Samstag, 1. August 2015

Wo "Die Linke" auf dem Schlauch steht

Wo "Die Linke" auf dem Schlauch steht. Und sehr wahrscheinlich ein grosser Teil der 99% auch.
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Im Laufe einer Diskussion auf dem faktenorientierten und sehr empfehlenswerten Wirtschaftsblog Querschuesse, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.



"Die Linke" weiss nicht wie Banken funktionieren! Und der Rest der 99% moeglicherweise auch nicht. Das der Saeulenheilge der Linken, Karl Marx, es nicht wusste, leicht erkennbar an den ausufernden verbalen Kunstfluegen um Banken, Geld und M-C-M´, hatte ich ja schon mal an anderer Stelle erwaehnt. Das die linke Analyse seitdem offenbar immer noch in weiten Teilen auf der Stelle tritt, war mir nicht bewusst.
Aufgedeckt hat das ein Hinweis eines Mitkommentators auf Querschuesse, der dort auf eine Einleitung zum Buch "Apologie von links: Zur Kritik gängiger linker Krisentheorien" von Sandleben und Schaefer verlinkte. Darin heisst es u.a.:

“In der gesamten linken Krisentheorie ist das fiktive Kapital ein Buch mit
sieben Siegeln geblieben. Die verschiedenen Bestimmungen des Kapitals
werden nicht klar genug voneinander geschieden und immer wieder durcheinander
gewürfelt: Das Leihkapital, das im Kredit vom Verleiher an den
Borger fortgegeben wird, verschmilzt häufig mit dem Rückzahlungs- und
Zinsversprechen, das nur einen Anspruch auf Geld beinhaltet. Dann wiederum
wird dieser Anspruch auf Geld, der das fiktive Kapital bildet, mit dem
Geld selbst verquickt, sodass der Schein entsteht, als wären Bankeinlagen,
Anleihen und selbst Aktien eine Form des Geldes. Häufig verschwimmen
die Bestimmungen des Leihkapitals mit denen des Geldkapitals, das vom
fungierenden Kapital vorgeschossen wird, sodass der falsche Eindruck entsteht,
als würden verleihende Banken das Kapital auch in der Industrie und
im Handel steuern. Solche Missverständnisse gehen teilweise aus dem zinstragendenKapital selbst hervor, weshalb es Marx gelegentlich als „die Mutter
aller verrückten Formen“ (MEW 25: 483) bezeichnete. Statt diesen Kapitalfetisch
zu enthüllen, wird er in der linken Krisendebatte nur breitgetreten
und zu einer Macht der Banken und Finanzmärkte mystifiziert.
In unserem Exkurs, den das fünfte Kapitel beinhaltet, wollen wir systematisch
die verkehrten und widersinnigen Vorstellungen von der besonderen
Macht der Banken widerlegen, indem wir Schritt für Schritt die verschiedenen
Sparten des Bankgeschäfts, angefangen vom Zahlungsverkehr bis hin
zu den verschiedenen Geschäftsbereichen des Investment-Banking, unter der
Fragestellung durchkämmen, ob sich irgendwo für die Banken eine Quelle
der Macht auftut. ”
Und:
“Wenn wir nachfolgend ein rabenschwarzes Bild von der linken Krisen-
theorie malen, dann darf eine wichtige und sehr erfreuliche Tatsache nicht
übersehen werden: Wenngleich mehr im Verborgenen stößt man immer wieder
auf Beiträge und Diskussionen, die das ideologische Feld der Systemverteidigung verlassen. …..
Unsere Analyse
der verschiedenen Phasen der großen Krise führte zu dem Ergebnis, dass die
Krise ihrem inneren Zusammenhang nach eine Überproduktionskrise war,
anfangs eine Überproduktion in der Bauwirtschaft, gefolgt von einer allgemeinen
Überproduktionskrise 2008, die alle bedeutenden Wirtschaftszweige
erfasste und ihre Ursache im Kernprozess kapitalistischer Warenproduktion,
im systematischen und notwendigen Auseinanderfallen von Produktion und
Markt hatte. Die in der linken Krisendebatte verbreitete Vorstellung, die
Schockwellen der Finanzkrise hätten die „Realwirtschaft“ infiziert und in
eine Krise gestürzt, wiesen wir schon damals als „Mythos“ zurück (Sandleben/
Schäfer 2009: 16). Entlang des tatsächlichen Krisenverlaufs konnten
wir belegen, dass es sich umgekehrt verhielt, dass die Krise der Finanzmärkte
durch die Folgen der Überproduktionskrise hervorgerufen worden war.
Auf der Grundlage dieser Krisenerklärung werden wir im letzten Kapitel
einige Tendenzen des bisherigen Krisenzyklus thematisieren, um auf dieser
Grundlage eine Antwort anzudeuten, wohin die Krise treiben wird. ”
Da durfte man gespannt sein.
Insbesondere vor dem Hintergrund dessen, was der ebenfalls verlinkte Gustavus Meyer auf ca. 800 Seiten wohl sehr wort- und facettenreich illustrierte.
Ein paar spontane Fragezeichen meinerseits, waren:
Wie passen “eine Überproduktion in der Bauwirtschaft” und Zeltstaedte sowie 40 Millionen von Foodstamps Abhaengige zusammen?
Naja und auf “wollen wir systematisch die verkehrten und widersinnigen Vorstellungen von der besonderen Macht der Banken widerlegen,…” war ich wirklich extrem gespannt.

