Samstag, 14. März 2015

Lassen sich Schulden nicht abwaehlen?

Das Handelsblatt brachte gestern unter einer sehr erhellenden Ueberschrift einen Artikel des selbsternannten Wertkonservativen Wolfram Weimer:


Darin schreibt  dieser u.a.:
"In Europa darf nicht noch ein Land in die Hände von linken Halbstarken wie in Griechenland fallen. Denn Syriza zeigt, dass Links- wie Rechtsextreme auf der Regierungsbank vor allem Ressentiments pflegen"
und beklagt sich dabei ausfuehrlich ueber eine objektiv beobachtbare Polarisierung der politischen Lager in Europa, die Ausdruck einer seit Jahrzehnten durch neoliberale Ideologien voran getriebenen gesellschaftlichen Desintegration in Europa ist.

Die gewaehlte Ueberschrift ist deswegen erhellend, weil sie in ueblicher Manier verschweigt, das Schulden im etablierten System unabdingbare Voraussetzung fuer das Anhaeufen von Geldvermoegen sind. D.h. die Ueberschrift koennte genau so gut lauten:

 "Geldvermoegen lassen sich nicht abwaehlen." 

Und damit attestiert der Wertkonservative Weimer den endgueltigen Abschluss einer Restauration durch die Finanzoligarchie und den Rueckfall in Verhaeltnisse, wie sie vor 1789 herrschten. Es stellt sich damit auch sofort die Frage welche Werte der Schreiberling denn konserviert sehen moechte, wenn er sich unter einer solchen Ueberschrift als Wertkonservativer vorstellt. Die Menschenrechte koennen es nicht sein, denn diese gehen auf die Erklaerung der Menschen- und Buergerrechte durch die franzoesische Nationalversammlung im August 1789 zurueck und sind somit ein Produkt der Aufklaerung, die u.a. im Staatswesen mittels Wahlen einen zivilisierten Weg ermoeglichen wollte, ueber den die Mehrheit sich die Freiheit von Tyrannei durch uneinsichtige und/oder unwillige Koepfe zurueck holen kann. Griechenland wurde durch die korrupten, uneinsichtigen und unwilligen Koepfe in seinen Wirtschafts- und Politeliten in diese vollkommen aussichtslose Situation gefuehrt. Die Griechen haben als demokratisch verfasster Staat das Recht sich von einer derartigen Tyrannei per Wahl zu befreien. Das haben sie nun nach einem seit sieben Jahren andauernden Leidensweg  getan.
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Es ist ja modern geworden ganze Volkswirtschaften nach betriebswirtschaftlichen Regeln zu fuehren. Das ganze Gerede von Wettbewerbsfaehigkeit und die Verherrlichung von monetaeren Ueberschuessen per Leistungsbilanz deutet ueberdeutlich in diese Richtung. Nur wenn man dies, was ich fuer vollkommen unsinnig, brandgefaehrlich und einen Gesetzesbruch halte, so treibt, dann muss man Volkswirtschaften auch das Recht einrauemen, was man jeder Firma und jedem Einzelnen einraeumt.
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Japan gilt ja als das Musterbeispiel fuer Disziplin und Wettbewerbsfaehigkeit. Es ist so gesehen ein zweites Deutschland in Asien. Doch trotz gewaltiger Leistungsbilanzueberschuesse und einer eskalierenden Geldmengenausweitung = Verschuldung im Innern stagniert das BIP seit Jahrzehnten und die sozialen Verhaeltnisse spitzen sich immer mehr zu.













Quelle
Quelle2
Man kann sagen, das der wirtschaftliche / deflationaere Zusammenbruch in Japan bisher nur durch das Erzeugen gewaltiger chronischer Leistungsbilanzueberschuesse (was andere Laender zwangslaeufig in die Ueberschuldung treibt) und eine gigantische Geldmengen=Schuldenexpansion im Innern verhindert werden konnte.
Japan ist somit der lebende Beweis dafuer, dass die vorherrschende Ideologie und die damit verbundene Wirtschaftsweise nicht dauerhaft funktionieren koennen. Doch das alles wird von sog. Wirtschaftswissenschaftlern und die durch sie beratene Politik vollkommen ignoriert.

 „Hinrichtung Ludwig des XVI“ von Georg Heinrich Sieveking - http://www.uncp.edu/home/rwb/louis16_execution.jpg. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hinrichtung_Ludwig_des_XVI.png#/media/File:Hinrichtung_Ludwig_des_XVI.png

Wenn dann noch jeder zivilisierte Weg eine aussichtslos gewordene Situation aufzuloesen durch eine Rhetorik wie im oben zitierten Artikel verbaut wird, dann bleibt schlussendlich nur das weniger zivilisierte Koepferollen. Ob es das ist, was die "Wertkonservativen"   wollen?

Sapere Aude!