Mittwoch, 27. Januar 2016

Emergenz oder die Quelle intrinsischen Werts von Fiat Geld

Die Sache mit dem Wert des Geldes bzw. einer Hinterlegung von Wert in Form von Sicherheiten, Gold oder was immer es ist, ist etwas was der Akzeptanz oder besser der abgoettischen Liebe zum Geld auf die Beine helfen soll (Bootstrap Verfahren). Der intrinsische Wert von Fiat Geld ist auf den ersten Blick Null. Darueber muss man zunaechst mit viel TamTam und Buhei hinwegtaeuschen, um so die Sache in Gang zu bringen. Ich nenne das die Veredlung zur Umlauffaehigkeit. Wenn Geld als Zahlungsmittel akzpetiert wird, dann ist Geld eine Forderung gegen die Allgemeinheit. Ich kann damit alles kaufen was angeboten wird und Geld als Zahlungsmittel akzeptiert. Der Verkaeufer des Realwerts macht dabei einen Aktivtausch der Art offene Rechnung=Forderung aus Realkredit=spezifische Forderung gegen den Kaeufer gegen eine zur Umlauffaehigkeit veredelte Forderung gegen die Allgemeinheit. Ein weiteres wichtiges Element zum Aufbau und Erhalt der Akzeptanz=Veredlung zur Umlauffaehigkeit ist die Erhebung von Steuern durch den Staat in Geldform. Denn damit ist ersteinmal jeder gezwungen, der in legaler Weise am wirtschaftlichen Leben teilnehmen will, entweder bei den Masters of the Universe Geld, das diese aus dem Nichts schoepfen zu leihen, oder aber fuer Geld, das ein anderer geliehen hat zu arbeiten bzw. bestehende Realwerte zu verkaufen. Das ist dann alternativlos. Wenn so allgemeine Akzeptanz hergestellt ist, ist Geld, wie bereits gesagt, eine Forderung gegen die Allgemeinheit und damit ein perfektes Fuehrungs – und Lenkungsinstrument. Damit lassen sich dann (Arbeiter)Heere aufstellen und bezahlen. Und es ist in der Hand derer die das Geld bereitstellen zu bestimmen, in was die Arbeit dieser Heere fliesst. Und damit bekommt Geld dann auch einen intrinsischen Wert, der darin besteht, dass Menschen so zu einer Kooperation bewegt und koordiniert, Aufgaben bewaeltigen, die Einzelne nie bewaeltigen koennten (btw, an dieser Stelle wird das System non ergodic). Diese organisatorische Kraft = Macht mittels Geld viele Menschen zu koordinierter Arbeit bewegen zu koennen, liefert einen intrinsichen/emergenten Wert der aus eben dieser Funktion des Geldes als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument entsteht. Keiner kann sich in einer hoch arbeitsteilgen Welt mehr vorstellen seinen Lebensunterhalt alleine mit seiner Familie auf einem Stueck Land zu erarbeiten. Alle sehen die Vorteile so organisierter und durch Geldfluesse gesteuerter/koordinierter Arbeit und unterwerfen sich so der Macht des Geldes = der Macht derer, die bei der Schoepfung des Geldes bestimmen, wer, wann, wozu, wieviel und zu welchen Konditionen diese aus dem Nichts geschoepfte Forderung gegen die Allgemeinheit erhaelt, wohl wissend, das da von den Koordinatoren="Investoren" und den Schoepfern ordentlich was in Form von Profit und Zinsen abgezweigt wird.
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Das Problem dabei ist aber das beim staendigen Wiederholen dieses "Erfolgsrezepts" des “Investierens” = Abschoepfen emergenter Mehrwerte Konzentrationsprozesse ablaufen. Das funktioniert nicht immer gleich gut und vor allen Dingen ueber die Population der Unternehmungen nicht homogen. Die Renditen streuen. Und das alleine reicht aus, um ueber einen laengeren Zeitraum die Probleme zu verursachen, die dieser Wirtschaftsweise letztendlich die Funktionsbedingungen wieder entziehen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Du schreibst, dass, obwohl dieses System so unfair und ausbeuterisch ist, keiner die Wahl hat, sich dem System zu entziehen. Ich möchte das, zumindest teilweise, in Frage stellen.

    In einem früheren Beitrag hast du ein Bild von Krysmanskis Ringburg. Ergänzt man diese um weitere Ringe, so kommen nach den Funktionseliten die Handlanger, im Wesentlichen die westliche Bevölkerung, und dann kommt die große breite Basis der geknechteten, welches die globale Unterschicht ist. Auch wenn das Beispiel Griechenland oder auch die aus dem Sozialstaat gefallen Millionen US-Bürger zeigen, dass die Grenze zwischen den Handlangern und den Geknechteten immer weniger an die nationale Herkunft geknüpft ist, so gehören doch wir alle im Wesentlichen immer noch zu den Handlangern und Nutznießern dieses Systems.

    Natürlich hast du recht, dass ein totaler Ausstieg aus diesem System nicht möglich ist, denn der Lebensstandard eines frühmittelalterlichen Bauern, der lediglich den Müller und den Schmied in Anspruch genommen hat und ansonsten seinen gesamten Bedarf an Wohnung, Kleidung und Nahrung selbst gedeckt hat, ist nicht erstrebenswert und wir modernen Menschen sind auch schlicht zu dämlich, eine derartige Vielfalt an Produkten selbst zu erzeugen.

