Samstag, 29. Oktober 2016

Bankgeschaefte 2

Angeregt durch eine Diskussion bei Querschuesse, moechte ich meine Sichtweise zu den Vorgaengen im Bankensektor noch etwas ausfuehrlicher darlegen.

Ausgangspunkt ist die irrefuehrende Behauptung ein niedriges Zinsniveau und die negativ Zinsen der EZB auf Einlagen wuerden der Ertragskraft der Geschaeftsbanken schaden.

Ob die Geschaeftsbanken, fuer Liquiditaet, die sie sich bei der Zentralbank leihen, positive Zinsen bezahlen muessen (Vorkrisenmodus) oder fuer Liquiditaet, die sie durch den Verkauf von Aktiva an die Zentralbank bei dieser gutgeschrieben bekommen, negative Zinsen zahlen muessen (State of the Art), ist gehupft wie gesprungen. Wichtig ist doch nur, dass die Zentralbank ein Mittel in der Hand behaelt, das Geld was sie ausgereicht hat, auch wieder einzusammeln. Sonst waere ja die “Glaubwuerdigkeit” der Story, Zentralbanken, die ueber ihre Geld- und Zinspolitik alles und jeden im Griff haben, vollends den Bach runter.
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Vielmehr sollte man, wenn einem die Ertragskraft der Geschaeftsbanken ernsthaft am Herzen liegt, http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/10/darf-es-auch-etwas-mehr-sein.html
die Kostenstruktur der “leidenden” Banken und darin die Rolle der Gehaelter und Boni ihrer leidendenden;-) Angestellten (von denen einige in attraktiver Begleitung auf der letzten Monaco Yacht Show gesichtet wurden) unter die Lupe nehmen.

http://www.monacoyachtshow.com/en/

Wenn Bankster reihenweise per Presse / Medien verkuenden, dass die niedrigen/negativen Zinsen der Zentralbank schuld an ihrer Ertragsschwaeche sind, dann sollte man in Erwaegung ziehen, dass damit eine Wirkung beim Publikum erzielt werden soll, aber nicht unbedingt davon ausgehen, dass es den Tatsachen entspricht. So wuerde ich mir zumindest ein aus der Vergangenheit lernen vorstellen.

Die EZB hat ihre Zinsdifferenz von traditionell 1,0% auf 0,4% mehr als halbiert
https://www.ecb.europa.eu/stats/monetary/rates/html/index.en.html
und gleichzeitig ihr Bilanzvolumen von 1150 Mrd. Euro Ende 2006 auf 3450 Mrd. Euro verdreifacht:
http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2016/10/s606-600×445.png
Damit sind die Einahmen der EZB = Kosten aller Geschaeftsbanken fuer die bereitgestellte Liquiditaet in ZBG von grob 11,5 Mrd. pa auf 13,8 Mrd. pa um 20% gestiegen.
Die DB hat im gleichen Zeitraum ihre ZBG Liquiditaet von 7 Mrd. (bei einem Bilanzvolumen von 1572 Mrd, was der reine Wahnsinn war), auf 123 Mrd. (bei einem Bilanzvolumen von 1803 Mrd.) um den bemerkenswerten Faktor 17,6 erhoeht.
https://www.db.com/ir/de/quartalsergebnisse.htm#tab_2016-2014
Denn man kann im Bankgeschaeft eben nicht turbokapitalistische Renditen (25% aufs Eigenkapital), exorbitante Gehaelter und Boni fuer die leidenden Angestellten und Fels in der Brandung Sicherheit fuer die Kunden gleichzeitig haben. Und im Licht der obigen Zahlen betrachtet, sollte klar sein, dass es nicht die EZB ist, die mit ihrer aktuellen Geld- und Zinspolitik Verantwortung fuer die Folgen von eines ueblen Geschaeftsgebahrens eines Haufens von Hasadeuren bei den Geschaeftsbanken traegt.
EZB, Geschaeftsbanken und die durch diese gekaufte Politik sowie die ebenfalls gekauften sog. Wirtschaftswissenschaften stecken unter einer Decke  und stehen im Dienst der 1% (siehe auch Krysmanski, Ringburg Modell).
Die Stories und die Story Fragmente, die ueber die Spin Professoren der sog WiWis und Spin Doktoren der Medien in die Koepfe des Publikums gepumpt werden, dienen aber nicht dazu , dem Publikum Transparenz zu verschaffen. Vielmehr soll das genaue Gegenteil erreicht werden, weil der Hokuspokus nur dann funktionieren kann.
So wie es erstunken und erlogen ist, das Banken die Ersparnisse von Sparern an Kreditnehmer verleihen (siehe R. Werner), so ist es einfach falsch, zu behaupten, Banken koennten aufgrund des niedrigen Zinsniveaus keine Gewinne erzielen. Das ist Bull Shit, denn der Gewinn einer Bank aus dem Kreditgeschaeft speisst sich aus der Zinsdifferenz. Und so wie ich es oben beispielhaft fuer die Zentralbank erklaert habe, ist der Gewinn aus Zinsdifferenz unabhaengig vom absoluten Zinsniveau sondern das Produkt von ausgereichtem Kreditvolumen multipliziert mit der Zinsdifferenz.

