Mittwoch, 29. Juli 2015

Was ist eine Investition?

Wenn Sie den Begriffsdefinitionen der sog. Wirtschaftswissenschaften folgen, dann enden Sie in einem Labyrinth aus Smoke and Mirrors und werden die Sache nie klar bekommen. Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so gewollt!
Um die Sache klar zu bekommen, muss man sie von den beobachtbaren Dingen her denken.


Quelle
Meine Kurzfassung:

Eine erfolgreiche Investition ist ein erfolgreicher Aneignungs- / Enteignungsprozess.
Der Investor (Unternehmer oder Staat) geht zur Bank und nimmt einen Kredit auf.
Die Bank schoepft Geld = eine zur Umlaufaehigkeit veredelte Forderung = eine allgemein akzeptierte Forderung = eine Forderung gegen die Allgemeinheit aus dem Nichts und stellt sie dem Investor zur Verfuegung. Gleichzeitig kreiert sie eine spezifische auf den Kreditnehmer gerichtete Forderung auf Rueckzahlung = den Kreditvertrag.
Der Investor kauft mit dem zur Verfuegung gestellten Geld z.B. Arbeitskraft gegen Lohn.
Der Investor bestimmt die Verwendung der Arbeitskraft (z.B. den Bau einer Strasse).
Am Ende gehoert dem Investor bzw. der Bank die fertig gestellte Strasse.
Um seinen Kreditvertrag erfuellen zu koennen, fordert der Investor eine Nutzungsgebuehr fuer die Nutzung der Strasse durch die Arbeiter und diejenigen, die die Arbeiter gegen Geld durchgefuettert haben (Bauern), weil diese Geld erwerben mussten, um z.B. ihre Steuern zahlen zu koennen.
So fliesst das Geld wieder zurueck zur Bank und dort wird der Kredit getilgt = das Geld wieder vernichtet.
Bliebe es dabei, wuerde die Wirtschaft spaetestens an dieser Stelle zusammenbrechen, da ihr das Geld wieder entzogen wurde. Das System waere ueberbestimmt (zum einen durch die Zinsforderungen der Bank und durch das Streben eines jeden Teilnehmers Liquiditaet aufzubauen(1)), wenn nicht staendig neues Geld per Buchungsvorgang = Kreditvergabe kreiert wuerde.
Damit das nicht geschieht, muss die Bank weitere Investoren mit investitionswuerdigen Projekten finden, die den Arbeitern Arbeit geben und sich die Arbeitsergebnisse wie oben beschrieben aneignen koennen, um so ihre Kreditvertraege und ihr zentrales Motiv "Mehr" zu befriedigen. Aber es geht natuerlich auch ohne Arbeit und damit vollkommen unproduktiv. Z.B. dann wenn per Kredit an den "Maerkten" spekuliert wird = unproduktive Umverteilung in Nullsummenspielen.
Das System ist dadurch expansiv, erzeugt aber gleichzeitig hochkonzentriertes Eigentum an den Dingen (z.B. Produktionsmitteln) bei denjenigen, die von der Bank als kreditwuerdig erachtet wurden und diesen Kredit im obigen Sinne erfolgreich investiert haben.
Geraet die Kreditvergabe und damit der Investitions- = Aneignungs- / Enteignungsprozess aus welchen Gruenden auch immer (z.B. Bindung der Geldschoepfung an Gold, Ideenlosigkeit der Investoren, Krisen, die den Vorgang und seine Folgen offenbaren) ins Stocken, droht unweigerlich der deflationaere Kollaps.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(1) Mit ueberbestimmt, meine ich nicht, dass die Zinsen  im Gesamtsystem fehlen, das tun sie definitiv nicht, sondern das eine Diskrepanz entsteht zwischen der vertraglich vereinbarten Rueckzahlungsrate (inkl. Zinsen), also dem Geldrueckfluss von Kreditnehmern hin zu Banken ueber alle Kreditvertraege und der freigegeben Geldmenge durch Sparer / Guthabeninhaber, also dem Geldfluss hin zu Schuldnern. Wenn dies geschieht geht entweder die Zahl der Nonperforming Loans bei den Banken durch die Decke oder aber es muss von den Banken neues Geld per Kreditvergabe injektiert werden, was dann hoffentlich auch den Weg zu Schuldnern findet. Ist letzteres nicht der Fall, weil die Sogwirkung hin zu den bereits hochkonzentrierten Geldvermoegen so gross ist, dass selbst eine stetige Kreditausweitung nicht mehr hilft, dann ist der deflationaere Zusammenbruch auch nicht mehr per Geldmengenausweitung aufzuhalten. Das System ist dann endgueltig gekippt.
Vielen Dank an SB fuer das Nachhaken, was zu dieser Klarstellung gefuehrt hat.