Im Nachlauf bin ich dann auf Folgendes gestossen:
http://www.guenther-sandleben.de/finanzkapital.html
http://www.guenther-sandleben.de/mediapool/57/574173/data/Sandleben_Hilferding.pdf


Ich zitiere mal:
“Im Konstitutionsprozess des Finanzkapitals sollen die Banken bereits durch die Art ih-
res Geschäfts eine Sonderrolle einnehmen: Sie verfügten über das notwendige Geld-
kapital der Wirtschaft und könnten diese Macht, wie Hilferding meinte, mehr und
mehr zu ihrem Gunsten ausbeuten. In An-lehnung an die Marxsche Kredittheorie
zeigt Hilferding insbesondere im viertenKapitel seines Buches, wie den Banken
das verleihbare Geld zufließt. Er nennt diefolgenden beiden Quellen: Erstens den
Kreislaufprozess der jenseits der Bankenfungierenden industriellen und kommerziel-
len Kapitale (bei Hilferding fälschlicherwei-se unter dem Begriff der „produktiven“ Ka-
pitalisten zusammengefasst). Die wichtigs-ten Momente der Freisetzung sind die un-
terschiedlich langen Umschlagszeiten derverschiedenen Kapitalteile, die Verkürzung
der Zirkulations- und Produktionsperioden,Preisänderungen und nicht zuletzt der rea-
lisierte Profit, soweit dieser vom Unterneh-mer bzw. seinem Anhang weder konsumiert
noch akkumuliert werde.Zweitens würde den Banken das Geld aus
dem Vorübergehend oder auch für längereZeit nicht genutzten Einkommen aller Klas-
sen zufließen. All diese Gelder würden von der Bank gesammelt, zentralisiert und
könnten den fungierenden industriellen und kommerziellen Kapitalisten als Kredit zur
Verfügung gestellt werden. …….”

Und dann:

“Eine hegemoniale Stellung der Banken als neue Qualität kapitalistischer Entwicklung
ist daraus nicht so ohne weiteres abzulei-ten. Denn die Geschäftsbeziehungen be-
stehen aus wechselseitigen Verpflichtungen zwischen Banken und Kunden, ohne dass
eine besondere Machtquelle der Banken erkennbar wäre: Die Bank muss verleihen,
um ihr Kapital zu verwerten; umgekehrt be-nötigen die Unternehmen das Geld, um
wirklich fungieren zu können, d.h. um In-vestitionen oder sonstige Zahlungen zu tä-
tigen. Hilferding beginnt den Triumphzugdes Finanzkapitals mit einer willkürlichen
Herangehensweise, indem er die wechsel-seitigen Abhängigkeiten in einseitige ver-
wandelt, bei denen die Banken als Gewin-ner, die fungierenden Kapitalisten dann als
die Verlierer dastehen. …..”

Holy Moly! Da zieht es einem glatt die Socken aus.
Es ist zum Haare ausraufen. Die Linke (inkl. Marx) versteht nicht wie Banken funktionieren und die Kapitalisten begreifen nicht, dass, wenn sie ihr Spiel endlos fortsetzen, dank stetig fortschreitender Konzentrationsprozesse auf allen Ebenen (aka Fettaugensyndrom) die Verhaeltnisse auf die Verhaeltnisse in einer zentralistischen totalitaeren Planwirtschaft zusteuern.