Ob eine Zinsdifferenz von 1% aus 7%Soll minus 6%Haben oder 0%Soll minus -1%Haben entsteht spielt dabei keine Rolle. Punkt.

Es spielt fuer die Kosten der Geschaeftsbanken (als) Gesamtheit wie oben gezeigt daher auch keine Rolle wenn die EZB die ausgereichte Menge an ZBG verdoppelt und gleichzeitig die Zinsdifferenz (der ZB) halbiert. 1*1=1=0,5*2
Was aber eine Rolle spielt, ist, wenn das mit Abstand groesste deutsche Geldhaus seinen Liquiditaetsbestand ver 17,6 fachen muss, um dem Risiko eines Bank Runs vorzubeugen.
Denn das Vorkrisen Verhaeltnis von Liquiditaet zu Bilanzvolumen (+ gigantischen Off Balance Sheet Positionen/Risks aus dem Derivate Hokuspokus) von 0,00445 ist gelinde gesagt haarstraeubend, und bemerkenswerterweise NICHT das Thema der per Medien und kluegsten Professoren Deutschlands ins Publikum gepumpten “Informationen”.
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Einarmiges Bilanzieren und einseitige Betrachtungen sind nicht moeglich bzw. irrefuehrend. Und die Behauptung, durch das Absenken des Zinsniveaus durch die EZB waeren die Kosten fuer die Geschaeftsbanken signifikant gestiegen und deren Ertragskraft ernsthaft gefaehrdet, ist eine solche Irrefuehrung.
Alle Geschaeftsbanken der Eurozone muessen fuer die 3 fache Liquiditaet nur 20% mehr Zinsen pro Jahr an die EZB zahlen (s.o.). Wenn dann einige prominente Einzelfaelle nicht mit der durchschnittlich 3 fachen Liquiditaetserhoehung hin kommen, um die Folgen ihrer Exzesse zu uebertuenchen, sondern sage und schreibe das 17,6fache, also fast 6mal mehr als der Durchschnitt in Anspruch nehmen muessen, dann ist das gelinde gesagt auffaellig. Insbesondere dann, wenn es das mit Abstand groesste Geldhaus des Landes betrifft.
By the way, die 0,4% Zinskosten auf die 122 Mrd. ZBG Liquiditaet  der DB = 488 Millionen pa sind im Vergleich zu den Gesamtzinskosten, im wesentlichen Habenzinsen der Kundschaft auf hoch konzentrierte Geldvermoegen die im FY 2015 mit rund 10 Mrd. pa angegeben werden, die beruehmten Peanuts.
Und ja Verwahrgebuehren fuer Geld bei Geschaeftsbanken fuer Leute, die mit ihren Ersparnissen mangels Lizenz kein Zinsdifferenzgeschaeft aufziehen koennen, werden kommen. Darum gehts. Das Publikum schonend auf den naechsten unverschaemten Beutelschnitt vorbereiten.
Die Yachten, die kuerzlich von dem einen oder anderen Bankster bei Luerssen in Monaco bestellt wurden, muessen ja bezahlt werden;). Und die Kapazitaetserweiterung bei Luerssen durch die Aquisition von Blohm und Voss wird sich sicher rentieren.
Wer hat die eigentlich finanziert;-)?
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Darueber will man aber nicht reden
Man will nicht, dass das Publikum versteht, wie Banken funktionieren. Man will nicht ueber die prinzipiellen Risiken des Bankgeschaefts, so wie es aufgesetzt ist, reden. Man will nicht, darueber reden, dass das groesste deutsche Bankhaus zum Einsturz gebracht werden konnte, wenn nur 0,4 % der Bilanzsumme in Form von Barabhebungen oder Ueberweisungen zu anderen Instituten das Haus verlassen haetten. Man will die Dinge unter sich und im Sinne der 1% regeln. Und wir sollen das abnicken. Wir sollen verstehen, warum sich die Branche nach einem gigantischen Bailout durch den Staat inzwischen aus Gebuehrenerhoehungen saniert. Wir sollen glauben, das die ganze Krise vom Himmel gefallen ist und Folge undurchschaubarer Komplexitaeten ist. Wir sollen verstaendnisvoll, im vermeintlich eigenen Interesse und im Glauben an haarstraeubende und als Wissenschaft verpackte Luegen, fuer einen angeblichen Betriebsunfall haften.
Die Krise ist aber nicht! vom Himmel gefallen. Sie hat ihre Ursachen in einem ansich simplen aber hoch problematischen und kunstvoll vernebelten Setup im Kern unseres Wirtschaftssystems und einem wirklich nur noch als exzessiven, unverantwortlichen bis verbrecherischen zu bezeichnenden Umgang mit diesem Setup.