Kommentare:

  1. Zwei entscheidende Kurzschlüsse sehe ich in dieser Analyse:

    1. werden die Zinszahlungen des Investors mit in seine Preise einkalkuliert, womit also nicht irgendwo "Zinsen fehlen", sondern diese den Anteil der Bank am produzierten Kuchen darstellen, sofern letztere das erhaltene Zinsgeld zugunsten des Investors verausgabt.

    2. Erst wenn die Bank (oder ihre Gläubiger) das erhaltene Geld akkumulieren (sparen), also gerade nicht zugunsten des Investors wieder verausgaben, "fehlt plötzlich Geld" in der Rechnung (des Investors). Da jeden Tag ein Dummer aufsteht, den man nur finden muss, wird es auch diesen oder weitere Investoren geben, die sich auf das aussichtslose Spiel der Realvermögensverschiebung zugunsten der Gläubiger einlassen, solange bis ihre (gesamtwirtschaftliche) Schuldentragfähigkeit erschöpft ist. Dann erst machen die Gläubiger real Kasse (for pennies on the dollar) und verzichten - nachdem sie alles haben - bestenfalls auf die uneinbringlichen Papiergeldforderungen. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt allerdings, dass sie die Forderungen nach jedem Reset erneut vorlegten ...

    Gruß, SB

    AntwortenLöschen
  2. Da haben Sie Recht. Und vielen Dank fuer die Klarstellung / Ergaenzung.
    Die Zinsen fehlen nicht im Gesamtsystem. Die werden von der Bank ebenfalls geschoepft.
    Als Aktiva auf dem Konto des Schuldners und als Passiva auf den Konten der Guthabeninhaber bzw. dem Gewinnkonto der Bank (Zinsdifferenz - Kosten). Das habe ich an anderer Stelle in diesem Blog schonmal klar gemacht. Der Druck zur stetigen Bilanzausweitung der Bank kommt tatsaechlich von den Sparern, die ihr Geld nicht mit der Rate freigeben, wie es die Schuldner in ihren Kreditvertraegen mit der Bank vereinbart haben.
    Allerdings werden Sparer mit einer steigenden Zinsstrukturkurve von den Banken fuer dieses Verhalten belohnt.
    Die "Masters of the Universe" bestimmen also nicht nur wer, wann, wieviel und zu welchen Konditionen frisches Geld fuer seine "Investitionen" zur Verfuegung gestellt bekommt, sondern sie betreiben die Sache so, dass die Bankbilanz (Basis ihres Gewinns aus Zinsdifferenzgeschaeften) staendig wachsen muss, wenn die Sache nicht zusammenbrechen soll. In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch nochmal gruendlich ueber den Unsinn von sog. kapitalbildenden Versicherungen aller Art nachzudenken. Auch die Unsummen, die als Transaktionskasse/Liquiditaet in den diversen von der sog. Finanzindustrie organisierten Verschiebebahnhoefen gebunden werden und dort vollkommen unproduktiv nur ansteigende Vermoegenskonzentration bewirken (Fargione et. al. lassen gruessen) zaehlen zu den Geldern, die nie wieder zu Schuldnern zurueckfliessen koennen.

    Viele Gruesse, GT

    AntwortenLöschen
  3. Noch ein Hinweis zu der ansonsten profunden Antwort: Die Bankbilanzen "müssen" nur ständig steigen, weil sie keine Verluste realisieren wollen. Kämen nämlich mangels Neugeldschöpfung die Assetpreise unter Druck, wären erst die Aktiva und dann das Eigenkapital der Banken bzw. das Fremdkapital der Gläubiger entsprechend zu kürzen. Und wer will das schon? Die Amis machen vor wie's geht, nur die Vasallen in Europa dürfen's nicht; sie werden zur Plünderung freigegeben! Nochmals beste Grüße, SB