Hilferding hat die Macht der Banken vollkommen richtig erkannt. Aber er wusste nicht, dass Banken Geld aus dem Nichts schoepfen. Daher schwurbelt er etwas zusammen, was keinen Sinn macht.
Sandleben kritisiert Hilferding zwar an der richtigen Stelle, aber er verdreht es dann vollstaendig, weil auch er nicht verstanden hat, wie Banken funktionieren.
Sandleben ist ein Depp.
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Geld wird von den Banken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft. Das ist ein willkuerlicher Akt, der an nichts gebunden ist. Banken entscheiden frei, wer, wann, wieviel Geld zu welchen Konditionen und zu welchem Zweck bekommt. Damit sind Banken die Planungsbueros des Kapitalismus und Dank Konzentrationsprozessen auch im Finanzsektor zunehmend die zentralen Planungsbueros.

http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEKCN0PY12L20150724


Dazu noch mal Herrhausen (1982/83):
“Ich wähle deshalb eine rein theoretische, nicht eine ideologische Ausgangsposition für die Betrachtung wirtschaftspolitischer Strategien. Solche Strategien müssen sich ableiten von dem, was man als die Aufgabe der Wirtschaft versteht. Und ich denke, daß jede Wirtschaft, gleichgültig ob sie in einer kapitalistischen, sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaftsordnung angesiedelt ist, drei Hauptaufgaben zu erfüllen hat und daß ihre Effizienz daran gemessen werden kann, wie gut sie das tut.
Diese drei Hauptaufgaben sind: Allokation, Produktion, Distribution oder, um die Fachsprache ins Alltagsdeutsche zu übersetzen: Aufbau und Anordnung von industriellen und gewerblichen Kapazitäten, Einsatz und Beschäftigung dieser Kapazitäten, Verteilung der Beschäftigungsergebnisse.
Es geht in jeglicher Volkswirtschaft darum, möglichst solide Grundlagen zu schaffen, auf denen Güter und Dienste erzeugt werden, und diese Güter und Dienste dann denjenigen, die an dieser Wirtschaft als Verbraucher und/oder Erzeuger teilnehmen, zukommen zu lassen.”
Und wie macht man das als Baenker?

In dem man Geld schoepft und gezielt dort einsetzt wo es zum Aufbau von industriellen und gewerblichen Kapazitäten, dem Einsatz und der Beschäftigung dieser Kapazitäten und zur Verteilung der Beschäftigungsergebnisse benoetigt wird.

Und zwar nach Gutsherrenart, Kraft souveraener Willkuer!

Das funktioniert auch wunderbar in einer Aufbauphase wie in Deutschland aber auch in Japan nach 1945. Aber dann entwickelt sich etwas, was offenbar keiner auf der Rechnung hat, trotz eindeutiger historischer Erfahrungen. Konzentrationsprozesse fuehren in eine Erstarrung. Machtkonzentration fuehrt dazu das Fehler und Machtmissbrauch katastrophale Folgen fuer das Gesamtgebilde haben. Es gibt keine Redundanzen und damit keine Korrektive mehr, die Fehlentwicklungen ausgleichen koennten. Zentralistische Systeme sind zwar hoch effizient aber eben auch extrem empfindlich gegenueber Fehlern und Problemen.
Da reicht eine Fehlentscheidung um alles zum Einsturz zu bringen.
Dezentrale Strukturen sind da viel robuster.

Und hier noch das, was Marx, die Linke und Sandleben nicht verstehen bzw. nicht verstehen wollen:

http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/quarterlybulletin/2014/qb14q1.aspx
http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2014/qb14q102.pdf

Und nochmal Prof. Richard Werner mit einem Experiment, welches obiges verifiziert:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521914001070

Sapere Aude!

Georg Trappe


Kommentare:

  1. Marx war verwandt mit den Rothschilds, schrieb in ihrem Auftrag und wurde auch von ihnen bezahlt. Wie schon Adam Smith hatte er den Auftrag, die Meme zu verbreiten, Gold sei Geld, die Banker würden es nur verleihen und im Übrigen seien die Industriekapitalisten die Bösen Buben und nicht etwa die Banker, die ein Vielfaches von nicht vorhandenem Gold als Buchgeld umlauffähig machten und dafür exorbitanten Zinsen kassierten. Das war der Plot (der Iluminati-Banker). Noch Fragen?

    http://henrymakow.com/2015/04/Karl-Marx-Was-Rothschilds-Third-Cousin%20.html

    https://wideawakegentile.wordpress.com/2014/02/01/cousin-karl-the-blood-ties-between-karl-marx-and-the-rothschilds/