    Dennoch steckt in deiner Analyse ein Teil der Lösung. Wenn Geld die Macht ist, um Ressourcen zu alloziieren, dann ist klar, warum die Finanzelite ein Interesse daran hat, jeden Bereich des Lebens zu verwirtschaftlichen. Statt selbst Werte im Haushalt zu schaffen (Gärtnern, Kochen, Handarbeit, Handwerk, Reparaturen, Kinder betreuen, etc....) sollen alle volljährigen Mitglieder des Haushaltes Vollzeit arbeiten gehen und sich alles kaufen was sie brauchen um sich so dem Diktat der Geldflüsse zu unterwerfen. Die Konsumgesellschaft, die uns als Möhre vor die Nase gehalten wird, damit wir unser gesamten Leben auf Beruf und Karriere ausrichten ist der Judaslohn dafür, das wir in der globalen Hierarchie nicht ganz unten sondern an vorletzter Stelle stehen dürfen und so selbst zu den Nutznießern der Ausbeutung gehören.

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  2. Was kann man tun um dieses System zu boykottieren und gleichzeitig Lebensqualität zu gewinnen? Auf dieser Frage denke ich schon seit längerem herum. Folgende Schritte erscheinen mit sinnvoll:
    1.) Fernseher ausschalten und auslassen, Zeit für Hobbys und Familie gewinnen und sich nicht der Gehirnwäsche der Konsumwerbung aussetzen.
    2.) Sich mit Minimalismus beschäftigen. Einen Euro weniger auszugeben ist einfacher als einen Euro mehr einzunehmen. man muss das nicht ins Extreme treiben, aber ab einem gewissen Punkt, über den wir alle längst rüber sind, ist Besitz ist eine Last und macht nicht glücklich. Konsum bedeutet finanzielle Verbindlichkeiten bedeutet Unfreiheit.
    3.) Geldflüsse lenken. Soweit es geht in allen Lebensbereichen Konzerne boykottieren. Essen auf dem Markt beim Bauern kaufen und nicht im Supermarkt. Mit Fahrrad oder ÖPNV fahren statt mit dem Auto. Vorsorgen durch selbst bewohntes Wohneigentum statt monatlich Geld ins Casino zu werfen.
    4.) Geldflüsse stoppen. Jeder Wert, der von einem selbst für den Eigenkonsum geschaffen wurde, bricht die Macht der Finanzelite, weil er nicht deren Kontrolle unterliegt. Jedes Gemüse was auf dem Balkon wächst, jedes Essen das selbst gekocht wird, jeder selbstangenähte Knopf und jedes selbst renovierte Zimmer boykottiert das Wirtschaftssystem. Zudem gibt es kaum ein erfüllenderes Hobby, als sich selbst Werte zu schaffen, idealerweise als Qualitätszeit im Rahmen der Familie. Der ultimative Geldflussstopper ist die Reduktion der Arbeitszeit. Wer weniger Ausgaben hat, der kann seine Einnahmen reduzieren und so seine Arbeitskraft der Finanzelite entziehen. Ob diese Verringerung der Prostitution auf dem Arbeiterstrich in Form von einer reduzierten Wochenarbeitszeit, eines Sabbaticals, in Form von Frühverrentung oder in Form einer Ein-Verdiener-Familie geschehen kann, hängt natürlich stark von den individuellen Rahmenbedingungen ab. Die meisten Menschen haben aber keinen Spaß an ihrer Arbeit, so dass die Reduktion von Arbeitszeit für viele ein Ziel ist, das die Lebensqualität steigern kann.

    Es ist utopisch, dass man mit wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen einen Wandel von oben herbeiführen kann, weil gemäß Krysmanskis Ringburg die politischen Eliten erst an dritter Stelle von oben stehen und somit keinen Einfluss haben. Um Einfluss zu nehmen, muss jeder bei sich anfangen.

    Agere aude! Habe den Mut zu handeln.

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  3. Ich befinde mich seit 10 Jahren auf diesem Weg. Ich entspare und ich arbeite nur noch an Dingen, die mir sinnvoll erscheinen. Gleichzeitig will ich die Hoffnung nicht aufgeben, das im gesellschaftlichen Oberstuebchen Veraenderungen moeglich und bewirkbar sind. Neben dem Motto Sapere Aude! halte ich sehr viel von Camus:
    „Wenn es das Absurde gibt, dann nur im Universum des Menschen. Sobald dieser Begriff sich in ein Sprungbrett zur Ewigkeit verwandelt, ist er nicht mehr mit der menschlichen Hellsichtigkeit verbunden. Dann ist das Absurde nicht mehr die Evidenz, die der Mensch feststellt, ohne in sie einzuwilligen. Der Kampf ist dann vermieden. Der Mensch integriert das Absurde und läßt damit sein eigentliches Wesen verschwinden, das Gegensatz, Zerrissenheit und Entzweiung ist. Dieser Sprung ist ein Ausweichen.“
    Und
    „Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Wenn es ein persönliches Geschick gibt, dann gibt es kein übergeordnetes Schicksal oder zumindest nur eines, das er unheilvoll und verachtenswert findet. Darüber hinaus weiß er sich als Herr seiner Tage. In diesem besonderen Augenblick, in dem der Mensch sich seinem Leben zuwendet, betrachtet Sisyphos, der zu seinem Stein zurückkehrt, die Reihe unzusammenhängender Handlungen, die sein Schicksal werden, als von ihm geschaffen, vereint unter dem Blick seiner Erinnerung und bald besiegelt durch den Tod. Derart überzeugt vom ganz und gar menschlichen Ursprung alles Menschlichen, ein Blinder, der sehen möchte und weiß, daß die Nacht kein Ende hat, ist er immer unterwegs. Noch rollt der Stein. […] Dieses Universum, das nun keinen Herrn mehr kennt, kommt ihm weder unfruchtbar noch wertlos vor. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

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