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So ist es. Wenn man begreift was QE ist, und wie es in den USA implementiert wird, dann hat man verstanden, wie der Hase laeuft. Dort werden die uneinbringlich gewordenen spezifischen Forderungen gegen umlauffaehige Forderungen gegen die Allgemeinheit ausgetauscht. Und zwar nicht so, dass die zahlungsunfaehig gewordenen Haeuslebauer entschuldet wuerden, sondern so, dass die Banken ihr Geschaeftsmodell weiter betreiben koennen und/obwohl die Haeuser leer stehen und z. T. verrotten.
      -
      Ich empfehle diesen Film:
      https://youtu.be/p5Ac7ap_MAY
      -
      Es ist meiner Meinung nach kein Zufall, dass nahezu zeitgleich die europaeischen Staatsanleihen von den US Ratingagenturen zerschossen wurden, waehrend Nordafrika und die Ukraine in Flamme aufgingen. Damit ist zum einen ein Feuerring gelegt, der Kooperationen, die fuer den Hegemon als solchen gefaehrlich werden koennten (z.B. Frankreich, Deutschland, Russland) unterbindet und zum anderen das zentrale Fuehrungs- und Lenkungsinstrument, der Euro, geschwaecht.
      Wenn man dann noch erkennt, das in Asien ebenfalls Dinge ablaufen, die nur zu verstehen sind, wenn man sie vor dem Hintergrund amerikanischer Interessen (damit sind die Interessen der amerikanischen 1% gemeint) sieht, dann hat man meiner Meinung nach ein durchaus zutreffendes und einigermassen umfassendes Bild der aktuellen Gemengelage.
      Ich wuensche ein schoenes Sommerwochenende, GT

      Löschen
    2. Nochmal um es ganz unmissverstaendlich klar zu machen.
      Mit ueberbestimmt, meine ich nicht, dass die Zinsen im Gesamtsystem fehlen, das tun sie definitiv nicht, sondern das eine Diskrepanz entsteht zwischen der vertraglich vereinbarten Rueckzahlungsrate (inkl. Zinsen), also dem Geldrueckfluss von Kreditnehmern hin zu Banken ueber alle Kreditvertraege und der freigegeben Geldmenge durch Sparer / Guthabeninhaber, also dem Geldfluss hin zu Schuldnern. Wenn dies geschieht geht entweder die Zahl der Nonperforming Loans bei den Banken durch die Decke oder aber es muss von den Banken neues Geld per Kreditvergabe injektiert werden, was dann hoffentlich auch den Weg zu Schuldnern findet. Ist letzteres nicht der Fall, weil die Sogwirkung hin zu den bereits hochkonzentrierten Geldvermoegen so gross ist, dass selbst eine stetige Kreditausweitung nicht mehr hilft, dann ist der deflationaere Zusammenbruch auch nicht mehr per Geldmengenausweitung aufzuhalten. Das System ist dann endgueltig gekippt.

      Löschen
  4. Es gäbe da noch Fragen, wenn die Überschrift lautet: "Was ist eine Investition?" Wieso wird dann im Text daraus:" Eine erfolgreiche Investition" sind denn alle Investitionen erfolgreiche? Andere werden nicht erläutert. Ist in der Ökonomie den alles sichtbar? weil: "Um die Sache klar zu bekommen, muss man sie von den beobachtbaren Dingen her denken." Ist denn alles beobachtbar? Zum Beispiel das Geld aus dem nichts ensteht. Ist das beobachtbar? Frau Wagenknecht ist ebenfalls der Meinung erläutert es allerdings auch nicht. Bei dem Depp Sandleben gibt es eine Erläuterung dazu. http://www.proletarische-briefe.de/?p=467

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank fuer die Fragen.
    Eine erfolglose Investition ist ein Verlust und wird daher, nach dem das Ergebnis bekannt ist, auch nicht mehr als Investition bezeichnet. Das Verhaeltnis aus eingesetztem und zurueckgeflossenem (Kapital) ist kleiner gleich eins. Die angestrebte Aneignung war aus Sicht des Investors nicht erfolgreich.
    -
    Es gibt verschiedene wissenschaftliche Methoden zum Erkenntnisgewinn. Eine davon geht von der Beobachtung aus, entwickelt dann eine Theorie und ueberprueft diese Theorie im Experiment, indem z.B. auf Basis der Theorie eine Vorhersage getroffen wird und das Eintreffen bzw. Nichteintreffen dieser Vorhersage im Experiment ueberprueft wird. Trifft die Vorhersage zu, stuetzt das die Theorie. Trifft sie nicht zu, widerlegt es die Theorie und diese ist zu verwerfen bzw. zu verbessern und in der verbesserten Form erneut per Experiement zu ueberpruefen.
    Ein im diskutierten Zusammenhang interessantes Beispiel fuer dieses Vorgehen findet sich hier:
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070
    -
    Der verlinkte Artikel von Horst Schulz auf der Webseite von Horst Schulz und Guenther Senftleben (alias Sandleben?) ist ein schlagendes Beispiel dafuer welche Verwirrung in den Koepfen herrscht und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von interessierter Seite in den Koepfen angerichtet wurde, wenn es ums Geld und ein paar ganz einfache Fragen geht:

    Was ist Geld?
    Wie und wo entsteht und/oder vergeht es?
    Wer kann Geld entstehen und/oder vergehen lassen?
    Und woran sind diese Personen oder Institutionen dabei gebunden?