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    1. Ich haette mir wirklich einen anderen Kommentar zu diesem Artikel gewuenscht.
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      Ich hoffe Sie wissen mit wem Sie ueber drei Ecken verwandt sind. Mein Grossvater war Sparkassendirektor und trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich die Funktionsweise einer Bank verstanden habe. Und falls Ihrer Meinung nach die Religionszugehoerigkeit eine Rolle spielen sollte, so denke ich, dass Sie auch da auf dem Holzweg sind. Denn Geld als Setzung (Fiktion im rechtlichen Sinne) gibt es seit mehr als 5000 Jahren und war immer schon das bevorzugte wirtschaftliche Fuehrungs- und Lenkungsinstrument. Und zwar vollkommen unabhaengig von der Religionszugehoerigkeit der Herrscher oder ihrer Banker. Es hat aber auch immer schon Probleme und diesen Zyklus von Aufstieg, Stagnation, Dekadenz und Zerfall gegeben.
      Und es hat auch immer wieder die Faelle gegeben, in denen Kriege finanziert wurden. Der spektakulaerste Fall dieser Art war wohl der zweite Weltkrieg, den Hjalmar Schacht als Reichsbankpraesident in Zusammenarbeit mit deutschen Grossindustriellen ueber Mefo Wechsel die von der Reichsbank diskontiert wurden und den Siegermaechten verborgen blieben finanziert wurde. Da wurde die Energie und Schaffenskraft einer unzufriedenen, arbeitslosen Masse mit Hilfe frisch geschoepften Geldes in Form von Mefo Wechseln in die Kriegsvorbereitungen und dann in die Kriegswirtschaft gelenkt. Wie die Sache ausging wissen wir. Also um es ganz klar und unmissverstaendlich zu sagen, ich halte das, was Sie in Ihrem Kommentar vorgetragen haben nicht nur fuer unhaltbar sondern fuer ausgemachten Bullshit.

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  2. "Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten." Sunzi

    Wer Systemkritik üben will kommt sicher nicht drumherum, das System zu versehen. Das Problem ist aber glaube ich, dass selbst viele Ökonomen nicht wissen, wie Geld geschöpft wird. Das führt einerseits dazu, dass diese dann in Unkenntnis der Dinge neoliberale Ideologie verbreiten und andererseits, dass auch Systemkritiker mit einem wirtschafts-"wissenschaftlichen" Hochschulabschluss ebenfalls keine Ahnung haben, was sie da eigentlich kritisieren.

    Die theoretische Ausbildung von Ökonomen ist aus wissenschaftlicher Sicht derart dünn, dass man schon von einer elaborierten Form des Dunning-Kruger-Effekts sprechen kann. Sie haben so wenig Ahnung von ihrem Metier, dass sie gar nicht merken wie wenig Ahnung sie haben. Die meisten ökonomischen Theorien sind aus einer mathematisch-systemmodellierenden Sicht zu unvollständig und aus einer philosophischen Sicht fehlt der kritische Gebrauch einer zeitgemäßen Dialektik.

    Wenn so schon linientreue Ökonomen ihre Metier nicht verstehen können (ist BWL nicht ein bisschen zur echt als Auswendiglern-Studium verschrien?), wie sollen dann linke Ökonomen es tun? Und wie soll jemand, der mangels eines wissenschaftlich erschlossenen Fachgebietes noch nie echte Erkenntnis erlebt hat, kritisch Theorien zerpflücken?

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  3. Da ist sicherlich etwas dran. Was aber schon auffaellig ist, das sich diese Inkompetenz und Selbstueberschaetzung pyramidenfoermig anordnet. Oder anders ausgedrueckt, diese inkompetenten und sich selbst ueberschaetzenden Oekonomen sind ausgesprochen kompetent, wenn es darum geht Macht-opportune Theorien zu entwickeln und sich so als Machtdienstleister hoch bezahlte Jobs in der Politikberatung, und der "Lehre und Forschung" zu sichern.
    Ich kopiere mal aus einer anderen Diskussion herueber, um zu verdeutlichen, was ich damit meine.
    http://zukunft--der--arbeit.de/langfr-verschwindet-arbeit_rifkin-interview.htm
    Vielen Dank fuer den Hinweis auf Rifkin. Der Mann hat in soweit recht, dass sich die Menschen in den Industrielaendern enorme Produtivitaetsfortschritte erarbeitet haben, die ihnen sehr viel Freizeit ermoeglichen wuerden. Nur die Eigentums- und Nutzungsrechte liegen nicht bei denen, die sich diese Ideen und Maschinen erarbeitet haben, sondern hochkonzentriert bei denen, die in die Entwicklung dieser Technologien “investiert” haben.
    Und was eine erfolgreiche Investition ist und wie dieser primitive Trick funktioniert, habe ich ja schon mal erklaert:
    http://georgtsapereaude.blogspot.de/2015/07/was-ist-eine-investition.html
    Allerdings muss man sehr viele sog. Wirtschaftswissenschaftler und Oekonomen, Marketingler und Medienmitarbeiter usw. usf. in “Bullshit Jobs” beschaeftigen, um zum einen diesen primitiven Trick zu verschleiern und zum anderen das per “Investition” “erworbene” Eigentum, zunehmend auch an sog. “intellectual property” zu bewachen und zu verteidigen.
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/karriere/BullshitJobs-auf-dem-Vormarsch/story/27727582
    Nur wenn man Rifkin und Graeber in Verbindung mit einem richtigen Verstaendnis von der Funktionsweise von Banken und sog. Investitionen liest / versteht, ergibt sich ein zutreffendes und schluessiges Bild.

