Sonntag, 5. April 2015

Sparen = Nichtinvestieren

Eine der fatalsten Verdrehungen der sog. Wirtschaftswissenschaften lautet I=S. Dies in Verbindung mit der Tatsache, dass die sog. Wirtschaftswissenschaften die Funktionsweise von Banken (angeblich?) nicht verstanden haben und falsch abbilden, indem sie behaupten Banken würden Ersparnisse von Sparern an Kreditnehmer weiter reichen, hat verheerende Folgen für die Wirtschaft. Ich werde Ihnen im folgenden aufzeigen warum.

Quelle
Banken kreieren im Zuge der Kreditvergabe Geld. Dieses Geld, einmal kreiert und in "Umlauf" (das Märchen vom "Geldkreislauf" ist ein weiteres Element in dem fatal falschen Bild der sog. Wirtschaftswissenschaften) gebracht, kann von seinem Eigentümer nach Belieben genutzt werden. Es kann in realwirtschaftliche Transaktionen fließen, es kann in Finanztransaktionen fließen, es kann auf einem Konto ruhen (was es die meiste Zeit tut) und dort per Zins einen Einkommensstrom generieren oder es kann zur Schuldentilgung = Geldvernichtung genutzt werden, wenn es denn in die Hände eines Schuldners gerät.
Nur die realwirtschaftlichen Transaktionen, dort vor allem die Lohnzahlungen an Arbeiter, die reale Werte/Leistungen erschaffen oder erhalten, haben das Potential Wertschöpfung / Mehrwertgenerierung zu bewirken. Alle anderen genannten Nutzungsmoeglichkeiten bewirken letztendlich nur die Umverteilung von Eigentum an bereits erarbeitetem/existierendem Realkapital oder per Buchungsvorgang kreiertem Finanzkapital.

Nun gibt es für die Wirtschaftsteilnehmer verschieden Möglichkeiten Einkommen zu generieren.

1.) Arbeit gegen Lohn
2.) Bereitstellung von staatlichen Leistungen gegen Steuern
3.) Bereitstellung von im Eigentum befindlichen Realkapital zur Nutzung gegen Rendite
4.) Spekulatives Handeln mit Real- und Finanzkapital gegen Spekulationsgewinne (überwiegend Bewertungsaenderungen in Nullsummenspielen)
5.) Entziehung von Finanzkapital = Sparen gegen Zinsen

Genutzt werden kann dieses Einkommen für
1.) Konsum von Waren und Leistungen (inkl. staatlicher Leistungen)
2.) Erwerb und Erhalt von Realkapital
3.) Erwerb von Finanzkapital

Die von den Banken (und Versicherungen) beworbene und mit Zinsen belohnte Möglichkeit Geld, nachdem es von den Banken im Zuge der Kreditvergabe erschaffen wurde, zu sparen, also der Realwirtschaft (möglichst lange über Festgeldkonten / Sparbriefe, Sparvertraege, Lebensversicherungen etc.) zu entziehen,  kreiert bzw. verstärkt ein realwirtschaftliches Problem der Unternachfrage, das nur durch eine ständige Ausweitung der Kreditvergabe = Bankbilanzen, natürlich durch die Banken, die ja an der Zinsdifferenz (bezogen auf das Bilanzvolumen) verdienen, "gelöst" werden kann. Da diese "Lösung" eine sich selbstverstaerkende Rückkopplung schließt, führt sie zu einer ständig steigenden Geldmenge (auf Konten, die nicht an realwirtschaftlichen Transaktionen teilnimmt). Wird diese Rückkopplung unterbrochen, weil die Banken keine Kredite mehr vergeben, entsteht über die Unternachfrage in der Realwirtschaft eine negative Rückkopplung und ein deflationärer Zusammenbruch. Das Ganze ist nicht neu, sondern seit der Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts unter dem Begriff Sparparadoxon bekannt.
Die Versuche der Notenbanken durch Zinssenkung auf Null dem entgegenzuwirken, scheitern am weit voran geschrittenen Fettaugensyndrom. Denn das Finanzkapital ist wie das Realkapital hoch konzentriert. Da die Möglichkeit mit Eigentum an Finanzkapital per Zinsen Einkommen zu generieren eingeschränkt ist, wird nun verstärkt Option 4 gewählt, was zwar die Preise für Realvermoegenswerte in die Höhe treibt, aber das Problem der Unternachfrage nicht löst. Vielmehr wird sich die Konzentration der Vermögenswerte per Fettaugensyndrom beschleunigen, da die Streuung der erzielbaren Renditen  bei diesen Nullsummenspielen maximal ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Hier noch zwei Beispiele von Maerchenonkeln und Maerchentanten, die dies nicht verstanden haben und mit ihren Vorstellungen nur der Finanzoligarchie in die Haende arbeiten.