Ich wuensche ein schoenes und entspanntes Wochenende

Georg Trappe

Kommentare:

  1. Der Feldzug der Eliten gegen den Rest der Menschheit geht weiter mit der Abschaffung von Bargeld wie sie gerade in Schweden durchgewunken wurde. Wer sich nur ein Wenig mit dem Geldwesen auseinandersetzt muss ensetzt sein über diese blauäugige Selbstentmachtung der Demokratie.

    In der Abschaffung des Bargeldes kommen die totalitären Bestrebungen des Bankenwesens und unserer Sicherheitsapperate zusammen. Der Überwachungsstaat will die totale Information über alle Finanztransaktionen der Bürger und die Banken das unumkschränkte Monopol über das Geld.

    Die monopolistische Herrschaft über die Information und das Geld stehen im krassen Gegensatz zu unserer Demokratie und dienen dem verbrecherischen Bereicherungsaaparat den Sie beschreiben Die Bevölkerung durchblickt nicht im Ansatz wie dadurch totalitäre Machtstrukturen gefestigt werden.

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  2. Ja, so ist das. Leider. Und es ist interessant zu sehen, wer sich auf "Expertenseite" dabei hervortut:
    http://press.princeton.edu/titles/10798.html
    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/bofinger-und-rogoff-fordern-abschaffung-des-bargelds-a-1034135.html

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  3. >>Man will nicht, dass das Publikum versteht..<<
    Da Schule in entwickelten Gegenden eine Zwangsveranstaltung ist und der Normalbürger davon ausgeht, dass man dort Verstehen lernt / lernen soll, ist es klar, dass eben dieser Normalbürger nicht so leicht darauf kommt, dass Verstehen gerade nicht erwünscht ist.

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    1. “Das Unsichtbarmachen von Macht- und Besitzverhältnissen ist natürlich in einer „marktgerechten Demokratie“ wichtiger denn je. Ein ganz zentrales Hilfsmittel dazu ist die affektive und kognitive Desorientierung all derjenigen, die nicht zur besitzenden Klasse – oder, wie es im 18. Jahrhundert hieß, zur „verzehrenden“ Klasse – gehören. Um die tatsächlichen Machtverhältnisse zu verdecken, bedienen sich die Machteliten einer großen Schar bereitwilliger Intellektueller, die mit hohem gedanklichen Aufwand Interpretationsrahmen und Manipulationstechniken bereitstellen, durch die sich die Interessen der herrschenden Klasse als gesellschaftliche Allgemeininteressen darstellen lassen oder durch die sich politische Lethargie erzeugen lässt.
      Die entsprechenden Mechanismen einer politischen Desorientierung sind strukturell tief in alle Sozialisationsinstanzen unserer Gesellschaft eingewoben, insbesondere in Schulen und Universitäten. Folglich sind gerade diejenigen, die diese Sozialisationsinstanzen am längsten durchlaufen haben, in einer so tiefen Weise indoktriniert, dass sie die Indoktrination zumeist gar nicht mehr als solche wahrnehmen, sondern sie als kaum noch hinterfragbare Selbstverständlichkeiten ansehen. Im Bereich des Journalismus hat dieser Effekt gegenwärtig Ausmaße erreicht, die für eine Demokratie und die mit ihr verbundenen Ziele, wie soziale Gerechtigkeit oder eine Friedenssicherung, verhängnisvoll sind.” von Prof. Dr. Rainer Mausfeld

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  4. Ich wurde ja hier im Blog schon das eine oder andere mal von einem der gutmeinenden Bankster dem mein kritisch rationaler Ansatz widerwaertig war, aufgefordert, mir das mal von meinem Bankberater alles in Ruhe erklaeren zu lassen. Er haette mich wohl auch gerne zu den von Banstern gekauften sog. Wirtschaftswissenschaftlern geschickt. Am liebsten zu solchen, die mit einem von einer Bank gefaelschten Nobelpreis fuer sog. Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurden.
    Die Wissensvermittlung bezueglich der Grundlagen und des Kerns der vorherrschenden Wirtschaftsweise ist tatsaechlich zu 99,9% durch gekaufte Charaktere besetzt, die die auswendig gelernten Vorgaben unhinterfragt weitergeben und gleichzeitig jeden Ansatz von kritischem Denken in einem wuesten Nebel aus vollkommen absurden Theorien zu ersticken suchen.

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