    Es sind sehr viele falsche Antworten auf diese Fragen im Umlauf, die einer auf wissenschaftlichen Methoden beruhender Ueberpruefung nicht standhalten. Das macht es den meisten Mitmenschen nicht gerade leicht der Wahrheit naeher zu kommen. Ich halte das, wie schon angedeutet, inzwischen fuer beabsichtigt.
    Allerdings gibt es in juengster Zeit Klarstellungen, die auch einer wissenschaftlichen Ueberpruefung durch Experiment und Logik, wie Richard Werner sie z.B. durchgefuehrt hat (s.o.), standhalten. Die bemerkenswersteste ist wohl diese:
    http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx
    http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2014/qb14q102.pdf

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ich weis jetzt nicht in wie weit Ihnen gefolgt werden kann, denn sie beziehen inhaltliche keine Stellung sondern behaupten lediglich. Wenn ich mir allerdings anschaue wie die (Ökonomische) Welt aussieht hat von den herrschenden Ökonomen keiner den Stein des weisen gefunden und wie soll eine Experiment den wohl aussehen, bei Speedhandel mit 500 Milliarden Dollar die Minute?
      Da ist die Krux dann auch, wenn Sie selbst eine Frage stellen ( was ist eine Investition) und dann nicht belegen was es ist sonder ins blaue erzählen von erfolgreichen Investitionen. Ist die Investition denn erst eine Investition wenn der Vorgang abgeschlossen ist und sich rentiert hat. Wie ist es denn wenn ich "beobachte" das jemand Geld investiert in eine Firma. Ist das eine zu beobachtende Handlung? ist der Vorgang damit abgeschlossen? Wenn die Firma nach drei Jahren Konkurs ist und Steuerlich abgeschlossen, ist das deann keine Investition gewesen?
      Zumindest konnte ich hier erfahren das sie mit Frau Wagenknecht auf einer Linie sind in Fragen Geldschöpfung aus dem nichts. Ich denke, aus dem nichts Kommt nichts, gleich gar nicht Geld.

      Löschen
    2. Die Gedanken sind frei. Und wissenschaftliche Methoden koennen helfen, sie so zu ordnen, dass sie eine zutreffende Vorstellung von den Zusammenhaengen der beobachtbaren Realitaet ergeben.
      -
      Wenn Sie nicht in der Lage sind, den inhaltlichen Bezug meiner Antwort zu Ihrem Kommentar herzustellen, dann kann ich Ihnen leider nicht helfen. Ich hoffe evtl. Mitlesern gelingt das besser und koennen damit das, auf das Sie verlinkt haben und was Senftleben, Sandleben und Co vom Stapel lassen, besser einordnen.
      -
      Um noch auf Ihre Fragen bezueglich des Begriffs Investition einzugehen, entstehen diese Fragen durch Unklarheit ueber die Begriffsdefinition. Das Oekonomen mit Begriffen operieren, die nicht klar definiert sind, ist ein wesentlicher Bestandteil des Nebels in dem Sie und Oekonomen stehen. Was auffaellt ist, das jede Unternehmung diesen Nebel zu lichten auf erhebliche Feindseligkeiten stoesst. D.h. in meiner Interpretation, das die Erzeugung von Unklarheit und Verwirrung zum Geschaeftsmodell der Oekonomen gehoert.

      Mit freundlichen Gruessen

      Löschen
  6. Ich denke Sie Überschätzen sich, zumindest ergibt sich das aus Ihrer Arroganz.
    Sie lamentieren was daher und die Gegenüber müssen sich eine Bezug dazu herstellen,ich hoffe auch sehr das es anderen besser können, vor allem wenn sie wissenschaftliche Methoden anwenden. da sind allerdings Oekonomen ausgeschlossen? Die Möglichkeit das es Ihnen nicht gelingt ihre Gedanken anderen nahezubringen kommt ihnen nicht in den Sinn. Sicher nicht, bei dem Nebel dem sie herum stochern.

    AntwortenLöschen