    Und, bevor ich es vergesse, man muss inkompetente Politiker, also gewaehlte Volksvertreter, dazu bewegen die Legitimation zu beschaffen, um diese Verhaeltnisse zu legalisieren= gesetzlich abzusichern. Am besten im Rueckgriff auf die Menschenrechte auf Freiheit und Eigentum.
    Wie das geht, hat uns Herr von Brauchitsch in einem Interview zur Flickaffaere erklaert. Dort sagte er sinngemaess:”Die Politiker haben uns erklaert, dass sie Geld brauchen um zu funktionieren. Das haben wir ihnen gegeben.” In braunen Tueten. Frisch geschoepft vom Baenker seines Vertrauens.
    Sozusagen eine “Investition” in den demokratischen Rechtsstaat.

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  4. Hallo Georg, bin mir nicht sicher, ob Hilferding das nicht verstanden hat oder nur nicht verstehen wollte. Hilferding war z. B. bei der Geheimkonferenz über Folgen und Möglichkeiten der Kreditausweitung dabei (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimkonferenz_der_Friedrich_List-Gesellschaft_im_September_1931_%C3%BCber_M%C3%B6glichkeiten_und_Folgen_einer_Kreditausweitung#Teilnehmer), dennoch haben er und Alfred Lansburgh (Argentarius) sich extrem dumm angestellt.
    Die Kommunisten möchten zeigen, dass der Kapitalismus nicht funktioniere, selbst wenn es einen hohen Preis kostet. Die CO²-Propaganda rechtfertigt dann beispielsweise so etwas: https://de.wikipedia.org/wiki/Akzelerationismus.
    Dabei dienen die Grünen den Neoliberalen ohne es zu merken.
    Liebe Grüße
    Christoph

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    1. Hallo Christoph,

      vielen Dank fuer den Hinweis auf die Geheimkonferenz 1931. Ich vermisse Ihre Beitraege / Aufsaetze auf Querschuesse, die sich aus meiner Sicht oft durch eine hochinteressante Ausleuchtung historischer Zusammenhaenge ausgezeichnet haben. Denn es ist schon verblueffend zu sehen wieviele Parallelen es zwischen den aktuellen Ereignissen/vorgetragenen Argumenten und denen Ende der 20er des vorigen Jahrhunderts gibt.
      Hilferdings Finanzkapital gehoert da, soweit es den beschreibenden Teil angeht, sicherlich dazu. Der theoretische / erklaerende Teil krankt an dem Nichtwissen (wollen?) bezueglich der Funktionsweise der Banken.
      Worin sehen Sie denn das "sich extrem dumm anstellen" der beiden genannten Konferenzteilnehmer ?
      -
      Ich sehe die Probleme die wir hier diskutieren in ganz grundlegenden menschlichen Verhaltensweisen verwurzelt. Gesellschaften bilden Hierarchien aus, um Koordinationsprobleme zu loesen. Diese Hierarchien tendieren ueber Zeit zur Kopflastigkeit und die bisher erdachten Mechanismen, die diese Kopflastigkeit, die aeusserst destruktiv werden kann, verhindern sollen, funktionieren nicht bzw. werden immer wieder unterlaufen. Dabei spielen Geschichtsvergessenheit, Dummheit, Inkompetenz, Anmassung, Skrupellosigkeit und Gier, also menschliche Schwaechen, eine grosse Rolle. Und wenn es eine Loesung dafuer gaebe, dann gaebe es die schon lange. So aber bleibt es dabei, wie Tony Benn es mal sehr treffend ausgedrueckt hat:
      https://youtu.be/qX-P4mx1FLU
      Und wenn man sich in diesem stetigen Kampf eine drei bis vier Jahrzehnte dauernde Pause goennt, weil man der sedierenden Wirkung des Opiums (fuers Volk) verfaellt, dann darf man sich nicht wundern, wenn es nach der Phase der "Great Moderation" mehr aufzuraeumen gibt, als einem lieb ist.
      Das Opium, in der in den Mainstream Wirtschaftswissenschaften verabreichten Form, hat Alan Watts (wahrscheinlich ohne zu wissen, was er da macht) mal sehr treffend beschrieben:
      https://youtu.be/khOaAHK7efc
      Geld existiert aber in dieser Welt und es gibt Menschen, die mit Geld genau das tun was Alan Watts empfiehlt. Sie tun mit Geld genau das, was sie am besten koennen. In der Spitze unserer Gesellschaft. Anmassend, inkompetent in Bezug auf jeden ethischen Masststab, geschichtsvergessen und skrupellos.