Quelle
"Zum aggregierten Leistungsbilanzüberschuss beträgt das Gap jetzt sogar 815,673 Mrd. Euro! Ein Tributsystem auf “freiwilliger” Basis, perfekt installiert, Deutschland produziert, liefert und finanziert, via Finanzmärkte wird die zu Grunde liegende Genese vertuscht, ein stetiges liefern ohne Gegenleistung.
Zwingend können ja auch den chronischen, exzessiven deutschen Leistungsbilanzüberschüssen, respektive den Nettokapitalexporte gar nicht so viele werthaltige Assets der Schuldnerländer gegenüber stehen, denn zwingende Logik deren chronischen Defiziten ist ja, dass man nicht in der Lage ist, realwirtschaftliche Gegenwerte zu leisten, sondern den deutschen Anspruch darauf parkt, in Finanzanlagen, Krediten, Wertpapieren und Unternehmensbeteiligungen. Allerspätestens in offenen Finanzkrisen erweisen sich diese Ansprüche in Teilen als uneinbringbar und schon vorher dokumentieren sich auch Verluste."

Es gibt natuerlich auch Volkswirtschaften, die die komplementaere Position zu dieser verheerenden Entwicklung darstellen. Da sind beispielhaft die USA und das UK zu nennen.
Dort leisten die Finanzoligarchen der Wall Street bzw. der City of London ganze Arbeit.



Quelle

Quelle

Dabei ist die Darstellung fuer die USA nicht ganz konsistent und muesste wie der Graph fuer das UK Richtung Sueden abgetragen werden. Bemerkenswert in beiden Faellen ist, dass die Nettoauslandsschulden deutlich geringer sind als das kumulierte Leistungsbilanzdefizit.
Soetwas ist nur moeglich, wenn Laender mit eineem kumulierten Leistungsbilanzsurplus
wie Deutschland Verluste auf ihre Kapitalexporte realisieren muessen.
Man sollte sich also sehr sorgfaelltig ueberlegen, ob man seine private Altersvorsorge denen ueberlaesst, die ganz offensichtlich nur horrende Kosten auf ihre Kunden abwaelzen, aber gegen die Kollegen in den USA und im UK auffallend schlechte Karten haben.
Siehe auch hier.
Und hier.
Und hier. ;-)

Kommentare:

  1. Richtig erkannt, und das Sparen als "Problem" benannt. Das Problem lässt sich aber ganz einfach lösen, wenn der Staat durch seine "Verschuldung" (eigentlich Geldemission) das Sparbedürfnis der Bevölkerung kompensiert. Das ist eine Kernaussage der MMT (Modern Money Theory) :

    http://neweconomicperspectives.org/modern-monetary-theory-primer.html

    In Kurzform:

