgt die Investition über eine Kredit, kommt der Zins noch zusätzlich auf den Preis.

      Gelingt es einem Marktteilnehmer im jetzigen Geldsystem, mehr Einnahmen zu generieren als er verbraucht, fehlt dieses Geld an anderer Stelle.

      Zusammenfassung:

      Als Oberbau haben wir ein Geldsystem wo Geld nur als Kredit Existiert. Investitionen sind Kredite, die mit Kreditgeld bezahlt werden. Menschen mit genug Einkommen können gespartes Kreditgeld, als Kredit Vergeben.

      Daher scheitert ein Schuldgeldsystem regelmäßig an dem Umstand, das reiche Marktteilnehmer keine Kredite mehr benötigen, Arme keinen bekommen, und fehlendes Geld im Kreislauf nur über den letzten Solventen Schuldner, den Staat, seinen Weg in den Geldkreislauf findet.

      Staaten nehmen immer höhere Kredite auf - darin ist der Exponentielle Faktor zu finden!

      Passiert das Nicht, geht dem Geldsystem das Geld aus, weil Banken keine Kredite mehr Vergeben. Nur dem Umstand geschuldet, das bei Kreditrückzahlung, das Geld wieder im Nichts verschwindet.

      Schöpft ein Staat, neben den Banken, Geld (Vollgeld ohne Zinsbelastung) aus dem Nichts und stellt es den Marktbeteiligten ohne Zins zur Verfügung, dann ersetzt das Vollgeld, im laufe der Zeit, das Kreditgeld.

      Kredite die dann mit Vollgeld vergeben werden, haben eine Eigenkapitalquote von 100 %! Anders wie beim jetzigen Geldsystem, wo die Kreditsumme über die Eigenkapitalquote Gehebelt wird.

      ....

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    2. .....
      Über die Steuerbare Ausgabe von Vollgeld, hat der Staat die Möglichkeit, die Umverteilung von Arm nach Reich, langfristig zu Verhindern.

      Das Geld der Reichen wandert über Steuern (Erbschaftsteuer) zum Staat, der gibt es bei Bedarf wieder in den Geldkreislauf, von dort wandert Geld wieder nach Reich.

      Der Staat selbst hat sich nur aus Steuereinnahmen zu Finanzieren. Staaten können sich langfristig Entschulden.

      Nicht Deutschland, sondern die Reichen in Deutschland sind die größten Nutznießer.

      Wer sind denn immer die Sieger in einer Globalen Welt.

      Die Armen sind es nicht. Die Staaten sind, obwohl “Exportweltmeister” auch Verschuldet, importierende Staaten noch Mehr!

      Selbst China ist Verschuldet, kann aber mit den Dollarüberschüssen seine Staatsschuld nicht Ablösen!

      http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/ueberschuldete-kommunen-chinas-staedte-in-der-schuldenfalle-11649621.html

      Hier im Blog, der Link im Kommentar 8, beschreibt einige Probleme eines Schuldgeldsystem, und wie man mit einem Vollgeldsystem, die Weltwirtschaft Reparieren könnte könnte!

      Die Umverteilung von Arm nach Reich, muss Volkswirtschaftlich unschädlich gemacht werden! Das geht nur mit einem Vollgeldsystem!

      Den Reichen gehören Banken, Unternehmen usw.! Über Zinsgewinne und Gewinnakkumulation, des weiteren über sichere Spekulationen durch Informationsvorsprung, landet das Geld bei den Reichen! Die Reichen entziehen damit dem Markt Geld (Kaufkraft), welches wieder nur über Kredit seinen Weg zum Markt findet.

      Steuern und Lohnzahlungen reichen als Korrektiv nicht aus. Erst Recht nicht, wenn die Staaten im Wettbewerb, um einen scheinbaren Vorsprung gegenüber anderen Staaten stehen. Daher Internationale Arbeitsteilung!

      Kein Geld – kein Markt! Das jetzige Problem der Importstaaten!

      Sie können sich auch mal diesen Artikel von mir durchlesen. Ist zwar nicht mehr alles Richtig was drin steht, Beschreibt aber auch das Wesentliche!

      http://community.zeit.de/user/genius1/beitrag/2010/07/14/geld-und-handel

      Wir können Natürlich auch nichts tun, und auf die große Depression warten, die Anders als in den 30-igern, die ganze Welt betreffen wird!

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    3. Hallo herr Peda,

      vielen Dank fuer Ihre Zeile zum Thema Geld. In vielen Dingen stimme ich Ihnen zu. Insbesondere der Beobachtung (besonders deutlich in Japan) , dass nur explodierende STaatsverschuldung in den letzten Jahrzehnten die notwendige Reckfuehrung des Geldes von akkumulierenden Reichen hin zu trocken laufenden Armen die Sache aufrecht erhalten konnte. Dabei darf man Arm und Reich durchaus dahingehend generalisieren, dass dies auf allen Ebenen (Volkswirtschaften, Firmen, Individuen) von Wirtschaft zu beobachten ist. Das Problem ist skaleninvariant.
      Eiem Punkt moechte ich aber deutlich widersprechen. Und das ist die Sache mit dem fehlenden Zins, der von den Banken angeblich nicht miterschaffen wird. Sie finden dazu in diesem Blog (Label Geldtheorie) auch den einen oder anderen Satz. Ich will und kann das nicht immer wiederholen. Daher ein Hinweis:
      http://thewisemansfear.wordpress.com/2014/08/13/worin-liegt-der-unterschied-zwischen-zins-und-gewinn/
      Da ist sehr schoen heraus gearbeitet, dass Zins, wie Gewinn auch eine Umverteilungswirkung von Fleissig nach Reich entfalltet und damit Konzentrationsprozesse befoerdert. Der Zins fehlt aber definitiv nicht. Herr Creutz hat die Funtionsweise der Banken leider auch nicht verstanden. Beim Zinstermin findet eine Bilanzverlaengerung (Geldschoepfung) um den Sollzins statt. Bei einer Zinszahlung an die Bank eine entsprechende Bilanzverkuerzung (Geldvernichtung).
      Ich bezweifel auch dass Vollgeld die Konzentrationsprozesse, deren Ursache in in einem ganz fundamentalem Verhalten der wirtschaftlichen Akteure und ihrem zentralen Motiv verwurzelt ist, beeben kann. Das allgemeine Streben nach "Mehr" und die Streuung des Erfolgs bei diesem Streben, bewirken die stetig ansteigende Konzentration dessen, auf das sich dieses Streben bezieht. Das wird bei Vollgeld nicht viel anders sein. Die Hoffnung, dass ein (demokratisch organisierter) Staat diesem Phaenomen aus Einsicht Grenzen setzt schwindet bei mir mit jedem Tag an dem es nicht passiert. Die Indoktrination mit falschen Lehren und die dadurch ausgeloeste Konfusion ist so gross und allumfassend, dass nicht einmal die schlimmsten Kriegserinnerungen und eine aktuelle Rueckkehr zu den Zustaenden des kalten Krieges einen Ansatz von Einsicht bewirken.

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