      Viele Gruesse
      Georg

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    2. Und um noch auf den Akzelerationismus einzugehen. Ich denke wir leben in einer Explosion. Wenn man sich dieses Bild anschaut begreift der eine oder andere es vielleicht:
      http://georgtsapereaude.blogspot.de/2015/02/die-fehlende-wachstumsstrategie.html
      Diese exponentiellen Wachstumsprozesse verlaufen aber vollkommen inhomogen. Waehrend der eine (Bill Gates) 35 Jahre lang seine erste Million mit 38% pa wachsen lassen kann, was linearisiert 250000 $/Std. 24*7 entspricht, und viele andere ihr Leben lang mit 1$ pro Tag auskommen muessen, fuehrt das zu unkontrollierbaren Spannungen. Man kann eine solche Explosion einmal in Gang gesetzt nicht kontrollieren. Schon garnicht, wenn man die eine Seite zur Ikone erhebt und die andere Seite per NLP ausblendet.
      Die Punks, die behaupten Sie koennten etwas erreichen indem sie etwas beschleunigen, was schon einer beschleunigten Beschleunigung (Jerk System) unterliegt, sind vollkommene Idioten.
      Es gibt intelligente Leute, die sich die Frage gestellt haben, was das kleinste System (mathematisch beschrieben) ist, welches Chaos faehig ist, also auf kleinste Parameteraenderungen so empfindlich reagiert, dass sich unvorhersehbare Aenderungen in der Qualitaet der zeitlichen Entwicklung dieses Systems ergeben. Und die bis heute gueltige Antwort lautet: ein dreidimensionales System mit nur einer Nichtlinearitaet reicht aus. D.h. drei vernetzt voneinander abhaengige Variable, die in ihrer funktionalen gegenseitigen Abhaengigkeit durch eine Nichtlinearitaet (z.B. Hysterese) bestimmt sind, reichen aus um Unvorhersehbarkeit zu erzeugen.
      Willkommen im Nebel! Und aus dieser Perspektive betrachtet, wird dann hoffentlich klar worin die Anmassung, die Deedl oben erwaehnt hat, liegt.
      Und das betrifft nicht nur die sog. Wirtschaftswissenschaften. Da haben Naturwissenschaftler ebenfalls gehoerig Dreck am Stecken. Denn die haben ganz schlicht "uebersehen", dass sie ihre gut kontrollierbaren niedrig dimensionalen und vor allen Dingen "fern" von Nichtlinearitaeten entworfenen und betriebenen Systeme immer in eine Natur einbetten, die hoch dimensional ist und in der es vor Nichtlinearitaeten nur so wimmelt. D.h. da wird eine Kontrollillusion gepflegt, die inzwischen ein Ausmass erreicht hat, das man nur noch als Groessenwahnsinn bezeichnen kann.
      Ja, der CO2 Gehalt in unserer Atmosphaere steigt stetig an. Wenn an der Treibhausgastheorie etwas dran ist und dafuer spricht einiges, dann steigt damit der Energieinhalt in der Atmosphaere. Wie sich das im einzelnen auswirkt kann kein Mensch und kein Supercomputer vorhersagen (s.o.), denn Wetter und Klima sind Systeme mit mehr als zwei Dimensionen und es spielen Nichtlinearitaeten eine Rolle. Edward N. Lorenz hat das entdeckt.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_N._Lorenz
      Das wurde von einer Menschheit, die einer Fuehrung folgt, die an den Laplaceschen Daemon glaubt, vollkommen ignoriert.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Laplacescher_D%C3%A4mon
      Anmassung, Unfaehigkeit zu verstehen und Ignoranz soweit das Auge reicht.