    http://www.moslereconomics.com/wp-content/powerpoints/7DIF.pdf

    Grüße, SB



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  2. Vielen Dank fuer den Hinweis auf MMT. Ich zitiere mal den ersten Satz aus der Einfuehrung der Schrift von Mosler:
    "This book’s purpose is to promote the restoration of American prosperity."
    Wenn ein bis an Zaehne bewaffneter Staat ueber die Weltleitwaehrung verfuegt und diese ueber sein Bankensystem mehr als reichlich emittiert, waehrend er die anderen Staaten einem "Washington Consensus" unterwirft, dann funktioniert das ganz praechtig im Sinne von "American prosperity". Es ist ja viel bequemer die Eliten fremder Voelker ihre Bevoelkerungen ausbeuten und den Tribut liefern zu lassen, als dies in vergleichbarer Haerte seiner eigenen Bevoelkerung anzutun.
    Da kreiert man dann doch lieber eine Binnenwirtschaft, die zu 90% aus Bullshit Jobs besteht und festigt seine Macht so nicht nur ueber eine tiefe (innere) Abhaengigkeit vom hochkonzentrierten Realkapital sondern dehnt diese Macht via Finanzkapital auch noch auf die ganze Welt aus.
    Schwierig wird es allerdings wenn chinesische Kaderkapitalisten diesen Trick durchschauen und die Frechheit besitzen ihn an der Stelle anzugreifen, wo seine Staerke zur Schwaeche wird. Dann nuetzt weder die endlose Emissionsfaehigkeit in Weltleitwaehrung noch das Quasimonopol der Ratingagenturen.

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    1. Das Argument der MMTler: Niemand ist gezwungen Dollars zu akzeptieren und zu halten (leider werden alle Rohstoffe so bepreist). Ergebnis: Die Welt wendet sich ab von überemmitierten Greenbacks, schafft Ersatzwährungen (im Kommen) und bepreist Commodities in nationalen Währungen. Die VSA sind draußen, vor allem die betrügerischen Wallstreet-Banken. Daher das Säbelrassseln allerorten. Time will tell, SB.

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    2. Hallo SB,
      tja das ist ein tolles Argument. Deswegen werden ja Staaten , die nicht linientreu sind, damit sanktioniert, dass man ihnen den Zugang zur Weltleitwaehrung und den darauf basierenden Zahlungsverkehssystemen erschwert bis entzieht. Im Innern eines Waehrungsraums hat natuerlich jeder von uns die Freiheit Geld als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Man sollte, wenn man es nicht akzeptieren will, aber sein Leistungsangebot nicht mit einem Preis auszeichnen, denn dann entsteht die Pflicht gesetzliches Zahlungsmittel zu akzeptieren. Und wenn man ein Leistungsangebot macht, ohne es mit einem Preis auszuzeichnen, bewegt man sich auch schon auf sehr duennem Eis (Preisauszeichnungpflicht). Gleichzeitig bedarf es ein Mindestmass an Liquitaet,um an diesem "Spiel" teilnehmen zu koennen. Die kann man sich aber nur als Kredit "leihen" oder "solide ersparen". Also das mit der Freiwilligkeit ist so eine Sache, die die MMTler als das entlarven was sie sind. Vorboten des groessten Schuldner auf Erden, der nicht willens und faehig ist, seine reichlich emittierten IOUs mit einer realen Gegenleistung zu bedienen. So sind auch die Auftritte von Michael Hudson im Feuilleton der FAZ zu Schirrmachers Zeiten, meiner Meinung nach zu sehen. Die Bevoelkerung wird mit einer Salamitaktik auf das Unausweichliche vorbereitet. Die zugrundeliegende Systematik ist ein Betrug im grossen Stil und funktioniert Dank Saldenmechanik nicht dauerhaft. Jeder der denken kann, erkennt das frueher oder spaeter. Dank einer sog. Wirtschaftswissenschaft, die sich offensichtlich verpflicht fuehlt, diesen ansich simplen Sachverhalt durch irrwitzige Verdrehungen zu kaschieren und Mainstreammedien, die diese Verdrehungen sehr effizient an den Mann bringen, entsteht diese Erkenntis fuer die meisten wenn ueberhaupt leider erst dann wenn es zu spaet ist. Die Profiteure dieses Betrugs koennen sich mit dem durch sie geschoepften Geld eben alles kaufen. Nicht nur die Werte die durch Arbeit entstehen, sondern auch die sog. Wissenschaften und Medien, die zum Schutz dieses Schurkenstuecks notwendig sind.

