Donnerstag, 30. Oktober 2014

Man darf gespannt sein

Die US Notenbank stoppt ihr Anleihenkaufprogramm mit der Begruendung, der Arbeitsmarkt habe sich erhohlt. Leider besteht das, was die Katastrophe von 2007/2008 ausgeloest hat, das enorme US Leistungsbilanzdefizit, wenn auch merklich reduziert, weiter fort.


Quelle
Man kann also gespannt sein, was nun geschieht. Vor der Katastrophe 2007 hatte Ben Bernanke die US Leitzinsen auf ueber 5% angehoben und das Wachstum der Zentralbankgeldmenge auf Null eingebremst. Gleichzeitig fuhren die USA ein unvorstellbares Leistungsbilanzdefizit von 80 Mrd US$ pro Monat. Durch die Zinserhoehung geriet der damalige US Exportschlager der Marke triple A rated Hpothekenschrott in Schwierigkeiten und es kam schlagartig zu einem Nettoabfluss von Zentralbankgeld aus dem US Bankensystem. Bei gleichzeitigem Nullwachstum der Zentralbankgeldmenge, war es eine Frage von Wochen, wann US Banken trocken laufen mussten. Den Rest der Geschichte kennen wir. Die FED sah sich seitdem genoetigt die Zentralbankgeldmenge in ungeahnte Hoehen zu katapultieren und bis heute auf den fuenfachen Stand des Vorkrisennieaus zu erhoehen. U.a. um so die Zahlungsfaehigkeit der USA gegenueber grossen Lieferanten und Anleihenhaltern zu erhalten.



Ob dadurch inzwischen das "Vertrauen" der Welt in den einstigen US Exportschlager der Marke triple A rated US Anleihen wieder soweit gewachsen ist, dass die Finanzierung des immer noch sehr hohen Leistungsbilanzdefizits durch Anleihekaeufe des Auslands sichergestellt und damit eine Wiederholung des Debakels ausgeschlossen ist, bleibt abzuwarten.

Die Entwicklung des Saldo Wertpapierinvestitionen, also der Käufe von Ausländern in den USA und von US-Bürgern (jeweils privat, wie offizielle Institutionen) im Ausland von Januar 1980 bis Juli 2014 als 12 Monate rollend im Chart. Als beim letzten Mal die Nettokapitalzuflüsse versiegten war Krise (Wirtschafts- und Finanzkrise).Bildunterschrift hinzufügen

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Immerhin bedarf es dazu des Vertrauens und den guten Willen derjenigen, die schon gigantische Bestaende an US Anleihen aufgebaut haben. D.h. eine Wiederholung des Krisenszenarios kann nur vermieden werden, wenn diese Parteien, vor allem China, Japan und die erdoelexportierenden Laender, bereit sind nicht nur die bestehenden Bestaende nicht zu reduzieren, sondern diese sogar weiter aufzubauen.

Die größten US-Staatsanleihenhalter, gemäß den Daten für Juli 2014 des US-Finanzministeriums und die Juli-Daten der US-Staatsanleihen, welche die FED hält. China liegt mit 1264,9 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen deutlich hinter der FED, die mittlerweile 2420,5 Mrd. Dollar an Staatsanleihen als Aktiva in der Bilanz hält und damit der größte Gläubiger von US-Staatsschulden in der Welt ist.

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Nach den gemachten Erfahrungen eine gewagte Spekulation von Seiten der USA. Denn inzwischen duerfte den meisten Beteiligten klar geworden sein, wie sinnlos der Aufbau von derart gigantischen Bestaenden an monetaeren Forderungen gegenueber einer Volkswirtschaft, die aktiv Deindustrialisierung betreibt, ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 20. Oktober 2014

Yellen concerned!

Immerhin, sieben Jahre nach dem Ausbruch der schwersten Wirtschaftskrise seit der grossen Depression in den 30ern des vorigen Jahrhunderts bemerkt die FED Chefin Yellen einen seit Dekaden anhaltenden Trend, der ursaechlich fuer die Entstehung und die offensichtlich gewordene Unueberwindbarkeit der Krise sein koennte.

"Income inequality in the United States is near its highest levels of the past 100 years, Fed Chair Janet Yellen said on Friday."

 
Leider fehlt (noch?) jede Analyse und damit ernstzunehmende Loesungsansaetze. Aber vielleicht bin ich da zu ungeduldig. Wie dem auch sei. Ich denke die FED Chefin ist auf der richtigen Spur. Und sollte sie oder einer ihrer Mitarbeiter die Arbeit von Fargione et al. lesen und nachvollziehen, dann sollte sie auch begreifen, dass die Ursache fuer die Krise und die anhaltende Instabilitaet in Konzentrationsprozessen liegt, die auf allen Ebenen der Wirtschaft (Volkswirtschaften, Unternehmen, Individuen) ablaufen und durch ein tief verwurzeltes Verhalten der wirtschaftlichen Akteure ausgeloest wird. Es ist das allgemeine Streben nach "Mehr" in Verbindung mit dem "Erfolgsrezept" des kontinuierlichen Reinvestierens von Ueberschuessen bei gleichzeitig individuell und zeitlich stark streuenden Returns. Denn es ist dieses Verhalten, das nicht nur ungeahnten Wohlstand entstehen laesst, sondern auch zu einer immer rechtsschieferen Verteilung dieses Wohlstands fuehrt.
Es ist der durch dieses Verhalten entstehende stochastisch multiplikative Prozess, der bei staendiger Wiederholung des "Erfolgsrezepts" die ueber Zeit zunehmend ungleiche Verteilung der dabei akkumulierten Bestaende bewirkt.
Waehrend Frau Yellen den Braten erst wittert, ist eine andere maechtige Frau offenbar schon deutlich weiter und zieht entschiedene Konsequenzen. Meg Whitman spaltet den IT-Riesen Hewlett Packard auf. Gut so und weiter so, kann ich da nur sagen und nur hoffen, dass eine derartige Aufloesung von Fettaugen Schule macht und zum Trend wird.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 18. Oktober 2014

Saettigungseffekte?