      Cheers,

      Georg

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  5. Hallo Georg,
    Lansburgh argumentierte hinsichtlich der Beibehaltung der Deflation in etwa so: Es macht nichts, wenn es keine Arbeit, viele Arbeitslose gibt, die haben dann mehr Freizeit und wenn sie sich nicht genug zu essen kaufen können, dann können sie in ihrem Garten Obst und Gemüse anbauen. Hinsichtlich Hilferding muss ich nochmal nachschauen, das habe ich jetzt nicht parat. Melde mich dann nochmal. Liebe Grüße
    Christoph

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    1. Ich habe zwei Internet Ausgaben von Hilferdings Finanzkapital gefunden.
      Die eine in Englisch, die andere in Deutsch. Fuer Interessierte, die hier vielleicht mitlesen und sich ein eigenes Urteil bilden wollen:
      https://www.marxists.org/archive/hilferding/1910/finkap/
      http://archive.org/stream/DasFinanzkaptial.EineStudieZurJngstenEntwicklungDesKapitalismus/Hilferding19101955-DasFinanzkapital_djvu.txt

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  6. Und hier noch das "Standardwerk", Vom Gelde. Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn. Alfred Lansburgh (Argentarius)
    http://freigeldpraktiker.de/weltenaufgang/blog/file_download/52/Briefe+eines+Bankdirektors+an+seinen+Sohn.pdf
    Da kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.

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    1. Um meine Einschaetzung dieses "Standardwerks" unmissverstaendlich klar zu machen:
      Lansburgh war Baenker und wusste somit sehr wohl, womit er
      seinen Lebensunterhalt bestritt und wie das funktionierte. In seiner
      Schrift, auf die sich ja immer noch viele beziehen, schwurbelt er aber
      ohne Ende an der entscheidenden Stelle. Und er macht das ausgesprochen geschickt. Verbaler Kunstflug vom Feinsten. Und die armen Hilferdings dieser Welt verstricken sich in der Verwirrung, die solche Banker wie Lansburgh stiften und werden dann von Deppen wie Sandleben 100 Jahre spaeter dafuer in einer Art und Weise kritisiert, die den Bankern nur literweise Freudentraenen in die Augen treiben kann.

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  7. Wie versprochen noch ein paar Erläuterungen Hilferdings auf der Geheimkonferenz 1931 (Alle Teilnehmer hatten im Vorfeld ein ausführliches Exposé von Lautenbach zu seinem Plan erhalten).

    "Wenn wir aber über Inflation und Deflation sprechen, müssen wir uns vor allem klar sein, daß wir damit nicht über Krediteinschränkung und Kreditausweitung sprechen. Das ist ein anderes Problem. ... Wenn wir uns aber fragen, ob es tatsächlich richtig ist, daß die Krise dadurch gelöst, abgebrochen, in Prosperität verwandelt werden kann, daß eine Notenbank den Kredit auszuweiten versucht, so möchte ich darauf verweisen, daß diese Politik in stärkstem Maße von dem amerikanischen Reserve Board gemacht worden ist, und zwar ohne jeden Erfolg.

    (Professor SALIN: Sie ist nicht zu Ende geführt!)

    - Es ist nicht nur dafür gesorgt worden, daß der Diskontsatz fortwährend ermäßigt wurde, sondern es ist in Amerika auch der Versuch gemacht worden, das Eintreten der Krise durch Mittel der Notenbankpolitik mindestens aufzuhalten, indem man in einem bestimmten Zeitraum versucht hat, die Zinssätze nicht allzu stark steigen zu lassen. ... Kann denn überhaupt eine Notenbank den Kredit ausweiten oder ist sie nicht darauf angewiesen, Kredite zu befriedigen, die aus der Wirtschaft entstehen." (Aus dem Protokoll der Geheimkonferenz 1931, herausgegeben von Knut Borchardt, Hans Otto Schötz in: Wirtschaftspolitik in der Krise. Die (Geheim-)Konferenz der Friedrich List-Gesellschaft im September 1931 über Möglichkeiten und Folgen einer Kreditausweitung. Baden-Baden 1991, S. 82 ff.)