      Viele Gruesse

      GT

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    3. Hallo GT,

      nein, MMT halte ich nicht für Humbug. Das Problem (Triffin Dilemma) ist, dass die souveräne Währung eines Landes (VSA) zugleich Weltreservewährung sein soll (das war der Trick in Bretton-Woods). Es müsste also so sein, dass alle Länder souveräne Währungen ausgeben können, und mit einer Währung bezahlen müssen, die sie selbst nicht herstellen können. Das können Währungen anderer Länder sein, eine Kunstwährung (Bancor, SZR) oder - dann in Abhängigkeit von Edelmetallhaltern - "natürliche" Geldersatzmittel, die keinen anderen Nutzen haben, als den Stoff zu liefern, aus dem das Geld besteht.

      Grüße zurück, SB

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    4. Hallo SB,

      ich habe nicht gesagt, dass ich MMT fuer Humbug halte. MMT macht sich sehr verdient mit dem Ausraeumen von Maerchen und Mythen, was den Status Quo und die Funktionsweise des bestehenden Systems angeht. Der analytische Part von MMT ist vollkommen in Ordnung, nur wenn es in Richtung Loesunsfindung und "Freiwilligkeit" geht, dann geht es eben um "American Propserity" und nicht um eine faire Loesung. Die kann es meiner Meinung nach auch garnicht geben, denn Geld ist seit jeher das ideale Fuehrungs- und Lenkungsinstrument. Damit laesst sich die Welt nach den eigenen Vorstellungen gestalten, weil es die Massen in eine tiefe Abhaengigkeit bringt und diese dadurch lenkbar werden. Denn Geld wird wie die Luft zum Atmen gebraucht. Und derjenige, der die Luft zuteilt, hat die Macht zu sagen, wem, wofuer und zu welchen Konditionen er diese Luft zuteilt. Damit war es einem Herrn Schacht und einer Gruppe Grossindustrieller moeglich die Arbeitskraft der Massen in die Kriegsvorbereitungen zu lenken, die zum WWII gefuehrt haben. Nachdem alles in Truemmern lag wurde aufgrund der gleichen Macht ein "Wirtschaftswunder" moeglich, weil man es zur Abwechslung mal mit einer Konsumgesellschaft nach amerikanischem Vorbild probieren wollte. Und dieses Fuehrungs- und Lenkungsinstrument werden diejenigen, die sich zum Fuehren und Lenken berufen fuehlen, nicht freiwillig aus der Hand legen. Denn sie muessen nicht ganz unberechtigt befuerchten, dass es sofort von einem Widersacher aufgegriffen und gegen sie verwendet wird. Das ist Wettbewerb, man koennte auch sagen Klassenkampf auf dem Niveau von Volkswirtschaften. Keinem ist das klarer als den Amerikanern, genauer gesagt der amerikanischen Fuehrungsmannschaft.
      -
      Die Idee es mal ueber eine uebergeordnete Waehrung, wie den Bancor zu versuchen, halte ich fuer einen Versuch wert. Ob die Hoffnung auf eine dadurch bewirkte Selbstregulierung sich erfuellt, bliebe abzuwarten. Ich denke aber ohne eine Einsicht in die Notwendigkeit aktiv ausgewogenen Handelsbilanzen herbeizufuehren, wird es auch mit einem Bancor o.ae. nicht funktionieren.