Angeregt durch die folgenden Zeilen eines Lesers dieses Blogs
"Nach dem Ende des verheerenden zweiten Weltkriegs funktionierte das alleinige Geldschöpfungsmonopol der Banken. Investitionen erfolgten vorwiegend über Kreditvergabe der Banken. Hinzu kam, das Gewinne aus
den Investitionen problemlos in weitere Projekte gesteckt werden konnte. Durch Investitionen steigt seitens der Unternehmer auch die Nachfrage nach Arbeitszeitanbietern. Arbeitslosigkeit sinkt, Massenkaufkraft steigt,
was dann wiederum ein positives Umfeld für weitere Investitionen schafft. Praktisch ein sich selbstverstärkendes Wirtschaftswachstum aus dem Zusammenspiel von Kreditvergabe, Investitionen und Zunahme
der Massenkaufkraft.
Nun erreicht jedes Produkt, unabhängig davon ob es auch exportiert wird, am Markt seinen Sättigungsgrad! Nun brauchen die Unternehmer nur noch soviel Arbeitszeitanbieter, um die Produktion nahe dem Sättigkeitsgrad des Produktes aufrecht zu erhalten. Kommt es dann zu Proktivitätsteigerungen für dieses
Produkt, wird der Unternehmer, Arbeitszeitanbieter entlassen. Dann sinkt langsam aber sicher auch die Massenkaufkraft der Arbeitszeitanbieter, der Sättingungsgrad von Produkten wird schneller erreicht. Das
selbst verstärkende Wirtschaftswachstum wandelt sich immer schneller werdend, ins Gegenteil um. Um das Nachfragepotenzial von Arbeitzeitanbietern und Rentnern aufrecht zu erhalten, bleibt einem Staat nichts anderes übrig, als neben den Banken in die Geldschöpfung mit einzusteigen."

hier einige Gedanken von mir zum Thema "Saettigungseffekte":


Ich denke, die oben beschriebenen Zusammenhaenge sind weitestgehend zutreffend. Allerdings sehe ich den Uebergang von einer Aufbauphase in eine Phase, in der Saettigungseffekte beginnen eine Rolle zu spielen, fuer die BRD eher in den 70er Jahren. Dies ist aus meiner Sicht interessanterweise auch der Zeitpunkt eines markanten politischen Richtungswechsels. Ich kann mich noch gut an damalige Diskussionen ueber quantitaves und qualitatives Wachstum erinnern, sowie an Zeiten in denen das erreichen der Marke von 1 Mio. Arbeitslosen einen Skandal darstellte. Heute feiert man Zahlen knapp unter 3 Mio., die auch nur mit allen erdenklichen Tricks erreicht werden, als Erfolg. Gleichzeitig wird meiner Meinung nach aber seit ueber drei Jahrzehnten etwas uebersehen, das in seiner Wirkung weit ueber die von Ihnen thematisierten Saettigungseffekte hinaus geht. Und das sind die stetig voranschreitenden Konzentrationsprozesse, die die wirtschaftliche Entwicklung begleiten. Diese Konzentrationsprozesse sind meiner Meinung nach im wesentlichen fuer die verheerenden Zustaende, die wir in nahezu allen westlichen Volkswirtschaften erstaunlicherweise fast zeitgleich beobachten, verantwortlich. Das Paradox, was meiner Meinung nach durch Saettigungseffekte alleine ersteinmal nicht zu erklaeren ist, ist ja, das Millionen Arbeitslose erstens nicht satt sind, zweitens nicht nur ein ungenutztes Arbeitskraftpotential darstellen, sondern drittens auch ein ungenutztes Nachfragepotential bilden. Warum also finden sich keine Unternehmer, die bei historisch niedrigsten Zinsen diese ungenutzten Potentiale dahingehend einsetzen, dass sie Unternehmen aufbauen, in denen diese arbeitslosen Menschen das erarbeiten, was sie zu einer auskoemmlichen Teilhabe am Wirtschaftsleben benoetigen? Es sei denn, man unterstellt, dass die enorme, stetig zunehmende Vermoegens- und Machtkonzentration auf Seiten der Unternehmer diese derart saturiert, dass sie es vorziehen diese Potentiale ungenutzt zu lassen. Das waere nicht nur dekadent sondern vor dem Hintergrund historischer Erfahrungen auch politisch unklug, wenn man nicht an die Moeglichkeit der Restauration feudaler Herrschaftsverhaeltnisse glaubt.

Sapere Aude!

Sonntag, 12. Oktober 2014

Fortschritt?

Nach sieben Jahren Dauerkrise sieht Fortchritt in zentralen wirtschaftlichen Fragen so aus:

Wachstum

Schaeuble pocht auf Sparen

Musterschuldner

Waehrungskrieg

Daempfer nach Jahren der Hochkonjunktur

Bankenkollaps

Fettaugensyndrom

Deflation und Niedergang 

Und all das ist nach wie vor Ausdruck einer alternativlosen Wirtschaftsweise, die selbstregulierend auf ein pareto optimales Gleichgewicht zustrebt!
Ein Hoch auf die sog. Wirtschaftswissenschaften!

Sapere Aude!

Georg Trappe