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  8. Geheimkonferenz, 17. September 1931 (zweiter Tag), Hilferding: "Wie eine Krise behoben werden kann, hängt natürlich von der Natur der Krise selbst ab. Aber ich stehe durchaus zu dem Standpunkt, daß eine kapitalistische Krise im wesentlichen - im wesentlichen sage ich - nur durch ihre Selbstheilung behoben werden kann. ..." (S. 280).

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  9. Danke Christoph, das ist wirklich hoch interessant.
    Ich moechte auf einen Punkt Hinweisen. Hilferding stellt eine gute Frage:
    "....Kann denn überhaupt eine Notenbank den Kredit ausweiten oder ist sie nicht darauf angewiesen, Kredite zu befriedigen, die aus der Wirtschaft entstehen."
    Diese Frage steht ja z. Zt. auch wieder im Raum. Das Bankensystem ist zweistufig. Die Zentralbank versorgt die Geschaeftsbanken mit ZB-Geld und diese nutzen dies im wesentlichen zur Abwicklung des Zahlungsverkehers untereinander. Das Publikum, soweit es nicht auf Auszahlung von Bargeld besteht, fuehrt seine Konten aber in Geschaeftsbankgeld, was durch Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft wird und u.a. mengenmaessig den ZBG Bestand weit uebersteigt. Die Bereitstellung von Liquiditaet durch die ZB erzwingt keine Kreditausweitung der GB. Das sehen wir heute wieder. Und Hilferding stellt diese Frage. Wenn ich den geldtheoretischen Teil von Hilferdings Finanzkapital lese, dann halte ich diesen fuer ausgesprochen schwach. Das kann gewollt sein aber es kann auch Folge einer Mauer des Schweigens und Vernebelns von Seiten der Banker sein. Aus meiner eigenen Erfahrung mit der Beschaeftigung mit diesem Thema kann ich nur sagen, dass die Nebelgranaten die mir von Bankern und Geldtheoretikern in den Weg gelegt wurden mit Abstand die groessten waren.
    Die Schrift von Lansburgh ist ein leuchtendes Beispiel dafuer. Da steht viel Wahres drin. Sie zeichnet sich durch Eloquents aus und verschleiert gleichzeitig sehr geschickt hinter einem Wust von Detailbetrachtungen den entscheidenden Punkt.
    Wer schoepft Geld und entscheidet wer, wann, wieviel, zu welchen Konditionen und zu welchem Zweck bekommt. Und wer tut dies in einem willkuerlichen Akt, an nichts gebunden? Und wer traegt damit letztendlich die Verantwortung dafuer, was daraus entsteht? Wenn man in Diskussionen diese frage an Banker und auch Geldtheoretiker richtet, dann wird ueblicherweise ohne Ende abgewiegelt. Dann kommt ein Wust, der so eindeutig auf das verweist, was dahinter steckt, dass es einem wirklich die Sprache verschlaegt. Der verbale Kunstflug Lansburghs an diesen Stellen ist wirklich typisch und heute noch weit verbreitet. Und ich koennte auf Beispiele im Netz verweisen.
    Ich neige also dazu Hilferding als jemanden zu sehen, der Konzentrationsprozesse
    und ihre wirtschaftliche Bedeutung richtig erkannt hat und den Finanzsektor richtigerweise als Machtzentrum erkannt hat. Geldtheoretisch war er offensichtlich sehr schwach.
    -
    Die Logik das man "Schwaches" ausbrennen muss und "Starkes" staerken muss ist ja auch Kernpunkt der Reagannomics. Und "freie Maerkte" sind tatsaechlich Arenen, in denen das Recht des Staerkeren gilt. Warum dann aber die Anwesenheit und Bedeutung von Staerke und Schwaeche = Macht in gleichgewichtstheoretischen Wirtschaftsmodellen vollkommen ignoriert wird, und das obwohl das stetige aufrichten dieses Machtgradienten, der sich in Eigentumsverteilungen manifestiert, ueberall zu beobachten ist, laesst sich nur durch machtopportunes Verhalten in einer sog. Wissenschaft erklaeren.
    War Hilferding machtopportun?
    Bei jemandem der zweimal Finanzminister war und es in Geheimkonferenzen schaft, ist diese Frage sicherlich berechtigt. Wie sie ueberigens ganz generell bei jedem gewaehlten Volksvertreter und Regierungsmitglied zu stellen ist, wenn das Ergebnis der Volsvertretungs- und Regierungsarbeit im Ergebnis nicht den Interessen von Mehrheiten, dem nominellen Souveraen in einem demokratischen Rechtsstaat, entspricht.

    Viele Gruesse

    Georg

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