      Viele Gruesse
      GT

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  3. Es gibt im Go ein Sprichwort: show power, don't use it.
    So ähnlich sollte das ja auch mit dem Säbelrasseln funktionieren; der Gegner, der genau das ist und eben nicht einer der vielen sogenannten Partner (Handels- oder sonstige) auf der Welt, kuscht angesichts der rasselnden Säbel.
    Wie wir aber seit Dutzenden von Jahren sehen, ist es beim Rasseln nicht geblieben; wer sein Öl auch in anderer Währung als $ bezahlen lässt, hat schon sein eigenes Grab geschaufelt und sich daneben aufgestellt, muss auch auf die Erschießung nicht lange warten. Uncle Sam hat die Knarre nicht nur im Anschlag, er drückt auch ab, und lieber mehrfach, als auch nur einmal daneben zu schießen. Kollateralschäden (schöner Begriff) sind ja nicht weiter schlimm, solange sie nicht in God's own country passieren.
    "Schuldentilgung = Geldvernichtung". Der Gedanke, oder besser gesagt, diese schlichte Wahrheit, sollte gehörig ausgewalzt werden, bedeutet es doch, dass (könnte man die Thematik auch diesseits des Fettaugensyndroms und von diesem losgelöst betrachten, der arme und der wenig-Besitzer das Geld der Reichen vernichten könnte, indem er nur seine Schulden tilgt. Ich habe so eine Ahnung, wer daran natürlich überhaupt nicht interessiert ist.
    Ich überreiche einen weiteren Blumenstrauß für diesen Artikel.
    Beste Grüße
    T.

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  4. Hallo Tom,

    Danke! Es gibt eine Stelle, an der jeder legal und vollkommen gewaltfrei dieses System zum Einsturz bringen koennte, wenn er sich mit einer genuegend grossen Zahl Gleichgesinnter koordinieren wuerde. Wenn nur x% der Sichtforderungen gleichzeitig von den Konten in Form von Bargeld abgehoben werden, dann laufen die Banken reihenweise ruckzuck trocken und das wars dann. Die Tatsache, dass diese Moeglichkeit nicht genutzt wird, bzw. wenn es sich abzeichnet, dass sie genutzt wird, alleine durch Statements wie seinerzeit von Merkbrueck getaetigt, unterbunden werden kann, zeigt ueberdeutlich wie gross die Angst vor einem Systemzusammenbruch ist. Damit haben die Systembetreiber dann allerdings auch freie Hand.
    Das gilt auch auf der Ebene der Volkswirtschaften. Denn das was oben im Artikel mit den wunderbaren Charts von Querschuesse aufgezeigt ist, ist ja eine Entwicklung, die seit Jahrzehnten anhaelt, bekannt ist und toleriert wird. Aus der Geschichte ist sogar bekannt, wohin das letztendlich fuehrt. Trotzdem wird es betrieben. Und damit ist dann der Geisteszustand der Betreiber aber auch der Beteiligten die das unwidersprochen mit sich machen lassen, umfassend beschrieben.

    Viele Gruesse
    Georg

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  5. Hallo GT,

    ich sehe Du bist bei Deinen Überlegungen (fast) zu den gleichen Ergebnissen gekommen wie ich (oder umgekehrt). Zwei Hinweise habe ich noch:
    Was Tom anspricht, "Schuldentilgung = Geldvernichtung" bedeutet, dass es bei vollständiger (teilweiser) Rückführung aller privaten und öffentlichen Kredite kein Geld mehr gäbe (oder viel weniger, was Deflation heißt). Im Unterschied dazu ist irgendein schuldenfrei emmitiertes Geld (z.B. commodity-money) nicht aus der Welt geschafft, auch wenn es irgendwo verschwunden (gehortet) ist.
    Dass das Abheben von Bargeld das System zu Fall brächte glaube ich nicht mehr. Voraussetzung wäre, dass die Forderung der Privaten gegen Banken erstmal täglich fällig sind. Wenn das der Fall sein sollte, haben zuletzt alle führenden ZBs (außer Buba) z.B. in Aktionen wie QE beliebige Mengen von Zentralbankgeld bereitgestellt gegen die Verpfändung von Bankenassets. Sie werden auch jede geforderte Menge von Bargeld drucken, um einen Run zu unterbinden.
    Die Lösung kann im jetzigen System daher nur lauten, ständig revolvierende Kredite, die dem Nominalwert nach möglichst steigen. Wenn die Privaten ausfallen, sollte der Staat als Kreditnehmer der letzten Instanz einspringen, damit das nominale Schuldenniveau mindestens gehalten wird.

    Viele Grüße, SB

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    1. Hallo SB,
      ja, das Bankensystem hat gelernt und es ist vielleicht wirklich inzwischen eine ueberholte Hoffnung, die Masse koennte durch einen Bank Run den Stecker ziehen.
      Und es ist auch richtig, dass eine Schuldentilgung Geld vernichtet und so Deflation ausloest. Denn das Geld wird erstmal da fehlen, wo es eh schon knapp ist. Und dort wo es hochkonzentriert auf Konten ruht, wird man noch mehr als zuvor auf sinkende Preise spekulieren und es eben nicht raus ruecken. Im bestehenden System ist die einzige "Loesung" die , die Du beschreibst. Der Staat ist/war? der einzige der noch die Macht hat/hatte? der Umverteilung von Fleissig nach Reich etwas entgegen zu setzen. Durch Steuern auf hoch konzentriertes Vermoegen und progressive Einkommenssteuern. Leider wurde diese korrektive Macht Zug um Zug untergraben. Die Besteuerung von Kapitaleinkuenften wurde beguenstigt, die Vermoegensbesteuerung abgeschafft usw.usf.. Was blieb ist / war die Finanzierung von Sozial- / Umverteilungsetats per Verschuldung. Aber selbst dagegen wird ja von denen, die offenbar die totale Unterwerfung und Versklavung der Massen anstreben, Sturm gelaufen. Gleichzeitig sind unendliche Mrd. Betraege zur Rettung der Systemrelevanten in Null, Komma Nichts durch den Staat bereitgestellt worden, was auch sehr schoen verdeutlicht, worum es geht und was da auf uns zukommt. Wer mal in Laender gereist ist, wo diese Entwicklung / Zuspitzung schon weiter fortgeschritten ist und dabei den Mut hatte, hinter die Hochglanzfassaden zu schauen, wird das noch deutlicher sehen koennen.

      Viele Gruesse
      Georg

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    2. Und so sieht der taegliche, faktenferne Bullshit der deutschen Fuehrungsmannschaft aus, mit der das vollkommen schiefe Geschaeftsmodell dann durchgesetzt wird:

      http://www.heise.de/newsticker/meldung/Industriepraesident-Grillo-wirft-TTIP-Gegnern-gefaehrliche-Ignoranz-vor-2596871.html

      "BDI-Präsident Ulrich Grillo wirft den Gegnern des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP gefährliche Ignoranz gegenüber der wirtschaftlichen Realität vor. "Viele Menschen hierzulande haben die Grundlagen unseres Wohlstandes vergessen", sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie im dpa-Interview. In Deutschland hänge jeder vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export ab, da sei es geradezu schizophren, dass es in der Bundesrepublik die größte Anti-Freihandelsbewegung gebe."

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    3. Und hier der Weg zu leistungslosem Einkommen der Gegenpartei. Dazu muss man wissen welche Bedeutung Royalties, Fees und Lizenzgebuehren in der Leistungsbilanz der USA haben. Das sind keine Peanuts, was sich die amerikanischen Freunde fuer die Lieferung von gewaltverherrlichenden Hollywoodproduktionen, Rechte an fragwuerdigen Patenten, etc. ueberweisen lassen.

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    4. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Lange-Copyright-Schutzfrist-im-Handelsabkommen-TPP-entfacht-Streit-2597526.html

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